Amazon wirft sich in die Tablet-Schlacht

25 Millionen iPads hat Apple bis Mitte des Jahres weltweit verkauft. Andere Hardware-Hersteller wie Samsung, RIM oder HP sind in das Rennen um Marktanteile auf dem neuen Gerätemarkt eingestiegen. Jetzt scheint es sicher, dass auch der Online-Versandhändler Amazon genug gesehen hat. Im Oktober soll das US-Unternehmen ein eigenes Android-Tablet präsentieren. Ob Amazon-Chef Bezos über den Preis oder die Qualität angreift, ist noch unklar.

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Gerüchte um ein eigenes Amazon-Tablet gab´s schon länger, befeuert durch  Konzernchef Jeff Bezos selber. Das Wall Street Journal hat nun mit Verweis auf anonyme Quellen mehr Informationen veröffentlicht. Demnach erscheint das Gerät im Oktober. Als Betriebssystem soll Googles Android vorgesehen sein. Der Bildschirm soll mit neun Zoll (knapp 23 Zentimeter) nur etwas kleiner als der von Apples iPad sein. Eine Kamera habe das Gerät allerdings nicht. Die erste Version des Tablets werde nicht nur wie üblich extern gefertigt, sondern sei auch extern entworfen worden sein. So schreibt zumindest das Journal.

Während die US-Wirtschaftszeitung in dem Plan einen Generalangriff auf Apple sieht, kommentiert Techcrunch die Ausgangslage anders. Die Tech-Experten vermuten, dass ein Amazon-Tablet mit Android-Oberfläche vor allem Google schaden könne. Denn das Gerät werde zwar mit der Google-Software laufen, doch der Nutzer bewege sich in Amazons App-Store, schaue Amazon-Filme, lese Amazon-Bücher, undsoweiter. Voraussichtlich erst 2012 wird ein eigenes Google-Tablet auf den Markt kommen, spekuliert Techcrunch.

Unklar ist bisher, wie teuer das Amazon-Tablet wird. Die Herausforderung an alle Apple-Konkurrenten auf diesem Markt ist, ein Gerät zu entwickeln, das deutlich günstiger als das iPad ist, aber trotzdem technisch mithalten kann. Bisher hat sich hier noch kein Hersteller hervorgetan. In dem Augenblick, in dem ein iPad-Rivale einen vergleichbaren Preis wie der Marktführer aufruft, ist die Kaufentscheidung eine klare Angelegenheit. Denn die potenziellen Käufer sehen das iPad als das Original, das Maß aller Dinge. Konkurrenten muss es entweder gelingen, eine eigene Tablet-Marke zu schaffen, die es in puncto Design, Image und Funktionalität mit Apple aufnehmen kann. Oder sie müssen eben günstiger sein. Die Chance ist da: Noch ist der Massenmarkt für Tablets nicht erschlossen.

Die Ausgangslage ist freilich für Apple und für Amazon eine andere. Darauf weisen auch die Journal-Autoren hin. Apple hat Schritt für Schritt virtuelle Shops wie iTunes und später den App Store aufgebaut – iTunes hat das Musikgeschäft revolutioniert, der App-Store der Kalifornier ist der Größte seiner Art. Den Großteil des Umsatzes verdient Apple aber mit dem Verkauf der Geräte. Umgekehrt ist Amazon ein Händler von Musik, Büchern, Filmen, etc. Mit der Digitalisierung der Unterhaltungswelt will Amazon ein Gerät bauen, mit dem der Verkauf dieser plötzlich nicht mehr physisch greifbaren Angebote einfach und schnell möglich ist. Amazon geht es weniger um den Verkauf der Hardware – sie ist nur ein Vehikel. Mit dem E-Reader Kindle hat der Konzern vorgemacht, wie das für die Welt der Bücher funktionieren könnte.

Apropos Kindle – die Entwicklung eines eigenen Amazon-Tablets kann zweierlei bedeuten. Entweder E-Reader und Tablets etablieren sich als zwei Gerätekategorien, die sich kaum in die Quere kommen. Oder Amazon-Chef Bezos sieht ein, das ein Multifunktionsgerät wie ein Tablet letztendlich den E-Readern den Markt abgraben wird. Mitmischen muss Amazon in jedem Fall.         

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