Weser-Kurier: Ärger um Redaktions-Schwein

Jetzt geht's um die Wurst: Aus einer harmlosen Aktion der Niedersachsen-Redaktion des Weser-Kurier hat sich nun ein scheinbar ernster Disput entwickelt. Eine Gruppe von Tierschützern hat sich bei Facebook unter dem Namen "Das Schwein bleibt" formiert, um gegen die geplante Schlachtung des Redaktions-Schweins zu protestieren. Dazu machen sich Vereine im Netz für das Leben des Tieres stark. Bei der Tageszeitung ist man ratlos. Die Serie "Ein Schweineleben" nimmt nun eine ganz andere Wendung.

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Seit April läuft im Weser-Kurier die Serie "Ein Schweineleben", für das sich die Redaktion ein Ferkel zugelegt hat, das auf einem Bauernhof im Landkreis Verden gehalten wird. Anlass für das ungewöhnliche Projekt war der Dioxin-Skandal. "Wir wollten das Thema Tierhaltung, Futtermittelindustrie und Fleischkonsum mal grundsätzlich angehen. Wir erzählen an dem Schwein von der Züchtung über die Haltung bis zur Schlachtung alles, was in seinem Leben so passiert, um die Leser für das Problem zu sensibilisieren", erklärte Hans Ettemeyer, stellvertretender Leiter des Niedersachen-Ressorts, gegenüber MEEDIA die Idee. Es sollte also in der 14-tägigen Samstagsserie nicht um das Thema gehen, Fleisch essen oder nicht, sondern anhand des Schweins sollte auf Haltung und Nutzung der Tiere aufmerksam gemacht werden.
Zu Beginn erntete die Aktion positives Feedback. Doch nun macht sich Protest breit: Neben der Facebook-Gruppe "Das Schwein bleibt" (rund 380 Mitglieder), die dazu aufruft, "nicht tatenlos zuzusehen, wie dieses Schwein seinem unnatürlichen Ende entgegengaloppiert", appelliert auch der Verein Vegane Gesellschaft Deutschland, das Tier am Leben zu halten. Darüber hinaus bekam die Redaktion rund 400 Beschwerde-Mails.
Anlass für den Aufruf ist die Kolumne der Bremer vom 2. Juli, in der nochmals trotz des Aufstandes im Netz klargestellt wurde: "Unser Entschluss steht fest. Das Redaktions-Schwein wird geschlachtet! Es ist ein ganz normales Nutztier, das ganz normal zu Wurst und Fleisch verarbeitet wird. Es sei denn, jemand will das Tier unbedingt retten und übernimmt die Kosten für die Unterbringung, etwa auf einem Gnadenhof. Bisher hat sich indes noch niemand gefunden – auch nicht in der Facebook-Gemeinde."
Nun hat sich tatsächlich ein Verein gefunden, der das Schwein nach der Serie aufnehmen will: Die Tierschützer von Free Animal aus Hamburg wollen das Bremer Redaktionsferkel auf einen Lebenshof im Hunsrück bringen und übernehmen auch die Haltungskosten bis zum natürlichen Tod. Auf der Website der Veganen Gesellschaft heißt es dazu: "Sollte die Redaktion des Weser-Kuriers tatsächlich auf der Schlachtung bestehen, obgleich ein Angebot von Free Animal e.v. vorliegt, (…) wäre es das mindeste, dass die Redaktionsmitglieder, wo sie doch das Leben des Tieres dokumentieren, bei der Schlachtung selbst mit dabei sind. Alles andere wäre schlicht und einfach feige und erbärmlich."
In der Weser-Stadt wird nun diskutiert, wie man mit dem Angebot umgeht. Am kommenden Samstag will sich die Redaktion in ihrer Kolumne dazu äußern, ob man das Gnadengesuch erfüllt. Auf eine Grillparty müssten die Bremer aber nicht verzichten. Sollten die Redaktionsmitglieder Mitgefühl aufbringen, würde eine Einladung zu einer "fleischlosen und damit leidfreien Grillparty" folgen, kündigte die Vegane Gesellschaft an.

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