Die Wunschzettel des Dr. Wiele

Ja ist denn heut' schon Weihnachten? Nö. Aber Andreas Wiele, Vorstand bei Axel Springer, hat trotzdem schon mal seine Wunschzettel geschrieben - an die Verlage, an Google, Facebook und Apple. Veröffentlicht hat er das Ganze im Jahrbuch des Zeitschriftenverlegerverbands VDZ, das in diesen Tagen erschienen ist. Wiele prognostiziert der Gattung Zeitschriften eine "neue Blütezeit". Wenn, ja wenn seine Wünsche auch in Erfüllung gehen.

Anzeige

Wieles Wunschzettel an die Verlage:
An die Verlage richtet Wiele einen schon oft aus Springers Hochhaus hinausgerufenen Wunsch. Sie sollen die Tablets-PCs als "historische Chance" nutzen, "den wesentlichsten Geburtsfehler des Internets zu korrigieren, die Gratiskultur für Inhalte." Kein Zettel ohne den berühmten "Geburtsfehler" – klar. Wiele untermauert seine in Tablets gesetzte Hoffnung mit Zahlen. 2012 werde das Tablet-Business zum Massenmarkt. In fünf Jahren rechnet er mit 15 Millionen verkaufter Geräte in Deutschland – "das sind 15 Millionen potenzielle Käufer für Spiegel, Hörzu oder Bunte". Sein eigener Arbeitgeber setzt auf die Erlöskraft von Tablet-Magazinen und will den hauseigenen iKiosk demnächst auf verlagsfremde Titel ausweiten.
Vom Auflagen-TÜV IVW verlangt Wiele, dass er an diesem Strang mitzieht. "Baldmöglichst" solle es eine einheitliche Ausweisung der Auflage für App- und Printverkäufe geben. Nur so lasse sich der Erfolg einer Zeitschrift in Zukunft "wirklich" messen. Der Haken an der Sache: Bisher lässt die IVW nur solche digitalen Ausgaben als zur Auflage anrechenbar gelten, die exakt, inklusive der Werbung, der gedruckten Ausgabe entsprechen. Hinter den Kulissen wird noch hart gerungen, was diesen Punkt angeht.
Wieles Wunschzettel an Apple:
Schon Wieles Boss Mathias Döpfner hat seine anfängliche Apple-Huldigung mittlerweile wieder drangegeben. Nun fordert dessen Vorstandskollege einen Provisionsanteil von "höchstens" 20 Prozent für Apple. Bisher liegt der Anteil für den Konzern bei 30 Prozent von Verkaufserlösen. Wiele will außerdem, dass Kunden in einem einzigen Bestellvorgang sowohl App- wie Printausgabe einer Zeitschrift bestellen können, und das zu einem Kombipreis. Dies erlauben die App Store Vorschriften bisher nicht.
Des Weiteren auf der Liste: Die Verlage sollen autonom Preise ihrer Angebote festlegen können, die Kundenbeziehungen sollen bei den Verlagen liegen statt nur bei Apple, Apps müssten unzensiert und "unverzüglich" freigeschaltet werden. Wiele legt als Maßstab die "bewährten Regeln des Pressevertriebs" an. Allerdings meint er hier vor allem den deutschen Pressevertrieb. Bemerkenswert sein Hinweis, die Tablet-Hersteller müssten sich "ihrer Verantwortung als digitale Grossisten der Zukunft bewusst sein". Mit anderen Worten: Wiele und seine Kollegen sehen langfristig einen Systemwechsel von Print auf digitale Medienformate kommen.
Wieles Wunschzettel an Google:
Hier gibt´s nicht viel Neues auf der Liste. Wie fast alle Verlage fordert der Springer-Vorstand eine "faire Suche" ohne Bevorteilung von Google-Angeboten und eine "angemessene Bezahlung" für die Nutzung von Verlagsinhalten. Hier laufen bereits entsprechende Klagen sowohl in Europa wie in den USA gegen den Konzern.
Wieles Wunschzettel an Facebook:
In dem Social Network sieht Wiele einen "echten zweiten Kiosk neben Google" für den Zugang zu journalistischen Angeboten im Netz. Doch Facebook – "the new kid on the block" – müsse sich an die "Regeln der Erwachsenenwelt" halten, mahnt Wiele, der sich hier offenbar in der Rolle des Erziehungsberechtigten wähnt. Es geht ihm konkret um den Schutz der Privatsphäre und die Beachtung von Urheberrechten. Darüber hinaus wünscht sich Wiele, dass neben Facebook Credits andere Bezahlsysteme innerhalb des Netzwerks erlaubt werden. 30 Prozent Erlösbeteiligung seien zudem zu viel: "fünf bis zehn Prozent wären auch genug".
Darf sich Andreas Wiele Hoffnungen machen, dass alle seine Wünsche in Erfüllung gehen? Kommt drauf an. Wichtige Forderungen wie die Senkung von Margen regelt der Markt von selber, sobald Apple entsprechende Konkurrenz erwächst. Andere Wünsche sind allein Angelegenheit der Verlage selber, die sich untereinander einig sein müssen. Was nur selten der Fall ist. Und für andere Wünsche bleibt Wiele vermutlich doch nur der Weg zum Weihnachtsmann.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige