Das Phänomen „Two and a Half Men“

Die US-Comedyserie "Two and a Half Men" gehört in Deutschland zu den ungewöhnlichsten Phänomenen der TV-Gegenwart. Seit Sonntagabend sorgt sie bei kabel eins auch in der Prime Time für Aufsehen - und das mit alten Folgen der ersten Staffel, die schon oft wiederholt wurden. Wie MEEDIA-Recherchen nämlich zeigen, wurden die 161 bisher in Deutschland ausgestrahlten Episoden bei ProSieben und kabel eins insgesamt fast 3.400 mal gezeigt - also jede Folge im Durchschnitt mehr als 20 mal!

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Als die Serie im März 2005 ihre Deutschland-Premiere bei ProSieben feierte, waren die Zeiten für US-Comedyserien nicht die besten. Kaum ein Vertreter des Genres hatte in den Jahren zuvor quotentechnisch überzeugt, schon gar nicht auf attraktiven Prime-Time-Sendeplätzen. "Two and a Half Men" wurde daher auch erstmal samstags um 17.30 Uhr gezeigt – und das weitgehend erfolglos. Nur 0,52 Mio. 14- bis 49-Jährige sahen die ersten 24 Folgen "Mein cooler Onkel Charlie" – so hieß die Serie nämlich hierzulande in ihrem ersten Jahr. Der Marktanteil reichte damit nur für 9,6% und blieb deutlich unter dem damaligen ProSieben-Jahresdurchschnitt von 11,7%.

2006 wurden die nächsten Folgen daher nur noch in der samstäglichen Mittagszeit gezeigt, auf einem noch unattraktiveren Sendeplatz. Doch auch dort blieben die Marktanteile der inzwischen auch hier als "Two and a Half Men" laufenden Serie schwach. Allenfalls das Mittelmaß wurde mit den Ausstrahlungen bis 2009 erreicht. Dann die Überraschung: Man transferierte die ersten Folgen zum kleinen ProSieben-Bruder kabel eins und dort entwickelte sie sich zur Quoten-Sensation.

Schon die beiden ersten Episoden erzielten im Januar 2009 in der werktäglichen Mittagszeit 11,2% und 12,9%. Für einen Sender mit Normalwerten von damals 6,1% ein unglaublicher Erfolg. Konnte der Erfolg zunächst noch mit dem eingeführten starken Sitcom-Sendeplatz erklärt werden, entwickelte sich schnell eine Eigendynamik, die zu immer besseren Quoten führte. Schon im Mai zeigte kabel eins die Serie zusätzlich auf einem besseren Sendeplatz nach 16 Uhr, ab Oktober dann nach 17 Uhr. Dort gab es im September 2010 schließlich den bisherigen Höhepunkt: Sagenhafte 21,3% erzielte die Serie – ein für kabel-eins-Verhältnisse unglaublicher Erfolg.

In der Zwischenzeit war auch ProSieben wieder hellhörig geworden, zeigt neue Folgen der Serie seit September 2009 in der Prime Time. Konnten die zunächst erreichten Quoten noch als ordentlich beschrieben werden, legte die Serie auch hier stetig zu. Bisheriger Höhepunkt: der 8. Februar diesen Jahres, an dem die 21.40-Uhr-Folge mit 2,59 Mio. 14- bis 49-Jährigen grandiose 20,9% einfuhr. Dadurch angestachelt zog nun wieder kabel eins nach und programmierte eine weitere Wiederholung von der ersten Folge an in die Sonntags-Prime-Time. Erstes Ergebnis: Die Folgen 1 bis 4 erreichten bei den 14- bis 49-Jährigen mit 1,26 Mio. bis. 1,41 Mio. Sehern Top-Marktanteile von 10,3% bis 10,9% und führten den kabel-eins-Sonntagabend auf Anhieb aus der Krise.

Eine Bewährungsprobe wird die Serie in Deutschland aller Voraussicht nach im Herbst 2012 erleben. In der deutschen TV-Saison 2011/12 wird ProSieben nämlich die 16 letzten Folgen mit Charlie Sheen zeigen, ab Herbst folgen dann die neuen Episoden mit Ashton Kutcher. Doch auch wenn das deutsche Publikum den Sheen-Nachfolger nicht annehmen sollte, ein paar Tausend Wiederholungen der ersten acht Staffeln werden sicher trotzdem noch erfolgreich laufen.

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