Zynga: Ist Spielsucht 20 Mrd. Dollar wert?

Der Online-Spiele-Anbieter Zynga stürmt an die Börse und will dabei zumindest eine Milliarde Dollar einnehmen – es könnten aber auch 1,5 oder 2 Milliarden sein. Das würde einem Unternehmenswert von bis zu 20 Milliarden Dollar entsprechen. Wie weit der jedoch von der Realität entfernt, untermauerte die zuletzt vorläufige Unternehmensbilanz. Bloomberg befeuerte die Debatte unterdessen mit neuen Zahlen: So soll nur ein Prozent der User für 25 bis 50 Prozent der Umsätze verantwortlich sein – in anderen Worten: die Hardcore-User.

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Der Online-Spiele-Anbieter Zynga stürmt an die Börse und will dabei zumindest eine Milliarde Dollar einnehmen – es könnten aber auch 1,5 oder 2 Milliarden sein. Das würde einem Unternehmenswert von bis zu 20 Milliarden Dollar entsprechen. Wie weit der jedoch von der Realität entfernt, untermauerte die zuletzt vorläufige Unternehmensbilanz. Bloomberg befeuerte die Debatte unterdessen mit neuen Zahlen: So soll nur ein Prozent der User für 25 bis 50 Prozent der Umsätze verantwortlich sein – in anderen Worten: die Hardcore-User.

Der große Social Media-Hype an der Börse steht vor der nächsten Eskalationsstufe. LinkedIn, Yaandex und Pandora – alles gut bis sehr gut gelaufene Börsengänge, doch die ganz großen Internetstars der Social Media-Generation kommen erst: Groupon und Zynga dürften sich als nächste nach dem Kapital der Anleger strecken.

Beide Unternehmen haben ihre Unterlagen auf Börsenzulassung abgegeben, das Listing ist also nur noch eine Frage von Wochen. Keine Frage scheint es dagegen, dass der Online-Spiele-Anbieter Zynga die Möglichkeiten des aktuell sehr freundlich gestimmten Kapitalmarktes voll ausreizen dürfte. 1 Milliarde Dollar will der Anbieter von Online-Spielen wie MafiaWars und FarmVille mindestens einnehmen – 1,5 bis 2 Milliarden dürften aber wohl eher werden, wie die zuletzt immer wieder angehobenen Preisspannen bei LinkedIn, Yandex und Pandora nahe legen. Legt man die Menge der ausgegebenen Aktien zugrunde, die bei 10 Prozent gelegen hatte, rückt ein 15 bis 20 Milliarden Dollar-IPO tatsächlich in Reichweite.

Börsenwert 20 Milliarden Dollar: Mond-KGV garantiert

Dass diese Größenordnung jedoch fundamental in keinster Weise zu rechtfertigen ist, unterstrich die in der vergangenen Woche vorgelegte Konzernbilanz.  Bei Umsätzen von 597 Millionen Dollar strich Zynga 90 Millionen Dollar ein. Das ist zwar beachtlich, jedoch eine wesentlich geringere Marge als noch vor Wochen gemutmaßt wurde – seinerzeit kursierten bei erwarteten Umsätzen von Gewinnerwartungen von 400 Millionen Dollar. 

Die dürften auch in diesem Jahr eher nicht erreicht werden – so wurden im ersten Quartal nur 11 Millionen Dollar eingenommen, obwohl die Umsätze auf 235 Millionen explodierten. In anderen Worten: Zynga wächst rasant, aber auch die Kosten steigen – sei es, durch die Expansion oder schlecht im Zuge des Börsengangs. Im Gesamtjahr 2011 rechnet der "Alley Insider" nun nur gar mit einem Profit von 36 Millionen Dollar. Das allerdings würde einem Mond-KGV von über 500 entsprechend, vorausgesetzt Investoren würden die Aktie wirklich in die Nähe der 20 Milliarden Dollar bepreisen. Selbst auf Basis der Vorjahresergebnisse läge das KGV noch immer über 200.

"Ein Spiel mit den Emotionen und psychologischen Bedürfnissen der Leute"

Als wäre das nicht schon absurd genug, sind die boomenden Erlöse und Erträge auch noch fast sklavisch an einige Bedingungen gekoppelt – das Fortbestehen der Partnerschaft mit Facebook, das derzeit  30 Prozent der Erlöse einbehält, und die Spielsucht seiner aktivsten Nutzer. Wie Zynga im Zulassungsantrag selbst mitteilte, wird der Löwenanteil der Umsätze nämlich von seinen aktivsten Nutzern bestritten.

Bloomberg spezifizierte gestern die Ausmaße dieser Abhängigkeit: Nur ein Prozent der Zynga-Nutzer ist für 25 bis 50 Prozent der Umsätze verantwortlich. Wie aber muss man sich diese Heavy User vorstellen? Als Spielsüchtige, die 500 Dollar und mehr im Jahr für die virtuellen Güter auf Zynga ausgeben und die der Facebook-Partner dafür mit der fragwürdigen Mitgliedschaft im VIP "Platinum" Club beehrt. Manche Nutzer geben gar mehrere tausend Dollar im Jahr aus – ein Nutzer hat nach Bloomberg-Angaben 75.000 Dollar im Jahr in einem einzigen Online-Spiel ausgegeben. "In Winter habe ich sechs Stunden am Tag gespielt", erklärt eine FarmVille-Nutzerin. "Es macht süchtig. Es hat soweit geführt, dass ich nicht mehr ans Telefon ging."
Peter Relan, Vorstandsvorsitzender des Zynga-Rivalen CrowdStar, hat dieses Nutzungsverhalten genau studiert. "Der Drang in Las Vegas ist die Illusion Geld zu verdienen. Der Antrieb bei Social Games ist die Illusion erfolgreicher zu sein als seine Freunde", erklärt Relan. "In beiden Fällen spielen sie mit den Emotionen und psychologischen Bedürfnissen der Leute."  Und nicht nur da: An der Börse sind die Kurstreiber kaum andere – wie nicht zuletzt der Hype um Zynga-Aktien beweist.  

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