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Murdochs Ex-Chefredakteur verhaftet

Der Phone-Hacking-Skandal hat die News of the World zerstört. Die erfolgreichste Sonntagszeitung im englischsprachigen Raum wird dieses Wochenende zum letzten Mal erscheinen. Aber damit ist der gigantische Skandal in der Medienwelt lange nicht vorbei. Am heutigen Freitag wurde der ehemalige Chefredakteur der Zeitung und spätere Regierungssprecher Andy Coulson festgenommen, und David Cameron versprach weitgreifende Reformen der Presseregulierung sowie unabhängige Untersuchungen in den Fall.

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Der Phone-Hacking-Skandal hat die News of the World zerstört. Die erfolgreichste Sonntagszeitung im englischsprachigen Raum wird dieses Wochenende zum letzten Mal erscheinen. Aber damit ist der gigantische Skandal in der Medienwelt lange nicht vorbei. Am heutigen Freitag wurde der ehemalige Chefredakteur der Zeitung und spätere Regierungssprecher Andy Coulson festgenommen, und David Cameron versprach weitgreifende Reformen der Presseregulierung sowie unabhängige Untersuchungen in den Fall.

Und mit über 200 enttäuschten Angestellten der News of the World, die ab Montag arbeitslos und möglicherweise auf Rache aus sind, bereitet man sich auf weitere Enthüllungen in den kommenden Monaten vor. Ein Traum für Buchautoren.

Damit hatte keiner gerechnet, als Rebekah Brooks, die Chefin von News International, gestern die Redaktion der News of the World zum Meeting bat. Aber als die sonst hartgesottene Managerin nervös begann, von der 168-jährigen Geschichte des Sonntagsblatts zu reden, dämmerte es den Angestellten. Rupert Murdoch hat die Konsequenz aus dem Skandal gezogen, und die kommende Ausgabe der News of the World wird die letzte sein. Damit wird die derzeitige Belegschaft zu Bauernopfern für die abscheulichen Praktiken, die vermutlich mit der Schuldsprechung des News of the World-Privatdetektivs Glen Mulclaire und dem damaligen Adelskorrespondenten Clive Goodman für Phone-Hacking in 2007 beendet waren. Dies geschah unter Brooks und ihrem Nachfolger Andy Coulson, der in 2007 nach den Schuldsprechungen seinen Schreibtisch räumte.

Damit wurde Coulsons Nachfolger Colin Myler sowie 200 Redaktionsangestellte auf die Straße geschickt statt einer: Rebekah Brooks. Die Generalsekretärin der National Union of Journalists, Michelle Stanistreet, meint, die Enthüllungen der letzten Tage zeigten ganz klar, dass Brooks und Coulson systematisch korrupt gehandelt haben. Und trotzdem bleibt Brooks in ihrem Job. Stanistreet ist nicht allein mit ihrer Vermutung, dass Murdoch versucht, den Skandal und damit die letzte Hürde für seine geplante Übernahme des Bezahlsenders BSkyB zu beseitigen. Was sind da schon 200 Jobs, wenn es um einen 8 Milliarden Pfund Deal geht? Und Analysten zufolge steuerte die Zeitung auch nur 3% zum Jahresgewinn von News Internationals Mutterkonzern News Corp. bei.

Warum Murdoch den Rotschopf immer noch hält, löst Ratlosigkeit auch in politischen Kreisen aus. So sagte David Cameron heute, er hätte eine Kündigung von Brooks akzeptiert. Und David und Rebekah sind ganz dick befreundet und haben benachbarte Landsitze. Es wird spekuliert, dass sie als „Schutzschild“ für Ruperts Sohn James Murdoch, dem vermeidlichen Erbe von News Corp., gesehen wird. James hatte die Situation erst letzte Woche katastrophal unterschätzt, als er nach New York flog und erklärte, er wolle den Skandal "in eine Box tun" und sich damit später wieder beschäftigen. War nichts. James stand gestern in London vor etwaigen Kameras, um die historische Entscheidung zu verkünden. Kritik an Brooks lies er nicht zu, im Gegenteil – ihre Führung sei momentan besonders wichtig.
Während die 43-Jährige also weiter artig zur Arbeit geht, hat Andy Coulson gerade ein neues Umfeld kennengelernt. Er wurde heute Morgen verhaftet wegen des Verdachts, Bestechungsgelder an leitende Polizisten autorisiert zu haben. Noch im Dezember dementierte er jegliches Wissen solcher Zahlungen. Jetzt sitzt er in Mayfair in Untersuchungshaft. Clive Goodman wurde heute ebenfalls erneut in Haft genommen.

Die Verhaftung von Coulson ist besonders für David Cameron extrem peinlich, schließlich ernannte er Coulson zu seinem Pressesprecher direkt nach Coulsons Abgang bei der News of the World in 2007. Als Cameron die Wahl letzten Mai gewann und ihn mit zur Downing Street nahm, warnten etliche Journalisten den angehenden Premier, dass Coulson nicht sauber ist. Alan Rusbridger, der Chefredakteur des Guardians, zählte zu den Warnstimmen, die ignoriert wurden – und der Guardian hat den gesamten Phone-Hacking Skandal bereits seit Juli 2009 aufgedeckt und publiziert.

Nachdem Cameron noch am Mittwoch von der Opposition angegriffen wurde, keine Führung in diesem Fall zu zeigen, kündigte er heute einen Radikalschlag an. Die Press Complaints Commission, die Medien regulieren soll, wird abgeschafft und einem neuen unabhängigen Gremium ersetzt. Zudem soll es zwei unabhängige Untersuchungen geben: in den Phone-Hacking-Skandal an sich sowie zur generellen Kultur und Ethik der britischen Presse. Und schließlich übernahm Cameron volle Verantwortung für den Fehler, den in mit der Einstellung von Coulson begangen hat.

Die Schließung des bis dahin erfolgreichsten britischen Titels dominierte die Nachrichten diese Woche, aber die letzten Worte sind noch lange nicht gesprochen. Trotz der allgemeinen Verachtung für Rupert Murdoch, die sich diese Woche breit gemacht hat, würdigten Alan Rusbridger und Kollegen den Australier für seine Liebe für das Medium Zeitung. Schließlich subventioniert Murdoch weiterhin sein Qualitätsblatt Times trotz derer hohen Verluste (46 Millionen Pfund im letzten Jahr, über 80 Millionen im Jahr zuvor). Kein anderer Verleger würde so etwas mitmachen, so Rusbridger gegenüber der BBC Newsnight.

Und auch der Associate Editor der Washington Post, Bob Woodward, bezeichnete Murdoch als brillanten Manager von Zeitungen. Der Skandal wird sogar in den USA verfolgt, möglicherweise auch, weil News Corp. an der New Yorker Börse diese Woche 3% verlor. (Die Schließung der News of the World brachte der Aktie allerdings einen Aufwind von 1.5% im gestrigen Handel.) Woodward meint, die Story hat alle Elemente für ein exzellentes Buch: Macht und Geheimnisse. Die Öffentlichkeit will alle Details wissen. Einen Namen hat Woodward, der in den 70ern die Watergate-Affäre aufdeckte, auch schon… Rupertgate natürlich.

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