Christoph Schultheis leitet Content-Portal

Als sich Jens Lohwieser mit seiner Agentur Raufeld Medien vor sieben Jahren selbstständig machte, war sein Geschäftsmodell der Verkauf ganzer Zeitungs-Serviceseiten an Häuser wie den Berliner Verlag. Heute sagt er, dieses Modell rechne sich kaum noch. Auch darum hat Raufeld ein neues Content-Portal aufgebaut, das "Qualitätsjournalismus zu niedrigen Preisen" bieten will. Redaktionsleiter ist Bildblog-Mitgründer Christoph Schultheis.

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"Täglich neue Themen" heißt es auf der Startseite von Raufeld Content. So ging es am Mittwoch vormittag unter anderem um Erdbeeren (5.300 Zeichen, 2 Bilder, 60 Euro), Grüne Hotels (13.080 Zeichen, 16 Fotos, 80 Euro) und Entspannungstechniken (9.623 Zeichen, 3 Bilder, 100 Euro). Wer sich als Kunde einloggt, kann die Stories herunterladen und in seinen Print- und Onlinepublikationen verwenden. "Mit unseren Inhalten lassen sich komplette Magazine füllen", sagt Lohwieser.

Etwa 300 Beiträge stehen schon zur Verfügung, täglich sollen drei bis vier neue hinzukommen. Ein namhafter Verlag habe bereits zugegriffen und bringe demnächst eine Wellness-Zeitschrift heraus. Den Namen mag Lohwieser noch nicht nennen. Content-Portale liegen im Trend – mit ganz unterschiedlichen Geschäftsmodellen wollen Portale wie DieRedaktion, Spredder, Suite101 und GuteFrage.net Geld verdienen.

Seine Kunden sieht Lohwieser, der mit seiner Agentur bereits die halbe deutsche Zeitungslandschaft mit Themen versorgt, vor allem bei Zeitschriftenverlagen, Anzeigenblättern und Kundenmagazinen. Denn: "Zeitungen als Abnehmer von Beiträgen reichen als Kundenbasis nicht aus. Dieses Geschäft stagniert." Zeitungsverlage seien laut Lohwieser wieder dazu übergegangen, die Themenhoheit zurückzuholen. Die Produktion von Beilagen und Serviceseiten werde nun vor allem von neu gegründeten Tochterunternehmen von Verlagen betrieben. Lohwieser: "Das klassische Outsourcing von Beilagen und Themenseiten ist kein Modell für die Zukunft mehr."

Zwischen 40 und 120 Euro berechnet Raufeld für Beiträge, inklusive Fotos und gegebenenfalls Videos. Größere Servicepakete können auch mehrere hundert Euros kosten. Verkauft sich beispielsweise ein Autotest mehrere Male, hat sich auch ein eigener Videodreh refinanziert und bringt Gewinn ein. "Redaktionen sind nicht mehr bereit, Hunderte von Euros für einzelne Texte zu bezahlen", sagt Lohwieser. "Sind Inhalte, die sie suchen, zu teuer im Einkauf, übernehmen sie im schlimmsten Fall PR-Texte." 

Themenschwerpunkte des Portals sind u.a. Gesundheit und Wellness, Auto und Verkehr, Technik und Multimedia, Reise und Genuss. Lohwieser garantiert seinen Kunden werbefreie Texte. Ist das bei den PR-anfälligen Ressorts Reise, Gesundheit und Auto nicht schwer? Nein, sagt Lohwieser, man biete Journalismus, keine affirmative PR. Demnach werden Beiträge auch fast ausschließlich von Redakteuren und Mitarbeitern geschrieben und produziert, die fest mit Raufeld zusammenarbeiten. 

Christoph Schultheis, der einst mit Stefan Niggemeier das Watchblog Bildblog gründete, soll nun auch ein Garant für Qualität sein. Der Journalist muss das Portal auch von anderen Angeboten abgrenzen. "Wir sind kein Marktplatz, sondern ein Dienst", umreißt Lohwieser den Raufeld-Ansatz. Will sagen: Während bei anderen Portalen wie DieRedaktion, das von der Deutschen Post gegründet wurde, viele unterschiedliche Themen auf die Seite gestellt werden, will Raufeld inhaltlich stärker selektieren. Bei dem Post-Projekt können Journalisten ihre Artikel auf ein Portal stellen. Falls sie ihn verkaufen, müssen sie der Post einen Anteil vom Erlös abgeben. 

Die Mutter aller Content-Portale ist Demand Media in den USA. Das Geschäftsmodell ist aber anders gelagert. Dort erstellen Heerscharen freier Mitarbeiter für wenige Dollar kurze Servicebeiträge. Die Themensuche übernimmt ein Algorithmus. Was die Menschen auf Google suchen, wird in Themen übersetzt und in Auftrag gegeben. Geld verdient Demand mit Werbeanzeigen, die auf Google neben den Links zu Demand-Inhalten geschaltet werden. Noch ist Demand Media zwar defizitär, doch ein Börsengang verlief sehr erfolgreich.

Unabhängig vom Geschäftsmodell bleibt Content der wichtigste Rohstoff im Netz. Lohwieser ist optimistisch, dass sein Plan aufgeht. Bis Ende des Jahres will er zehn Themenpakete pro Tag verkaufen.

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