Die Woche der doofen Journalisten

Diese Woche ist eine zünftige Branchen-Beschimpfung mal wieder an der Zeit. Ein Haufen durchgeknallter Motorsport-Journalisten hat es geschafft, den Ruf des gesamten journalistischen Berufsstandes zu ruinieren. Die Kollegen haben dem Rennfahrer Nico Rosberg ein Zitat in den Mund gelegt, laut dem er die Frauenfußball-WM mit den Paralympics verglichen habe. Sonst noch im Rückblick: Titanic erwischt den Kölner Stadt-Anzeiger im EHEC-Fieber, unser Online-Präsident Wulff redet über Online und die Bild-Zeitung wird in den Weltraum geschossen.

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Man kann sich gar nicht genug aufregen über diese Geschichte mit Rennfahrer Nico Rosberg und dem Frauenfußball-Paralympics-Zitat. Wer es nicht mitbekommen hat: Journalisten haben Formel-1-Rennfahrer Rosberg nach seiner Meinung zur Frauenfußball WM befragt. Der hat darauf geantwortet, dass er sich das Finale sicher anschauen werde, vielleicht auch das Halbfinale. In kaum zu unterbietender Dämlichkeit räsonierten die anwesenden Journalisten dann untereinander darüber, ob Frauensport überhaupt Sinn ergebe, weil die doch nicht die beste Leistung bringen könnten usw. Nebenbei outeten sich einige der Kollegen auch noch als latent homophob (“Hast du einmal Männer-Kunstschwimmen gesehen?” “Ich glaube, das haben einmal zwei Schwuchteln versucht…”). Rosberg griff das, man muss es so nennen, saudumme Gelaber über Leistung beim Frauensport auf, indem er die Paralympics ins Spiel brachte. Dort werde wegen der Behinderungen der Menschen auch nicht die weltweit beste Leistung gezeigt, es sei aber trotzdem spannend, weil die Leistung untereinander vergleichbar sei. Rosbergs Argument war klar erkennbar: Es ging ihm darum, den Leistungs-Unfug der Journalisten zu relativieren. Darauf sagte einer der Journalisten dann: “Gute Einwände kommen nur, wenn Fragen pushy waren. Ja. Jetzt schreiben wir: Rosberg findet Frauen-Fußball wie Paralympics.” Darauf folgte: “Allgemeines Gelächter”. Und genau so kam es dann auch. Die Meldung, dass Rosberg die Frauenfußball WM mit den Paralympics verglichen habe, machte die Runde. Der Rennfahrer stellte als Gegenwehr einen Mitschnitt der Aufnahme des Pressegesprächs auf seine Homepage. Trotzdem verbreitete der Sport Informationsdienst das Zitat selbst dann noch weiter, als längst bekannt war, unter welch aberwitzigen Umständen es entstanden ist. Wenn man sich je für seinen Berufsstand schämen konnte, dann hier.

Auch doof, aber weniger spektakulär agierte der Kölner Stadt-Anzeiger in einem Interview mit Dr. Julius Siebertz vom nordrhein-westfälischen Gesundheitsministerium zum Thema EHEC. Der Stadt-Anzeiger fragte: “Wie wird der Virus übertragen?” Siebertz antwortete: “Es handelt sich um ein Bakterium.” Ein paar Absätze weiter fragte der Stadt-Anzeiger: “Wird sich der Virus weiter ausbreiten?” Antwort: “Wie gesagt, es handelt sich um Bakterien.” Der Stadt-Anzeiger: “Warum geht die Verbreitung so schnell?” Die Antwort: “Verglichen mit anderen Infektionskrankheiten kann man nicht von einer schnellen Verbreitung sprechen.” Das Medienfachblatt Titanic hat diesen kleinen aber aufschlussreichen Vorgang dankenswerterweise in ihrer aktuellen Ausgabe (Titelthema: “Hitlers Beauty-Geheimnis”) dokumentiert.

The Times They Are a-Changin’ … das merkt man u.a. daran, dass unser Bundespräsident Christian Wulff ein großes Exklusiv-Interview zu seinem einjährigen Amtsjubiläum nicht der gedruckten Bild, sondern explizit Bild.de gegeben hat. Dort war dann auch viel mehr Platz für unseren Bundesgrinser, sich ausführlichst zu Griechenland, seiner Frau und Facebook zu äußern. Auf die Frage, ob er den Facebook-Boom mit Sorge sehe, sagte er: “Es gibt ein Risiko, in eine Art Selbstvergewisserung zu geraten und zu denken, dass alle der eigenen Meinung seien.” Für jemanden, der von sich selbst gerne in der dritten Person spricht (“Der Bundespräsident tut dies…”, “Der Bundespräsident denkt das…”) ist so ein Selbstvergewisserungs-Apparat doch gar nicht so schlecht.

Was nun folgt, ist keine Ausgeburt Kai Diekmann’schen Größenwahns, sondern Realität. Bild ist Medienpartner des Astra-Satelliten 1N, der am heutigen Freitag ins Weltall geschossen wird. Der Satellit ist für die Verbreitung von Digital-TV zuständig und Bild und Bild.de sollen die heimischen Massen entsprechend aufklären, was bei der Umstellung von analog zu digital alles so zu beachten ist. Bild.de überträgt den Raketenstart ab 23 live. Man stelle sich vor, dass endlich Außerirdische die Erde besuchen und das erste, was sie sehen ist ein Satellit mit Bild-Logo drauf.

Und mit dieser Vorstellung entlassen wir Sie in ein schönes Wochenende!

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