Glo: Microsofts Magazin-Murks

Microsoft hat zusammen mit Burda sein Online-Frauenmagazin Glo nach Deutschland gebracht. Die digitale Frauen-Zeitschrift arbeitet hauptsächlich mit großformatigen Fotos und Mini-Texten. Zweitverwertungen gibt es nicht. Die Inhalte werden von einer nur dreiköpfigen Redaktion speziell für Glo erstellt. Allerdings wirkt das Magazin in seiner ersten deutschen Ausgabe sowohl inhaltlich als auch in der Präsentation sehr unausgegoren und halbherzig. Nicht zuletzt sollen mit Glo offenbar Microsoft-Dienste gepusht werden.

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So ist die Microsoft-Suchmaschine Bing prominent eingebunden und um eine Art "Album" zu nutzen, in dem man Fotos oder Artikel ablegen kann, muss man sich eine Windows Live ID zulegen. Das wäre nicht weiter schlimm, wenn das Produkt drumherum ansatzweise stimmen würde. Aber leider enttäuscht Glo als Magazin (www.glo-magazin.de)auf der ganzen Linie. Die ungewohnte Navigation könnte man mit gutem Willen noch als originell bezeichnen: Auf der linken Seite läuft eine Art Navigationsleiste mit winzigen Vorschaubildern immer mit. Ansonsten kann man die Stories nacheinander komplett nach unten scrollen und sich mit Klicks auf Pfeile horizontal durch einzelne Geschichten bewegen.

Die "Geschichten" sind dabei in der Regel Bilder-Galerien mit nicht sehr inspirierten Bildunterschriften, um es freundlich auszudrücken. "Die besten Cellulite-Killer", die "Looks von Lady Gaga", "Looks, die Männer umhauen" – wohin man schaut, bei Glo findet sich nichts, was man nicht anderswo im Web oder am Kiosk schon tausendmal gesehen und gelesen zu haben glaubt. Statt einen originellen Zugang zu den sattsam bekannten Themen zu suchen, wird textlich stets dass allzu Offensichtliche abgespult. Ein Paradebeispiel für die unausgegorene Machart von Glo ist die Strecke "Freundschaft Plus". Zu Stock-Fotos von lachenden Paaren und Leuten gibt es eine Platitüde nach der nächsten im Stil von: "Sprechen Sie über Ihre Gefühle. Werden diese erwidert: wunderbar! Falls nicht: Auf Abstand gehen!" Es soll in dem Text offenbar um eine "Freundschaft plus" gehen – also Freundschaft plus Sex oder Sex plus Liebe. So ganz genau wird einem das nicht verklickert. Der Titel "Freundschaft plus" taucht nur als winzige On-Mouse-Over-Textzeile im Navigationsrand auf und, inklusive einem verzerrten Foto, wenn man in der Top-Navigationsleiste auf "Love" klickt. Auf dem so genannten Cover steht dagegen "1000 mal berührt: Wenn aus Sex Liebe wird – 14 Tipps wie’s klappt". Solche Ungereimtheiten sind bei Glo leider Standard erleichtern einem nicht den Zugang zu diesem Digital-Magazin.

Die US-Ausgabe von Glo sieht zumindest optisch ein bisschen besser aus, da man dort ein breiteres Format für die Inhalte und Fotos gewählt hat. Bei der deutschen Glo wirken die zusammengeschusterten Bilder-Galerien regelrecht eingequetscht zwischen der Navigationsleiste und der dicken Werbung am rechten Rand.

Man muss sich aber auch nicht besonders wundern. Laut werben & verkaufen beschäftigt die Burda Style Group drei Leute, die die gesamten Inhalte dieses wöchentlich aktualisierten Magazins erstellen. Wie man ein inhaltlich hochwertiges, lesenswertes Frauenmagazin ohne Zweitverwertungen mit nur drei Leuten herstellen will, das ist ein Rätsel, das die deutsche Glo auf spektakuläre Weise nicht beantworten kann.

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