„Das Kapitel ist für mich beendet“

Ein Name fehlt auf der Teilnehmerliste der Jahreskonferenz von Netzwerk Recherche (NR): Wenn am Freitag 700 "Investigative" zusammenkommen, bleibt Christoph Lütgert fern. Der "Panorama"-Autor reagierte verärgert auf die Entscheidung des Vorstands, dass nicht er AWD-Gründer Carsten Maschmeyer interviewen durfte. Lütgert trat aus dem Verein aus, Maschmeyer sagte seinen Auftritt ab. Im MEEDIA-Interview erklärt der Reporter, warum er mit NR abgeschlossen hat und dass der Streit nur Maschmeyer nutze.

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Herr Lütgert, am Freitag findet in Hamburg die Journalistenkonferenz Netzwerk Recherche statt. Im Vorfeld wurde bekannt, dass Sie mit dem Vorstand in Streit geraten waren, weil Herr Maschmeyer auf dem Podium nicht mit Ihnen, aber mit Markus Grill reden wollte, woraufhin Sie mit dem Austritt aus dem Verein gedroht haben. Hält der Ärger noch an?  
Der Streit ist für mich zu Ende. Ich habe nachdem Netzwerk Recherche gezeigt hat, dass sie sich den Bedingungen eines Herrn Maschmeyer unterwerfen und sagen, "wenn Maschmeyer nicht mit Lütgert reden will, dann darf er bei uns eben mit jemand anders reden", meinen Austritt erklärt. Ich hab da kein Spektakel draus gemacht. Das Kapitel ist für mich beendet.
Auch wenn Sie der Konferenz nicht beiwohnen, sind Ihre Kollegen von "Panorama – Die Reporter" bei der Konferenz anwesend. Kristopher Sell und Sabine Puls werden über ihre Recherchen bei Kik und AWD berichten.
Ich habe mich um diese ganze Veranstaltung nicht mehr gekümmert. Ich finde es absolut richtig, dass die Kollegen Sell und Puls dort auftreten. Die beiden sind ganz vorzügliche Rechercheure. Und ich wüsste nicht, was dagegen spricht, wenn die Zwei über ihre Arbeit und die Schwierigkeiten bei der Recherche reden. Der Streit ging ja um mich. Es geht mir nicht darum, dass ich meine, dass alle mit mir solidarisch sein sollen und in den Streik treten. Für mich ist das Netzwerk Recherche keine Vereinigung mehr, in der ich mich gut aufgehoben fühle. Und das ist meine ganze individuelle Entscheidung. Da verlange ich jetzt keine Vasallentreue.
Gab es denn noch einmal Gespräche zwischen Ihnen und Kuno Haberbusch, dem Chefplaner der Konferenz?
Nein, die hat es nicht mehr gegeben. Ich hatte ihm gesagt, wenn Netzwerk Recherche bei der Maschmeyer-Einladung bleibt, trete ich aus. Dann sagte er, er bleibe dabei. Dann gab es gegenseitige Anwürfe, zum Beispiel hat Markus Grill mir vorgeworfen, ich sei eine Diva. Es hat einige negative Reaktionen auf mein Verhalten gegeben, aber auch einige positive, ermutigende Reaktionen, unter anderem von Michael Hanfeld und Hans-Martin Tillack. Irgendwann hatte Maschmeyer dann abgesagt, so dass wir eigentlich alle ziemlich blöd da standen. Da war ich aber schon ausgetreten. Nun war Herr Maschmeyer derjenige, der sich darum bemühte, den Streit nicht eskalieren zu lassen.
Hätte es was geändert, wenn Maschmeyer vor Ihrem Austritt abgesagt hätte?
Nein. Ich kann ja nicht dem Netzwerk Recherche übel nehmen, dass sie sich den Bedingungen des Herrn Maschmeyer unterwerfen und dann meinen Austritt von ihm abhängig machen. Die Haltung des Netzwerk Recherche war für mich der Grund auszutreten, das Verhalten von Maschmeyer war mir völlig egal.
Begrüßen Sie es, dass Maschmeyer seinen Auftritt abgesagt hat?
Wissen Sie, es ist eigentlich jämmerlich, dass wir – und da nehme ich keinen von aus, auch wenn ich die Hauptschuld bei Netzwerk Recherche sehe – und dass die Journalisten am Ende dem Maschmeyer eine Vorlage geliefert haben, sich hinzustellen und den Friedensfürst zu geben. Der Mann, der tausende Menschen ins Unglück gestürzt hat – das darf man nie vergessen.
Sind Sie noch weiterhin mit der Recherche über Maschmeyer beschäftigt?
Nein, wir haben ja noch weitere Themen. Es hat ja in Folge der Maschmeyer-Geschichten noch eine Sendung über die Verbindung zu Gerhard Schröder gegeben, nämlich dass er ihm noch viel mehr hat zukommen lassen im Wahlkampf. Das war so ein Spin-Off. Aber jetzt bin ich an dem Finanzdienstleister Carpe Diem dran, der viel schlimmer ist als der AWD.
Wie ist denn der juristische Stand zwischen dem NDR und "Panorama"? Herr Maschmeyer hatte einen Rechtsanwalt damit beauftragt, zu prüfen, ob Sie bei Ihrer Vorgehensweise den Straftatbestand der Nötigung und der politischen Verdächtigung erfüllen.
Es gibt von beiden Seiten Bemühungen, den Streit beizulegen. Es wird nur gelingen – soweit ich beteiligt bin – wenn von uns nicht irgend etwas verlangt wird, zumindest von mir nicht. Wir haben uns nichts vorzuwerfen. Wir haben keine Fehler gemacht. Und dies muss am Ende durch einen solchen Vergleich deutlich werden.

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