Dokumentarfilmer kritisieren Arte scharf

Am Rande eines deutsch-französischen Koproduktionstreffens in La Rochelle haben die AG Dokumentarfilm und zwei französische Produzentenverbände eine gemeinsame Erklärung verabschiedet, in der sie sich intensiv mit der aktuellen Programmstrukturreform des deutsch-französischen Kulturkanals Arte auseinandersetzen. Aus ihrer Sicht beschleunigt sie die begonnene schleichende Verabschiedung von den Gründungsideen. Auch die Zahl der geplanten Dokumentationen werden erheblich gekürzt.

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“ARTE wurde gegründet, um das Zusammenwachsen der Völker und Kulturen Europas zu stärken”, heißt es in der offiziellen Stellungnahme. “Heute, zwanzig Jahre danach, durchlebt dieses Europa eine seiner schwersten Krisen. In dieser Situation gewinnen die Gründungsideen von ARTE ganz neue Aktualität und eine enorme Bedeutung.”

Hintergrund für die Forderung der Dokumentarfilmer ist Artes Ankündigung, sein Programmschema ab 2012 zu vereinfachen. Das Abendprogramm soll dann einprägbarer sein. Am Wochenende soll es eine betont kulturelle Note geben, während unter der Woche etwa ein Investigations-Abend, ein Fiction-Abend oder auch ein Autorenabend mit Dokumentar- und Kinofilmen eingerichtet werden soll. Allerdings, und hier befürchten die Dokumentarfilme enorme Einbußen, soll die Anzahl der geplanten Dokumentarfilme von 40 auf rund 12 heruntergefahren werden. Außerdem plane der Sender künftig, die sogenannten Presenter-Formate auszubauen.

Die Dokumentarfilmer sehen den ursprünglichen Sendeauftrag des europäischen Senders in Gefahr. “Kann der Kulturkanal unter solchen Umständen überhaupt sein einzigartiges Profil, seinen hervorragenden Ruf in der internationalen Fernseh-Landschaft und seine weltweit anerkannte Sonderstellung bewahren – oder steht der Kulturkanal in der Gefahr, seine Vorreiterrolle zu verspielen?”, heißt es weiter.

Schon 2009 stand Arte in der Kritik. Man sah die Einzigartigkeit des Senderprofils bedroht. “Ziffer 2.1 des Arte-Staatsvertrags verlangt ausdrücklich, ‚Fernsehsendungen zu konzipieren, zu gestalten und … auszustrahlen, die in einem umfassenden Sinne kulturellen und internationalen Charakter haben und geeignet sind, das Verständnis und die Annäherung der Völker in Europa zu fördern.‘ Durch den Ankauf kompletter Serien gibt der Sender sein wichtigstes Pfund, nämlich genau diese Konzeptions- und Gestaltungshoheit, aus der Hand – und ob die inhaltlichen Visionen der ARTE-Gründer durch den vermehrten Einsatz amerikanischer Serienware oder anderer weltmarktgängiger Produkte (etwa aus dem Hause BBC) einzulösen sind, ist doch mehr als fraglich. Wenn auf „Arte“ irgendwann auch nur noch das gleiche läuft, was weltauf, weltab über alle Kanäle flimmert, wird das Programm des Europäischen Kulturkanals austauschbar und steht in letzter Konsequenz in der Gefahr, sich selbst überflüssig zu machen. Nicht ohne Grund wird in Ziffer 19.2 des Gründungs-vertrages „angestrebt, einen möglichst großen Anteil an Erstsendungen auszustrahlen“. Auch das ist mit dem aktuellen Trend der Programmplanung nur schwer vereinbar”, hieß es damals in einer Mitteilung.

Wie das Arte-Sendeschema 2012 aussehen soll, steht übrigens noch gar nicht fest. Neue Formate werden das "kreative Potenzial von Fernsehen und Internet nutzen und verbinden", teilte man per Pressemitteilung mit. Und stellte in diesem Zusammenhang klar, dass das Verhältnis zwischen den Genres Spiel- und Fernsehfilm, Dokumentarfilm und Dokumentationen unverändert bleiben soll. "Mit diesem Programmschema wollen wir die Grundwerte von Arte – Kultur und Europa – deutlicher hervorheben und flexibel auf Innovation reagieren können", erklärte Arte-Präsidentin Véronique Cayla.

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