Die Angst der Verlage vor der ARD

In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung hat Springer-Chef Mathias Döpfner ein düsteres Zukunfts-Bild seiner Zunft gemalt. “Wir kämpfen um unsere Existenz”, so Döpfner. Grund seien Gratis-Apps der öffentlich-rechtlichen Sender wie die Tagesschau-App, gegen die Zeitungsverlage nun auch klagen. Der Vorgang zeigt die Verzweiflung der Verlage angesichts der Digitalisierung. Selbst Mathias Döpfner, der Mann, der eine Rekord-Bilanz nach der nächsten verkündet, hat Angst vor der ARD.

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Auf den ersten Blick wirkt die zur Schau getragene Verzweiflung Döpfners in dem SZ-Interview befremdlich. Im vergangenen Jahr hat Axel Springer mal wieder einen Rekord-Gewinn hingelegt und eine halbe Mrd. Euro Gewinn eingefahren. Einer der Wachstumstreiber waren die Digital-Geschäfte. Die Erlöse der Apps für iPhone und iPad, über die gerade so viel Aufregung herrscht, haben nur minimal zu den guten Zahlen beigetragen. Warum also die Aufregung und diese Existenz-Angst? Alles nur Show? Nein. Es geht dem obersten Springer-Manager und seinen weniger wortmächtigen Kollegen aus anderen Zeitungshäusern nicht um das Geschäft der Gegenwart, sondern um das der Zukunft.

Döpfner sagte in der Süddeutschen mit bemerkenswerter Offenheit, dass die Zukunft der Verlage nicht in Print liegt: “Die Bedeutung der gedruckten Zeitung und Zeitschrift als Vertriebsweg für unsere Inhalte nimmt kontinuierlich ab. Den Trend kann niemand mehr ernsthaft bestreiten.” Heute erwirtschaften Bild und Co. mit ständiger Optimierung und immer weiteren Preiserhöhungen noch den Löwenanteil des Gewinns. Aber das Ende ist in Sicht. Die Preisschraube lässt sich nicht mehr viel weiter drehen und die Auflagen sinken weiter.

Im Web mit Journalismus in großem Stil Geld zu verdienen hat Döpfner offenbar abgeschrieben. Alle Hoffnung ruht auf den digitalen, mobilen Vertriebswegen, also Smartphones und Tablet-PCs. Ein Geschäft, das man heute bestenfalls als sehr zartes Pflänzchen bezeichnen kann und von dem unklar ist, ob es jemals eine signifikante Größe erreicht. Es wird zwar viel geredet und produziert auf iPad und Co., jedoch erschreckend wenig verdient. Aber: Die Verlage haben nichts Besseres in der Tasche. Im Moment sehen sie Tablets und Smartphones als einzige Chance. Es gibt keinen Plan B. Wenn die Sache mit bezahlten, mobilen Inhalten nicht funktioniert, stehen sie mit leeren Händen da. Und genau in dieser prekären Lage kommt die mit Gebühren-Milliarden finanzierte ARD mit ihrer kostenlosen Tagesschau-App daher.

Die ARD-Bosse können die Aufregung der Verlage nicht so recht verstehen – sie machen doch nichts anderes als sonst. Für die ARD ist eine kostenlose iPad-App nix anderes als die umverpackte Internet-Seite. Der gleiche Kram wie im Web, bloß halt auf dem iPad. Für die ARD ist das ein netter, kleiner Service, weiter nichts. Für die Verlage aber ist diese Umverpackung die einzige Hoffnung. Auf diesem krassen Missverhältnis basiert der aktuelle Streit zwischen den Zeitungsverlagen und der ARD, der jüngst in der Klage der Verlage gipfelte. Es ist nicht zu erwarten, dass eine der beiden Seiten nachgeben wird.

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