Kiosk: Verlags-Quartett will in erste Reihe

Die Aktion wird einigen Verlagen nicht gefallen. Mit der gemeinsamen Kampagne "Erste Reihe für die Umsatzbringer" verschärfen Burda, WAZ, Bauer und Klambt gemeinsam den Kampf um die besten Verkaufsflächen im Zeitschriftenhandel. Die Vier wollen für eine "einheitliche und optimale Präsentation der wöchentlichen unterhaltenden Frauenzeitschriften" sorgen. Die Kampagne erinnert an das umstrittene "Top 100"-Projekt von Bauer. Jetzt gelang den Hamburgern offenbar mächtige Verbündete zu finden.

Anzeige

Bauer Media führte im März des vergangenen Jahres das Top-100-Siegel ein. Die Hamburger wollten damit die Kiosk-Performance ihrer Hefte stärker vermarkten. So zierte zum Start auf 25 Heften ein grünes Güte-Siegel, das die jeweilige Zeitschrift als eine der 100 – damals noch laut IVW – umsatzstärksten im deutschen Einzelhandel identifizierte. "Für unsere Titel gilt die Maßgabe, dass nur diejenigen Produkte am Markt erfolgreich sein werden, die von der konsequenten Orientierung an den Bedürfnissen der Leser bestimmt sind", sagte Verlagschefin Yvonne Bauer zum Siegel-Start gegenüber MEEDIA.

Das Plakat zur Kampagne


Die Aktion war von Beginn an in der Verlagsbranche umstritten. Die G+J-Tochter Deutscher Pressevertrieb erwirkte gegen Bauer sogar eine einstweilige Verfügung. Der Burda-Verlag und der WAZ-Gemeinschaftsvertrieb MZV zogen ebenfalls vor Gericht. Anders als der Deutsche Pressevertrieb kooperieren die beiden Häuser mittlerweile mit Bauer. Die neue Kampagne hat allerdings offiziell nichts mit der Top-100-Aktion zu tun.

Der Grund für den Zusammenschluss der Medienhäuser: "Für Käuferinnen und Käufer ist die Orientierung am Presseregal nahezu unmöglich geworden, da eine unübersichtliche Menge monatlicher oder unregelmäßig erscheinender Hefte die Presseregale flutet". Weiter heißt es in der ersten Stellungnahme: "Mit der gemeinsamen Offensive ‚Die Stärksten nach vorn!‘ wird den Händlern klare Entscheidungshilfe bei der Platzierung gegeben – letztlich profitiert der Presseeinzelhandel gerade dank der hohen Umsatzzahlen der Qualitätstitel und der konstanten Absatzzahlen. Damit wird die Präsentation der Zeitschriften mit einem einfachen System verbessert und der Umsatz als wichtigstes Kriterium der Platzierung in den Mittelpunkt gerückt."

Die Stoßrichtung der neuen Offensive scheint klar: Die vier Verlage wollen hauptsächlich gegen die unzähligen Kopien ihrer Auflagen- und Umsatz-Giganten wie Freizeit Revue, Neue Post oder die aktuelle vorgehen. Als Kollateralschaden könnten durch die Aktion allerdings auch Qualitätshefte, die in einer geringeren Auflage verkauft werden, behindert werden.

In den kommenden Monaten wollen die vier Verlage ein Gesamtbudget von "mehreren Millionen Euro" in die Hand nehmen, um ihre Regaloffensive in den kommenden Monaten mit einer groß angelegten Kampagne in Fachzeitschriften und Publikumstiteln zu unterstützen.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige