Dallas in Essen: Zoff um Millionenkredit

Zwietracht im Westen: Unter den Gesellschaftern des Essener WAZ-Konzerns, den Familien Brost und Funke, ist offenbar ein massiver Konflikt ausgebrochen. Das berichtet das Manager Magazin in seiner kommenden Ausgabe. Auslöser des Disputes sollen drei Geheimverträge sein, die zwischen Gisela Holthoff und ihrem Sohn Stephan Holthoff-Pförtner und der Brost-Gruppe geschlossen wurde. In letzter Konsequenz könnte das bedeuten, dass die Brost-Gesellschafter die Mehrheit an der Ruhr übernehmen könnten.

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Die Verträge wurden zwischen der im vergangenen Jahr verstorbenen Gründerwitwe Anneliese Brost und den Holthoffs geschlossen. Es soll sich dabei um einen Kooperations-, einen Darlehens- und einen Optionsvertrag handeln. Inhalt: Die 90-Jährige Brost gewährte den Holthoffs ein Kredit über 85 Millionen Euro, um die Anteile des WAZ-Mitgesellschafter Frank Holthoff zu übernehmen.

Das Problem an dem Deal: Als Sicherheit erhielt Anneliese Brost eine Kaufoption auf die Hälfte der Holthoff- Firmenanteile (16,67 Prozent). Die Folge: Mittels dieser Option könnte die Funke-Familie die Mehrheit in dem bislang genau austarierten Besitzverhältnissen in dem Medienkonzern übernehmen. So sind in dem Essener Konzern bislang viele Top-Positionen doppelt, ja nach Familienverbundenheit, besetzt. Geschäftsführer Bodo Hombach ist der Vertreter der Brost-Familie und Christian Nienhaus der Funke-Gruppe.

Wie nun das Manager Magazin berichtet gilt der Vertrag innerhalb Funke-Familie als höchst anrüchig und rechtlich bedenklich. Denn die Abmachung verstößt offenbar gegen die Vorkaufsregelungen der Gesellschaftersatzung der Funke-Gruppe.

Wie der Disput ausgeht, hängt nun von den Anwälten der Funke-Gruppe ab. Diese wurden offenbar beauftragt, den Kooperations- und den Optionsvertrag wieder aufzuheben. Laut Manager-Magazin hängt davon ab, ob die Familie Grotkamp den Ausschluss der Holthoffs aus dem Gesellschafterkreis beantragt. Die Grotkamps halten ein Drittel an der Funke-Gruppe.
Sollte es zu einem Klageverfahren kommen, droht ein jahrelanges juristisches Geplänkel über mehrere Instanzen. Dies könnte auch einen angestrebten Umbau des Unternehmens und die Modernisierung der Verlagsstrukturen auf lange Sicht behindern oder gar lähmen.

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