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96 % wählen Bellut zum ZDF-Intendanten

Jetzt ist es offiziell: Thomas Bellut, bisher Programmdirektor des ZDF, wird neuer Intendant des öffentlich-rechtlichen TV-Anbieters. In Berlin wurde er am Freitagmorgen souverän im ersten Wahlgang gewählt. Bei 73 anwesenden Mitgliedern des Fernsehrates erhielt Bellut nur eine Gegenstimme und 70 Ja-Stimmen, also 96% Zustimmung. Der Fernsehrat konnte allerdings auch nur über Bellut abstimmen, einen Gegenkandidaten gab es nicht. Vorgänger Markus Schächter scheidet am 15. März 2012 aus dem Amt, dann übernimmt Bellut.

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Bellut ist ein ZDF-Eigengewächs wie es im Buche steht: Schon sein Volontariat absolvierte er bei den Mainzern. Der 56-Jährige arbeitete nach seinem Studium der Politikwissenschaften, Geschichte und Publizistik in Münster, das er mit der Promotion abschloss, zunächst zwar kurz bei den Westfälischen Nachrichten, ab 1984 dann aber beim ZDF. Nach seinem Volontariat wurde er Redakteur beim "Länderspiegel", Korrespondent in Berlin, Programmreferent des Programm­direktors und ab 1990 Leiter verschiedener Redaktionen, 1992 bis 1997 z.B. Leiter der Redaktion "Offene Reihen und Sondersendungen" und 1997 bis 2002 Leiter der ZDF-Hauptredaktion "Innenpolitik".

Am 1. Dezember 2002 kam dann der nächste Karriereschritt: Bellut wurde als Programmdirektor Nachfolger des damals neuen Intendanten Markus Schächter. Dem folgt er nun auch als Intendant, wenn Schächter im Frühjahr 2012 sein Amt verlässt. Wer Bellut wiederum als Programmdirektor folgt, steht noch in den Sternen. Klar ist, dass der Intendant ihn "im Einvernehmen mit dem Verwaltungsrat" beruft. Das Gerangel um den Posten dürfte in Kürze beginnen. Bellut wird der erst fünfte Intendant in fast 50 Jahren ZDF: Seine Vorgänger waren Karl Holzamer (1962 bis 1977), Karl Günther von Hase (1977 bis 1982), Dieter Stolte (1982 bis 2002) und schließlich Markus Schächter (seit 2002).

Was Bellut auf seinem neuen Posten vorhat, hat er noch nicht sehr detailreich verlauten lassen. Klar ist: In seiner Ära als Programmdirektor hat er u.a. das umstrittene digitale Beiboot ZDF_neo an den Start gebracht und damit für Unmut bei den Privatsendern gesorgt. Quotentechnisch ist ZDF_neo mit 0,3% Marktanteil zwar noch weit von einer gewissen Relevanz entfernt, doch dem Image des ZDF hat der junge Sender durchaus gut getan. Auch mit dem neuen Kanal ZDF.kultur und der Internet-Strategie zeigt sich das ZDF modern und lässt die schwerfällige ARD des Öfteren alt aussehen.

Als Intendant hat Bellut nun die Aufgabe, das Hauptprogramm des ZDF weiterzuentwickeln, ohne das Stamm-Publikum zu vergraulen. Das wird allerdings ohnehin immer kleiner: Im Jahr 2010 verhinderte nur die Fußball-WM einen neuen Marktanteils-Minusrekord, mit 12,7% lag man hinter RTL und dem Ersten nur noch auf Platz 3 des Sender-Rankings. Eine Entscheidung muss Bellut gemeinsam mit Noch-Intendant Markus Schächter möglichst bald treffen: Spätestens, wenn im Herbst die drei letzten "Wetten, dass..?"-Sendungen mit Thomas Gottschalk zu sehen sein werden, sollte ein Nachfolger präsentiert werden.

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