Matussek: Spiegel ist ein „Kampfblatt“

Hauskrach beim Spiegel: Matthias Matussek geht mit seinem Arbeitgeber ins Gericht und wirft dem Blatt Kampagnen-Journalismus vor. Im Interview mit dem katholischen Sender Domradio bezeichnet er das Magazin als "antikirchliches Kampfblatt". Grund: Der Spiegel-Autor habe das Buch von Peter Seewald über den Papst positiv rezensieren wollen. Vize-Chef Martin Doerry habe dies abgelehnt, da die Redaktion mögliche Verwicklungen des Kirchenoberhauptes in den Missbrauchsskandal recherchiere.

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"Pass mal auf, wir haben 13 Leute an der Front, die versuchen, dem Papst Verwicklungen in den Missbrauchsskandal nachzuweisen. Da kannst Du doch nicht kommen und den Papst freisprechen!", soll die Reaktion von Doerry auf den Vorschlag Matusseks gewesen sein.  
Laut SZ ist die "Aufregung in Hamburg gewaltig" über das Ausplaudern der Interna. Spiegel-Vize Martin Doerry wollte sich auf Anfrage der Tageszeitung nicht äußern, Georg Mascolo aber schon. Der Chefredakteur kommentierte die öffentliche Matussek-Schelte so: "Der Spiegel ist ein liberales Blatt, in dem unterschiedliche Meinungen und Positionen erwünscht sind." Diese Toleranz dankten die meisten Autoren auch mit Loyalität, das erwarte er auch von Matussek, dessen Buch "Das katholische Abenteuer – Eine Provokation" aus diesem Grunde auch im Spiegel-Buchverlag erschienen sei.
Jenes Buch war auch der Anlass für das Domradio-Interview. Über die "Geburtshelfer"-Aktivitäten seines Arbeitgebers sei der ehemalige Feuilleton-Chef auch "glücklich", so Matussek gegenüber der SZ. Keinen Kommentar wollte der Spiegel-Autor zu der Aussage einer Domradio-Sprecherin abgeben, dass er den Sender noch am Dienstag daraurf hingewiesen habe, dass er das am 10. Juni 2011 veröffentlichte Radio-Interview nicht autorisiert habe.
Gegenüber seinen Spiegel-Kollegen scheint Matussek nun um Schadensbegrenzung bemüht. In einem erneuten Domradio-Interview, diesmal zu den Reaktionen auf sein Buch, sagte der 57-Jährige: "Ich will jetzt nicht sagen, dass die Spiegel-Kollegen Gegner sind, aber es ist schon eine Herausforderung. Dieser Spagat ist eigentlich äußerst befruchtend, übrigens auch für den Spiegel. Denn die eigentliche Ursprungsidee hat mir die Chefredaktion gegeben, indem sie mich auf die Titelidee gebracht hat, über die sieben Todsünden schreiben zu lassen. (…) Also es ist so, dass im Spiegel durchaus sozusagen eine anregende oder stimulierende Umgebung ist, um auch über Religion und meinen Glauben nachzudenken."

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