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“Bauer sucht Frau” sucht neue Kicks

Am Pfingstmontag startete bei RTL die 7. Staffel von “Bauer sucht Frau”. Und wieder zog der Privatsender alle Register, die die Reality-Soap um liebestolle Landwirte zum Quotenrenner machte: herzige Tieraufnahmen, tumbe Bauern, gestellte Szenen und “gewitzte” Redaktionstexte. Dieses Mal haben sich die Macher aber noch zwei besondere Kicks für die Zuschauerschaft ausgedacht. Zwei der Bauern sind noch Jungfrauen und einer ist homosexuell. Neue Quotenrekorde dürften damit garantiert sein.

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“Bauer sucht Frau”-Moderatorin Inka Bause hat bereits zu vergangenen Staffeln in Interviews immer gesagt, wie gerne sie mal einen homosexuellen Bauern verkuppeln würde. Dieses Mal hat ihr und dem Team der “fleißige Pferdewirt" Philipp den Gefallen getan. Der homosexuelle Pferde-Landwirt wird sicher eine der Hauptfiguren bei der nun anlaufenden siebten Staffel. Und auch die Bild fängt schon an, mehr oder weniger subtil zu witzeln und zitiert Bauer Philipp:  „Mein Traum ist, dass ich einen Mann finde, der mich so nimmt, wie ich bin.“ Hö, hö. Man meint fast zu hören, wie sie sich in der Redaktion da vor Lachen auf die Schenkel haut.
Ob sich der Pferdebauer mit der Teilnahme an der Sendung einen Gefallen getan hat, wird sich noch zeigen. Bisher ist “Bauer sucht Frau” vor allem dadurch aufgefallen, dass die Redaktion gnadenlos die Kandidaten zur Schau stellt und der Lächerlichkeit preisgibt. Auch wenn Inka Bause in Interview stets treuherzig das Gegenteil behauptet. Diesmal wurden u.a. zwei Landwirte als sexuell unerfahren vorgestellt. Auch das wird gewiss für Gesprächs- und Schlagzeilenstoff sorgen.
Es ist genau die Mischung aus alten Bekannten (Josef und Narumol erwarten ein Kind), bewährten Handlungsabläufen (tumbe Herren suchen eine “ehrliche und treue Frau”, wahlweise "nicht zu dünn" oder "sexy wie Jeanette Biedermann) und neuen Kicks (ein Schwuler und zwei Jungfrauen), die vermutlich die Einschalt-Quoten auch dieser Staffel wieder in himmelhohe Höhen steigen lassen werden.
Folge für Folge gibt es nun wieder Wurstplatten zum Frühstück, furnierte Einbauschränke, schrill gemusterte Bettwäsche und untertitelte Menschen auf Freiersfüßen zu sehen. Bei der achten Staffel “Deutschland sucht den Superstar”, sei es doch sehr unwahrscheinlich, dass die Kandidaten nicht wüssten, was sie da erwartet, sagte sinngemäß RTL-Chefin Anke Schäferkordt im Zeit-Interview, als sie auf die entwürdigenden und herablassenden Sprüche und Methoden von Dieter Bohlen angesprochen wurde. Das gleiche Argument könnte sie auch für “Bauer sucht Frau” bemühen. Aber bei dem Landwirte-Format ist das Spiel von RTL sogar noch perfider.
Bei “DSDS” werden junge Leute vorgeführt, die geil auf Ruhm und Geld sind. Da könnte man vielleicht noch meinen, sie seien selbst schuld, wenn sie von Bohlen abgewatscht werden. Bei “Bauer sucht Frau” werden erwachsene Menschen vorgeführt, denen offenbar nicht ganz bewusst ist, was sie tun. Die Sendung sei für viele der Landwirte die einzige Chance, eine Frau kennenzulernen, wird das Format von seinen Machern gerechtfertigt. Das mag vielleicht sogar in dem einen oder anderen Fall stimmen. Erwachsene Männern und Frauen zuzuschauen, wie sie sich abmühen, die entwürdigenden Kitsch-Rituale auszuführen, die sich eine abgebrühte Redaktion für sie ausgedacht hat, ist auch noch in der siebten Staffel schwer erträglich. “Bauer sucht Frau” ist und bleibt das wahrscheinlich verlogenste Format im deutschen Fernsehen.

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