Spiegel.TV: Fernsehen 1.0 für Generation 2.0

Gelungener Start: Wie geplant ist am heutigen Freitag der neue Websender Spiegel.tv online gegangen. Die 100-prozentige Tochter des Spiegel-Verlags versucht mit dem neuen Angebot die lineare Logik des klassischen TV-Geschäfts auf das Web zu übertragen. So werden in einem durch Werbeblöcke unterbrochenen Live-Stream 24 Stunden am Tag aktuelle Berichte und Reportagen gezeigt. Die Hamburger greifen dazu überwiegend auf ihr umfangreiches Archivmaterial zurück.

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Gelungener Start: Wie geplant ist am heutigen Freitag der neue Websender Spiegel.tv online gegangen. Die 100-prozentige Tochter des Spiegel-Verlags versucht mit dem neuen Angebot die lineare Logik des klassischen TV-Geschäfts auf das Web zu übertragen. So werden in einem durch Werbeblöcke unterbrochenen Live-Stream 24 Stunden am Tag aktuelle Berichte und Reportagen gezeigt. Die Hamburger greifen dazu überwiegend auf ihr umfangreiches Archivmaterial zurück.

Beim ersten Besuch des neuen Angebotes fallen zwei Dinge sofort auf: der Player ist ungewöhnlich groß und die Bildqualität hervorragend. Die gesamte Startseite wird beherrscht von dem TV-Player, in dem der Hauptstream ununterbrochen läuft.

Übersichtlich: Die Spiegel.tv-Startseite präsentiert nur ein Player-Fenster

Die Inhalte für das Programm kommen zum einem aus dem tiefen Archiv von Spiegel TV, von Spiegel Online und werden zum Teil auch aktuell produziert. Im Idealfall soll so ein Mix aus klassischen Spiegel-TV-Reportagen, wie sie erfolgreich bei RTL oder Vox laufen, und kurzen, hochaktuellen Nachrichten-Clips entstehen.

Damit entspricht das neue Angebot genau den Sehgewohnheiten der Generation 1.0. Anhänger eines selbstbestimmten, interaktiven TVs werden von den Hamburgern enttäuscht. So gibt es bei Spiegel.tv keine Suchfunktion. Die Nutzer sollen, ähnlich wie bei der iPad-App, über Themen navigieren. "Auf der rechten Seite der Navigation finden Sie themenbezogenes Fernsehen, unter anderem zu den Titelgeschichten des Spiegel", erklärt SpOn den Ansatz. Zweite Möglichkeit die Inhalte zu entdecken, ist über die Option "Kanäle": "Auf der linken Seite finden Sie Filme in Kanälen zu Interessengebieten wie History, Menschen, oder Auto-Mobiles", heißt es in der Erklärung: "Und den Kanal Spiegel TV Magazin: Filme der sonntäglichen Sendung auf RTL."

Smart ist allerdings der Service, der es Nutzern erlaubt, Berichte aus dem Live-Stream über einen Aufnahme-Knopf in eine persönliche Playlist legen und später noch einmal ansehen können.

Völlig zu recht merkt der Web-Video-Experte Markus Hündgen an, dass das neue Angebot wie "eine abgespeckte Mediathek der öffentlich-rechtlichen Sender" wirke. "Die Videos lassen sich nicht auf anderen Seiten einbetten und ebenfalls nicht bei Facebook und Co. "liken". Zwar lassen sich einzelne Videos, auch aus dem Stream heraus, bei Twitter und Facebook als Link teilen. Eine Abspielmöglichkeit im Facebookstream bietet Spiegel.tv nicht an."

Die Hamburger sind trotzdem zufrieden mit ihrem Konzept: "Mit Spiegel.tv führen wir die journalistische Kompetenz unserer Print-, Online- und TV-Redaktionen zusammen. Entstanden ist ein völlig neues und hochwertiges Internet-Fernsehen, das nur ein integriertes Medienhaus wie die SpiegelL-Gruppe anbieten kann", sagt Cassian von Salomon, Chefredakteur von Spiegel TV.

Berechtigte Hoffnungen macht sich vor allem die Vermarktung. Web-Werbung, vor allem in Bewegtbild-Formaten, boomt zurzeit. So sprach der Spiegel-Vermarkter Norbert Facklam jüngst gegenüber W&V davon, dass er durch die Vermarktung von Spiegel.tv mit Erlösen im siebenstelligen Euro-Bereich rechne.

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