Kachelmann, Bild und der Leistungsschutz

Der Fall Kachelmann beschäftigt die Medien (und Jörg Kachelmann) auch nach dem Freispruch noch weiter. Anlass diese Woche war sein Interview in der Zeit, das von der Bild offensiv zweitvermarktet wurde. Wie sieht es denn da eigentlich aus mit dem von Axel Springer so oft geforderten Leistungsschutz? Bei RTL kommt die neue Doku “Helena Fürst - Anwältin der Armen” gar nicht gut an - zu Recht. Und Lady Gaga rettete das Finale von Heidi Klums blutleerer Show “Germany’s next Topmodel”.

Anzeige

Dass der Fall Kachelmann mit dem Freispruch vergangener Woche noch längst nicht erledigt sein würde, konnte man sich schon denken. Jetzt hat Kachelmann selbst in einem langen Interview mit Sabine Rückert in der Zeit nachgelegt. Wer dagegen etwas in der Zeit oder im Spiegel über das eigentliche Urteil erfahren wollte, wurde enttäuscht. Sowohl Sabine Rückert als auch Spiegel-Gerichtsreporterin Gisela Friedrichsen berichteten ausschließlich online über Kachelmanns Freispruch. Auch das zeigt der Fall Kachelmann: die gestiegene Bedeutung der Online-Medien. Dass sowohl Zeit als auch Spiegel in ihren Print-Ausgaben darauf verzichten, den Ausgang des spektakulären Prozesses auch nur zu erwähnen, wäre vor ein paar Jahren noch undenkbar gewesen.

Umso größer berichtete dafür die Bild vom Zeit-Interview mit Kachelmann. “1. Interview nach Freispruch – Kachelman rechnet brutal ab!” schreit die Bild-Schlagzeile am Freitag. Moment mal – das Interview stand doch in der Zeit. Wie, liebe Leute bei Springer sieht es da eigentlich aus mit dem von Euch so gerne beschworenen Leistungsschutz? Die Bild war so versessen auf die Interview-Inhalte, dass sogar online auf die kostenpflichtige iPad-Ausgabe verwiesen wurde. Sprich: Bild macht Werbung für seine kostenpflichtige Digital-Ausgabe mit den Inhalten anderer Leute und verdient mit den wertvoll von der Zeit erstellten Inhalten Geld. Wird jetzt nach der Kachelmann-Abrechnung nochmal eine Abrechnung aufgemacht und der Zeit für die Zweitverwertung des Interviews etwas von dem damit erwirtschafteten Geld überwiesen? Konsequent wäre das jedenfalls.

Bei RTL geistern seit kurzem zwei neue Doku-Helden durch das Abendprogramm: Franz Obst, der Schlichter im “Nachbarschaftsstreit” und “Helena Fürst – Anwältin der Armen”. Ich hatte diese Woche das Missvergnügen Frau Fürst bei ihrem Wirken zuzuschauen. Selten habe ich eine so fehl besetzte, kalt agierende und unsympathische Person auf dem Bildschirm gesehen. Es war bisher eine große Stärke von RTL, für solche Formate stets die besten Leute zu casten: Restauranttester Rach, Schuldnerberater Zwegat, Super-Nanny Saalfrank. Und jetzt soll ein Sozialhilfe-Roboter wie Helena Fürst die neue Generation der TV-Coaches sein? Das kann nicht gut gehen und die miesen Quoten sprechen eine deutliche Sprache: Auch Trash will gut gemacht sein.

Der beste lebende Beweis dafür ist Lady Gaga. Die legitime Nachfolgerin von Madonna als Königin des Pop schaffte es als Stargast sogar, dem ausgelutschten Finale von “Germany’s next Topmodel”  kurzzeitig Leben einzuhauchen. Die Gaga sang und tanzte zwischen drei Guillotinen, die mit "Sex", "Money" und "Vanity" beschriftet waren. Dazu wirbelten Geldscheine durch die Gegend und Herren mit nacktem Oberkörper wanden sich am Boden. Am Schluss der Performance köpfte sich Lady Gaga symbolisch selbst. Man kann davon ausgehen, das der grandios subversive Auftritt nicht den Hirnen von Heidi Klum und ihren tumben Jury-Aushilfen entsprungen war.

Schönes Wochenende!

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige