Bin-Laden-Effekt drückt Spiegel-Verkauf

Gleich zweimal ist der Spiegel in den vergangenen Wochen von Breaking News kalt erwischt worden. Die Folgen des ersten Falls sind an den jetzt von der IVW veröffentlichten Abverkaufszahlen abzulesen. "Mordswut. Die unheimliche Eskalation der Jugendgewalt" lautete der Titel von Heft 18, das am 2. Mai an die Kioske kam. Das Problem: Am selben Morgen gaben die USA die Erschießung von Osama bin Laden bekannt. Das Spiegel-Cover mit der Jugendgewalt markierte den zweitschlechtesten Einzelverkauf.

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In der Verkaufswoche fand das Nachrichtenmagazin nur 285.138 Käufer im Einzelhandel und war damit fast so schwach wie der "Circus Krone"-Titel (Heft 16 / 2011), der den bisherigen Negativ-Rekord seit Beginn der Heftauflagenmessung 1995 setzte. Auf die neue Nachrichtenlage konnte der gedruckte Spiegel erst sieben Tage später reagieren, was in Kombination mit einer aufgeklebten DVD den Absatz deutlich angekurbelt haben dürfte. Dennoch wird man beim Spiegel mit Sorge registrieren, dass auch der Gesamtverkauf mit 909.000 Heften erneut sehr deutlich unter der Million-Grenze liegt. Gegenüber der Vorwoche, in der ebenfalls eine DVD in Kombination mit dem Jesus-Oster-Titel ("Der Rebell Gottes") am Start war, bedeutet dies im Einzelverkauf ein Minus von 97.000 Heften.
Noch nicht in der IVW-Statistik eingegangen ist der nächste Problemfall, der den Spiegel nur zwei Wochen später traf. Als das Magazin mit der Exklusiv-Story "Geheimakte Love-Parade" aufmachte, kochte gerade der Sex-Skandal um Dominique Strauss-Kahn hoch, der zwei Tage zuvor in New York verhaftet und unter Anklage gestellt worden war. Auch dieses Heft soll nach Informationen aus Grosso-Kreisen für Spiegel-Verhältnisse extrem schwache Werte beschert haben. Rechnet man die Nummern mit DVD, die ja auch hohe Investitionen erfordern, heraus, so muss man kein Hellseher sein, um für das zweite Quartal eine sehr durchwachsene Auflagenbilanz zu prognostizieren.
Die Verkaufswoche 18 war allerdings auch für den stern enttäuschend. Der Titel "Kate & William: Tatsächlich Liebe / Was auf der Gorch Fock wirklich geschah" war mit 263.101 Einzelverkäufen das sechst-schlechteste Heft in der IVW-Ausweisung, neben "Circus Krone" vom Spiegel und "Die Royals" vom stern war das der dritte William & Kate-Kiosk-Flop für die beiden Magazine in sehr kurzer Zeit. Erkenntnis aus der Abteilung "Hinterher ist man immer schlauer": Ein Thema, das bei Frauenzeitschriften und Yellows gut lief, war für die Nachrichtenmagazine Auflagengift. Die Gesamtauflage vom stern 18 / 11 liegt bei 834.000 Exemplaren.
Beim Focus könnte man angesichts eines vergleichsweise geringen Minus zur Vorwoche und einem ordentlichen EV-Wertes von 128.842 Heftverkäufen eigentlich ganz zufrieden sein. Doch der Titel "Großes Urlaubs-Special mit 50€ Gutschein/ Immobilien & Inflation – soll ich kaufen?" erinnert doch sehr an die Fakten, Fakten, Fakten-Ära, die man in zwei Relaunch-Anläufen überwunden haben wollte. Der Gesamtverkauf beläuft sich hier auf 579.000 Exemplare.

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