„Ich weiß nicht, was mich geritten hat“

Nur gut eine Woche nach der offiziellen Verkündung zerschlug sich der Wechsel von Sven Scheffler als Online-Chef zu den G+J-Wirtschaftsmedien, und alle fragten sich, warum. Angeblich hatte der 40-Jährige "aus persönlichen Gründen" einen Rückzieher gemacht. In Wahrheit stoppte allerdings der neue Arbeitgeber die Neuverpflichtung - Scheffler hatte in Kommentaren ganze Textpassagen anderer Autoren übernommen, ohne dies deutlich zu machen. Gegenüber MEEDIA räumte Scheffler dies auch ein.

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Über die Plagiatsfälle sagt Scheffler: "Ich habe bei einigen wenigen Kommentaren, die ich für Handelsblatt Online geschrieben habe, Passagen von anderen Autoren übernommen, ohne diese kenntlich zu machen. Ich stand unter einem enormen Zeitdruck, es handelte sich aber um kein systematisches Prozedere." Gleichwohl räumt er ein: "Mein Vorgehen war falsch, ich weiß nicht, was mich geritten hat. Ich habe meine Lektion gelernt."
Nachdem der Wechsel am Donnerstag geplatzt war, hatte es in der Branche Gerüchte um die tatsächlichen Hintergründe der Absage gegeben. Schließlich war die Personalie ja erst wenige Tage zuvor bekanntgegeben worden. Anfragen bei der Financial Times sowie im Mutterunternehmen liefen ins Leere. "Kein Kommentar", hieß es dort unisono. Bei Gruner +Jahr sollte der 40-Jährige als Redaktionsleiter Electronic Media die G+J-Wirtschaftsmedien verantworten und somit für alle digitalen Produkte von FTD, Capital, Börse Online und Impulse zuständig sein. Steffen Klusmann, Sprecher des Chefredakteurs-Kollegiums der G+J Wirtschaftsmedien, hatte bei der Vorstellung des Neuzugangs Sven Scheffler von einer "tollen Verstärkung für die Fortführung unserer digitalen Expansion gerade auch im Bereich der Bezahl-Angebote" gesprochen.
Dem Vernehmen nach war nach der Meldung des Wechsels bei den Wirtschaftsmedien ein Hinweis über mögliche Verfehlungen Schefflers als Autor eingegangen. Bei der Prüfung wurden die Rechercheure offenbar fündig. Auf Vorhalt soll der Jorunalist eingeräumt haben, dass er sich bei fremden Autoren bedient hatte. Ob der Tipp aus dem Düsseldorfer Umfeld des Handelsblattes stammt, wo Scheffler seit 2008 als Chefredakteur von Handelsblatt.com angestellt war, ist unklar. Der 40-Jährige stellt aber klar: "Der Grund für mein Ausscheiden bei der Verlagsgruppe Handelsblatt waren nicht die Kommentare, die teilweise nicht von mir stammten. Der Grund waren Differenzen über die Ausrichtung von Handelsblatt Online."
Bevor Scheffler den Handelsblatt-Posten übernahm, war er Geschäftsführender Redakteur für Junge Karriere und Perspektiven. Zudem war er verantwortlich für den Relaunch der Site www.karriere.de. Mit den Portalen studiVZ und Xing trieb er außerdem eine intensive Kooperation und Verzahnung von Print und Online voran. Zuvor war er als Stellvertretender Chefredakteur von Business News tätig. Scheffler ist bei den Hamburgern kein Unbekannter: Er schrieb bereits für Impulse, Capital, FTD und Stern.
Langfristige Auswirkungen auf seine journalistische Laufbahn erwartet Scheffler aufgrund der Plagiatsfälle trotz der Absage aus Hamburg nicht: "Mir liegt ein anderes attraktives Jobangebot vor, das ich annehmen werde."

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