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Post mischt im Tablet-Geschäft mit

Die Deutsche Post steigt als Dienstleister ins E-Publishing ein. Wie der Konzern gegenüber MEEDIA bestätigte, ist ein Projekt mit Pilotkunden bereits weit gediehen. Ziel: Die Inhalte von Verlagen möglichst automatisiert und damit kostensparend auf Tablet-PCs wie das iPad bringen. Die Tablet-Medien sollen mehr als reine PDF-Versionen von Printausgaben sein. Die Post begibt sich damit in Konkurrenz zu Anbietern wie beispielsweise der Yoc AG oder dpa-infocom.

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"Wir haben viele Verlage identifiziert, die den Weg in die digitale Welt nicht mitgehen können, vor allem aus Kostengründen", sagt Carsten Vullriede, Vizechef der Abteilung Verlagsservices bei der Deutschen Post AG, gegenüber MEEDIA. Besonders mittelgroße und kleine Verlage soll das Angebot ansprechen. Wer mit einem eigenständigen Konzept in die Tablet-Welt will, muss in der Regel noch hohe Einstiegskosten für Konzeption und Produktion bezahlen. Je geringer die Automatisierung, um so höher die Personalkosten.

Vullriede wirbt mit einem hohen Automatisierungsgrad, konkurrenzfähigen Preisen und der Stellung der Post als neutralem Partner. Die Software soll die Inhalte nicht nur für das iPad, sondern auch für Geräte mit Android-Betriebssystem und später für Microsoft-betriebene Geräte aufbereiten, und das sowohl für Tablets wie für Smartphones. Das ist keine kleine technische Herausforderung.

Die Projektentwicklung läuft laut Vullriede seit Oktober vergangenen Jahres. Als IT-Partner haben die Bonner GFT Technologies im Boot. Die Post ist Minderheitsgesellschafter bei dem Schwarzwälder Unternehmen und unterhält mit ihm eine "strategische Allianz".    

Ein Pilotkunde des Projektes ist das Ruhrgebiets-Magazin RevierSport. Der Titel erscheint zweimal wöchentlich mit einer gedruckten Auflage von ca. 25.000 Exemplaren und hat sich im Internet in den vergangenen vier Jahren als beste Informationsquelle über Amateurfußball im Ruhrgebiet (1,2 Millionen Visits) etabliert. Die Tablet-Ausgabe von RevierSport solle sich aus Print- und Online-Beiträgen sowie eigens produzierten Inhalten zusammensetzen, kündigt Online-Verlagsleiter Thomas Wein an. Die Möglichkeit, sich am Post-Projekt zu beteiligen, sei "zur richtigen Zeit" gekommen. Ansonsten hätte der Verlag den Schritt aufs Tablet noch eine Weile abgewartet.

Hinter Reviersport steht die Prokom GmbH, deren Gesellschafter das zum Oetker-Konzern gehörende Bankhaus Lampe ist. Bis 2007 gehörte die Hälfte an Prokom zum Klartext-Verlag. Als die Essener WAZ-Gruppe den Buchverlag 2007 kaufte, durfte sie Prokom und damit RevierSport nicht mit übernehmen, weil das Kartellamt die Ausbildung eines Monopols in der Sport-Berichterstattung im Ruhrpott befürchtete. RevierSport kooperiert aber mit dem Online-Portal DerWesten.de von der WAZ-Gruppe.

Warum ist das bemerkenswert? Einerseits, weil die Post hier indirekt einen Fuß in der Tür eines großen Verlagspartners hat. Andererseits, weil die Bonner sich weiter aggressiv als Dienstleister für die Verlagsbranche positionieren. Erst kürzlich ging DieRedaktion.de online, ein Marktplatz für journalistische Texte, die gegen Provision als Zweitverwertungen vertrieben werden. Mit dem Kauf des Targeting-Spezialisten nugg.ad wurde die Post AG im vergangenen Jahr zu einem wichtigen Player im Online-Werbemarkt. Aus dem ebenfalls gehegten Plan, einen Online-Kiosk im großen Stil aufzubauen, wurde bisher allerdings nichts. 

Den Löwenanteil des Umsatzes im Geschäftsbereich Presseservices erzielt die Post mit dem konventionellen Vertrieb von Pressetiteln, was ca. 800 Millionen Euro im Jahr ausmacht. Der Geschäftsbereich, in dem auch das E-Publishing-Projekt angesiedelt ist, wird von dem ehemaligen WAZ-Vorstand Lutz Glandt geleitet. Glandt berichtet seinerseits an den Brief-Vorstand der Deutschen Post, Jürgen Gerdes. Gerdes´ Hauptaufgabe liegt derzeit darin, die sinkenden Umsätze im klassischen Briefgeschäft zu kompensieren. Der Gewinn der Sparte betrug 2010 1,15 Milliarden Euro, bei leicht sinkendem Umsatz. Ein Versuch, sich das Briefgeschäft auch in der digitalen Welt zu sichern, ist der im vergangenen Jahr gestartete E-Postbrief.

Die Post veröffentlichte im vergangenen Jahr die Studie „Die kommerzielle Zukunft redaktioneller Imhalte im Internet“. Im Vorwort heißt es, der Konzern fühle sich aufgefordert, „den Fortschritt der Branche voranzutreiben“. Nicht immer allerdings stößt das Engagement des gelben Riesen auf Gegenliebe in Verlagen. Ein heftiger Streit entbrannte beispielsweise um Einkauf Aktuell. Das im Auftrag der Post entwickelte und vertriebene Heftchen landet regelmäßig in bundesdeutschen Briefkästen. In Klarsichthülle eingeschweißt, gelangen auf diesem Wege viele Werbeprospekte zu den Verbrauchern. Der Zeitungsverlegerverband BDZV wirft der Post in diesem Fall eine Marktverzerrung vor – ein Konzern, an dem der Bund 30 Prozent Anteile hält, konkurriere mit Verlagen um Werbekunden. Den Plan, weitere kostenlose werbefinanzierte Publikationen zu entwickeln, verwarfen die Bonner vor einiger Zeit auf Druck der Verlage.

Nun also E-Publishing. Riesen-Umsätze sind zunächst aufgrund der noch geringen Reichweite von Tablets nicht zu erwarten. Für Kunden fällt ein Honorar für die Anbindung der Software an die Redaktionssysteme an, sowie eine Gebühr für die Konvertierung der Inhalte. Doch je populärer vor allem Tablets werden, um so stärker stellt sich für viele Medien und Unternehmen, die Publikationen veröffentlichen, die Frage, wie sie möglichst einfach und günstig auf die Geräte kommen.

Vor wenigen Wochen stellte die dpa-Tochter dpa-infocom ihre „E-Publishing Suite“ vor, eine ebenfalls kostensparende und effiziente technische Lösung. Wie die Post will man "Enabler" der Medienbranche sein. Pilotkunde von dpa war die Schwäbische Zeitung in Leutkirch, die seit Anfag Mai täglich eine eigenständige iPad-Ausgabe veröffentlicht.

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