Gastwirt siegt vor OLG gegen Feinschmecker

Teilniederlage für den Feinschmecker: Das Magazin aus dem Jahreszeiten-Verlag hat den Rechtsstreit gegen den Restaurantbesitzer Hans-Joachim Brogsitter vorerst verloren. Der Wirt aus Walporzheim hatte sich nach einer negativen Kritik im Gastronomieführer der Zeitschrift ungerecht behandelt gefühlt und geklagt (MEEDIA berichtete). Nun gab ihm das Oberlandesgericht Köln recht – und unterstellt dem Feinschmecker mangelnde Sorgfalt und subjektive Berichterstattung.

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Der Feinschmecker hatte das Gourmetrestaurant Brogsitter’s Sanct Peter nicht nur negativ bewertet, sondern auch von drei auf zwei "Feinschmecker-Punkte" abgestuft. Aus Sicht des Gerichts stellt der Test jedoch "keine hinreichend zuverlässige Tatsachengrundlage für die vorgenommene Abwertung dar". Deshalb verbietet es dem Feinschmecker die weitere Verbreitung der Kritik in Verbindung mit der Abwertung von drei auf zwei "F".
Die journalistische Sorgfaltspflicht gebietet es dem Oberlandesgericht Köln (OLG) zufolge, das negative Testergebnis zum Beispiel durch einen zweiten Besuch oder eine zweite Testperson zu überprüfen. Dies insbesondere dann, wenn eine Kritik wie die des Feinschmecker erhebliche Nachteile für das Restaurant bewirken und zu erheblichen Wettbewerbsverzerrungen führen kann. "Zweifellos ist die das Angebot der Klägerin (Brogsitter’s Sanct Peter GmbH, Anm. d. Red.) negativ bewertende Kritik auch geeignet, das geschäftliche Ansehen der Klägerin ebenso wie deren Gewerbebetrieb selbst zu beeinträchtigen", heißt es in der Urteilsverkündung des OLG.
Auch wenn eine Kritik immer meinungsgeprägt und dem Tester "größtmögliche Freiheit bei seiner Beurteilung" einzuräumen sei, müsse die der Veröffentlichung zugrunde liegende Untersuchung "neutral, sachkundig und im Bemühen um Richtigkeit vorgenommen sein", begründen die Richter ihr Urteil weiter. "Diesen Maßstäben hält die hier zu beurteilende Restaurantkritik nicht stand." Es hätte eine weitere Überprüfung durch den Jahreszeiten-Verlag geben müssen, "ob die bereits vorliegende Kritik nicht lediglich das Ergebnis einer womöglich sogar noch durch subjektive Befindlichkeiten der Testesserin beeinflussten Momentaufnahme widerspiegelt".
Für den Feinschmecker bedeutet das Urteil, dass er seinen Test vom 11. August des vergangenen Jahres aus dem Taschenbuch "Die 600 besten Restaurants in Deutschland 2010/2011", das der September-Ausgabe des Feinschmeckers beilag, nicht erneut in Verbindung mit der Abwertung von drei auf zwei "F" veröffentlichen darf. In einer gekürzten Fassung sollte er auch im "Der Feinschmecker Hotel- und Restaurant Guide 2011" abgedruckt werden. Diesen Führer veröffentlicht der Jahreszeiten-Verlag alljährlich auf der Frankfurter Buchmesse. Doch kurz zuvor veranlasste Brogsitter eine einstweilige Verfügung gegen den Bericht, woraufhin Der Feinschmecker das komplette Stück schwärzte.
Der Restaurantbesitzer sah in der Schwärzung eine Art Schuldeingeständnis: "Dass der Feinschmecker die miserabel recherchierte Kritik geschwärzt hat, zeigt, dass unsere Kritik berechtigt ist. Wer nichts zu verbergen hat, schwärzt keine Artikel." Feinschmecker-Chefredakteurin Madeleine Jakits hatte damals von einem einmaligen Vorgang der 35-jährigen Magazingeschichte gesprochen.
In erster Instanz hatte das Landesgericht Köln die von Hans-Joachim Brogsitter beantragte einstweilige Verfügung gegen den Bericht zurückgewiesen. Das OLG korrigierte die Entscheidung nun.
Peter Rensmann, Verlagsgeschäftsführer der Special-Interest-Medien beim Jahreszeiten-Verlag, äußerte gegenüber MEEDIA, dass er die Entscheidung "für ein Fehlurteil" hält. Da es sich um ein laufendes Verfahren handelt, wollten die Hamburger keine weitere Stellungnahme abgeben. Der Rechtsstreit geht also weiter.

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