Quotenrekord dank neuem Messverfahren

Mitte 2009 haben AGF und GfK die Quotenmessung modernisiert. Seitdem werden auch Gäste mitgezählt, die zusammen mit den Hausherren fernsehen. Ein Anstieg der gemessenen TV-Nutzung war die logische Folge. Eine ARD-Studie zeigt nun, welche Sender und Sendungen am meisten von der Außer-Haus-Erweiterung profitieren. Eines der spannenden Ergebnisse: Ohne das neue Messverfahren hätte es den Alltime-Zuschauerrekord bei der Fußball-WM 2010 nicht gegeben.

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Mitte 2009 haben AGF und GfK die Quotenmessung modernisiert. Seitdem werden auch Gäste mitgezählt, die zusammen mit den Hausherren fernsehen. Ein Anstieg der gemessenen TV-Nutzung war die logische Folge. Eine ARD-Studie zeigt nun, welche Sender und Sendungen am meisten von der Außer-Haus-Erweiterung profitieren. Eines der spannenden Ergebnisse: Ohne das neue Messverfahren hätte es den Alltime-Zuschauerrekord bei der Fußball-WM 2010 nicht gegeben.

Für die Studie, die dieser Tage in der ARD-Fachzeitschrift Media Perspektiven erschienen ist, wurden sämtliche Außer-Haus-Zuschauerzahlen des Jahres 2010 ausgewertet. Der Begriff "außer Haus" meint hier jene Leute, die bei Freunden oder der Familie fernsehen. Public Viewings in Kneipen oder auf Großveranstaltungen werden u.a. wegen des hohen technischen und finanziellen Aufwands auch weiterhin nicht mitgezählt. Die Außer-Haus-Messung von AGF und GfK hat dennoch für eine Steigerung des täglichen TV-Konsums um 4 Minuten gesorgt.

Was sich nach keinem allzu großen Sprung anhört, kann im Einzelfall aber entscheidende Zuschauerzuwächse bringen. Beispiel: Das Fußball-WM-Match zwischen Deutschland und Spanien hatte im Juli 2010 mit 31,10 Mio. Zuschauern einen neuen Alltime-Quotenrekord aufgestellt. Nie zuvor hatten so viele Menschen in Deutschland dieselbe Fernsehsendung gesehen. Die nun veröffentlichten Zahlen zeigen aber, dass die 30-Mio.-Schallmauer ohne das neue Messverfahren nie durchbrochen worden wäre. Denn: 2,68 Mio. der 31,10 Mio. Fans waren Gäste, die das Spiel bei Freunden oder der Familie statt zu Hause gesehen haben und bis Mitte 2009 gar nicht mitgezählt worden wären. Nur dieses Zuschauerplus von 9,4% hat also den neuen Rekord ermöglicht.

Das WM-Spiel gegen Spanien war damit gleichzeitig die Sendung, die 2010 am meisten von der Außer-Haus-Messung profitiert hat. Ohnehin ist Fußball offenbar der Hauptgrund, bei Freunden oder der Familie fernzusehen. So finden sich auf den ersten 7 Plätzen der von Gästen meistgesehenen Programme 2010 ausnahmslos WM-Spiele. Direkt dahinter auf Rang 8: der Eurovision Song Contest mit immerhin 1,30 Mio. Leuten, die nicht zu Hause sondern als Gast dabei waren. Unter den Top-50-Programmen finden sich neben 40 Sport-Übertragungen aus Fußball, Formel 1 und Boxen zudem noch Formate wie "Wetten, dass..?", "Das Supertalent", "DSDS" und ein "Tatort".

Insgesamt sehen die Unter-50-Jährigen überdurchschnittlich oft zusammen mit Freunden oder der Familie fern, die Über-50-Jährigen bleiben also eher zu Hause. Besonders stark sind die Zuschauerzuwächse durch die erweiterte Messung bei den 3- bis 13-Jährigen. Dort entsprachen die täglich zusätzlichen 5 Minuten durch Gäste-Nutzung einen Sprung von 6% beim TV-Konsum. Nach absoluten Minuten und nicht prozentualen Anteilen gerechnet, sind die 20- bis 29-Jährigen die kontaktfreudigsten TV-Zuschauer. Hier wuchs der gesamte TV-Konsum durch die nun mitgezählten Gäste um 10 Minuten pro Tag.

Angesichts dieser Zahlen ist es logisch, dass vor allem Sender mit jüngerem Publikum von der Gäste-Messung profitieren. Während der TV-Konsum im Gesamtpublikum durch die Gäste um 1,9% wuchs, steigerte Nickelodeon seine Zahlen beispielsweise um satte 4,5%. Super RTL verzeichnete ebenso wie der KI.KA und MTV eine um 3,6% erhöhte Sehbeteiligung, Viva eine von 3,3% und ProSieben eine von 2,8%. Am wenigsten konnten unter den großen Sendern das ZDF (1,5%) und Sat.1 (1,4%) zulegen.

Weitere spannende, kurz zusammengefasste Ergebnisse der Studie: Kollektiv-TV-Zuschauer haben überdurchschnittlich oft Abitur, leben oft in größeren Haushalten mit vier oder mehr Personen, wohnen in Berlin oder Niedersachsen und schauen besonders gern Silvester oder am Heiligabend mit Freunden oder der Familie fern. Allein am 31. Dezember verzeichnete die GfK nämlich dank der Gäste-Messung eine zusätzliche TV-Nutzung von 5,4%.

Die komplette Studie mit umfangreichen Informationen zur Methodik, weiteren Ergebnissen, sowie vielen Tabellen und Rankings finden Sie in der aktuellen Ausgabe von Media Perspektiven und an dieser Stelle auch als PDF.

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