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LinkedIn-Aktie: die neue Dotcom-Blase

Tatsächlich: Das amerikanische Online-Netzwerk LinkedIn ist furios an der Wall Street gestartet. Zur Handelseröffnung an der New Yorker Börse schoss die Aktie bis auf 90 Dollar empor. Das entsprach einer Kursverdopplung zum Ausgabepreis. Bereits im Rahmen der Bookbuilding-Spanne hatte LinkedIn seine Aktien um 30 Prozent verteuert – und den Maximalpreis von 45 Dollar voll ausgereizt. Das Unternehmen ist nun über neun Milliarden Dollar wert. Marktexperten kritisierten den überteuerten Börsengang scharf.

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Tatsächlich: Das amerikanische Online-Netzwerk LinkedIn ist furios an der Wall Street gestartet. Zur Handelseröffnung an der New Yorker Börse schoss die Aktie bis auf 90 Dollar empor. Das entsprach einer Kursverdopplung zum Ausgabepreis. Bereits im Rahmen der Bookbuilding-Spanne hatte LinkedIn seine Aktien um 30 Prozent verteuert – und den Maximalpreis von 45 Dollar voll ausgereizt. Das Unternehmen ist nun über neun Milliarden Dollar wert. Marktexperten kritisierten den überteuerten Börsengang scharf.


Das Rennen ist eröffnet: Seit 15.30 Uhr deutscher Zeit wird LinkedIn an der New Yorker Börse unter dem Tickersymbol LNKD  gehandelt – der Startschuss für den großen Showdown der Internet-Stars 2.0 ist damit gefallen. Tatsächlich erinnert vieles bei LinkedIn an eine fast vergessene Ära, die mehr als 12 Jahre her ist. 


Gegen Ende des vergangenen Jahrtausends war es, als für Internet-Unternehmen, die an die Börse strebten, immer absurdere Mondpreise bezahlt wurden – die phänomenalen Kurszuwächse von Yahoo, Amazon oder eBay hatten Anleger gierig gemacht. So reichte buchstäblich für einige Monate das Dot im .com aus, um schnelle Zeichnungsgewinne in manchmal erstaunlicher Höhe zu garantieren: Wer die Zuteilung erhielt, konnte sich glücklich schätzen – und schnell verkaufen. 

Die jungen Internet-Unternehmen nutzen den Run ihrerseits zu immer ambitionierteren Bewertungen aus, die selbst unter günstigsten Vorzeichen in der weiten Zukunft volkswirtschaftlich kaum zu rechtfertigen waren – doch volkswirtschaftliche Grundrechenarten spielten bekanntlich in der Internet-Hausse der späten 90er-Jahre kaum eine Rolle.
Erstaunliche Bewertung: Umsätze viermal teuer als bei Xing


Ein bisschen an diese Exzesse erinnert auch das Pricing, das sich LinkedIn im Rahmen seines Börsengangs geleistet hat.  Das Missverhältnis zum deutschen Konkurrenten Xing, der mit vergleichbarem Geschäftsmodell gut als Maßstab, zumindest aber als Orientierung dienen kann, ist eklatant.
Der Vergleich zwischen dem amerikanischen Platzhirsch und dem deutschen Herausforderer hinkt nämlich nach allen Grundrechenarten: LinkedIn setzte 2011 243 Millionen Dollar um, Xing im gleichen Zeitraum aber auch bereits 54 Millionen Euro, die beim aktuellen Euro-Dollar-Wechselkursverhältnis knapp 77 Millionen Dollar entsprechen. In anderen Worten: Auf Basis des Ausgabekurses haben Anleger für den rund dreifachen Umsatz den fast elffachen Preis bezahlt. LinkedIns Erlöse sind also fast viermal teurer bezahlt als die von Xing.
Angesichts der Gewinnentwicklung erscheint das Missverhältnis noch offenkundiger: 2010 erzielte Xing ein Ebita von 16 Millionen Euro, von denen unterm Strich immer noch mehr als 7 Millionen Euro netto hängen blieben. LinkedIn hingegen verdiente mit 3,3 Millionen Dollar gerade mal ein Drittel. Und im laufenden Geschäftsjahr hat der amerikanische Platzhirsch hat nicht mal Gewinne vorgesehen. Selbst wenn man bereit ist, dem LinkedIn als Marktführer einen satten Premium-Aufschag zu gewähren, lässt sich dieses Missverhältnis kaum erklären.
Künstliche Aktienverknappung: "LinkedIn spielt das Splitter-Spiel"


Schon gar nicht in dieser Höhe. Wall Street-Experten äußerten sich entgeistert darüber, wie schamlos LinkedIn die Grenzen des Möglichen auslotet: "LinkedIn spielt das Splitter-Spiel", erklärt CNBC-Moderator James Cramer, der es als  früherer Hedgefondsmanager wissen muss. Cramers Vorwurf: LinkedIn verknappt mit gerade mal 7,94 Millionen ausgegebenen Aktien das Angebot künstlich, um eine entsprechend große Nachfrage zu erzeugen – eine im Dot.com-Hype von 1999 gängige Praxis. "Ich kann nicht glauben, dass sie dasselbe Spiel wieder spielen", ereiferte sich Cramer.
Die Bewertung, die das Unternehmen auf diese Weise erzielt, lässt den CNBC-Moderator den Kopf schütteln: "LinkedIn debütiert mit dem Elffachen des Umsatzes am Markt. Das ist eine Blase von Tag eins an!" Branchenkollegen geben Cramer recht: „Ich würde die Aktie nicht anfassen und nicht halten wollen – nicht bei 45, nicht bei 43 Dollar, erklärte der Hedgefonds-Manager Eric Jackson von Iron Capital gegenüber Reuters im Vorfeld.
Anleger sehen die Lage offenbar jedoch komplett anderes und handeln so, als wäre es noch einmal 1999: In den hektischen ersten Handelsminuten schoss die Aktie bis auf 92 Dollar empor, verdoppelte sich also sogar. Gegen 17 Uhr deutscher Zeit notiert das Papier bei 87 Dollar. 


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