Tagesspiegel: Koch-Mehrin droht Titel-Verlust

Nach zu Guttenberg könnte nun auch Silvana Koch-Mehrin ihren Doktortitel verlieren. Die Universität in Heidelberg will ihr die Würde offenbar aberkennen und hat die FDP-Politikerin zu einer Stellungnahme zu den Plagiatsvorwürfen aufgefordert, berichtet der Tagesspiegel. Wörtlich heißt es: "Vor der Beschlussfassung ist die betroffene Person zu hören." Plagiatsjäger hatten in Koch-Mehrins Promotion Kopien auf rund einem Drittel der Seiten gefunden, die nicht ausreichend durch Fußnoten gekennzeichnet waren.

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Für die Stellungnahme habe die Uni der Politikerin eine mehrwöchige Frist zugestanden, heißt es beim Tagesspiegel. Eine Sprecherin der Heidelberger Bildungsstätte sagte, eine Kommission prüfe derzeit "entlang eigener Bewertungsmaßstäbe, ob es zu gravierenden Verstößen gekommen ist". Noch sei jedoch weder eine Entscheidung gefallen noch ein "förmliches Entziehungsverfahren" begonnen worden. Eine Veröffentlichung des Kommissionsberichts wird Ende Mai oder Anfang Juni erwartet.
Die Plagiatsjäger von Vroniplag hatten Koch-Mehrin zuvor Verstöße gegen wissenschaftliche Zitier-Grundsätze auf 63 von 201 Seiten nachgewiesen. Das entspricht mehr als 31 Prozent der gesamten Arbeit. "Oftmals über mehrere Absätze hinweg", heißt es, habe die FDP-Politikerin Textstellen von anderen Autoren kopiert, ohne dies kenntlich zu machen. "In der untersuchten Dissertation wurden in erheblichem Ausmaß fremde Quellen verwendet, die nicht oder nicht hinreichend als Zitat gekennzeichnet wurden", schreiben die anonymen Sammler. Auf mehreren Seiten soll die FDP-Frau sogar mehr als 75 Prozent des Inhalts abgeschrieben haben. "Dies stellt eine eklatante Verletzung wissenschaftlicher Standards dar."
Weiter gehen die Web-Aktivisten davon aus, dass die Täuschungen "bewusst getätigt wurden", denn die Plagiate seien "über die gesamte Dissertation hinweg zu finden". Es stelle sich die Frage, "ob es durch die Förderung der Arbeit durch die Friedrich-Naumann-Stiftung mit Mitteln des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie zu einer Zweckentfremdung von Steuergeldern gekommen ist".

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