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Schmolz wird neuer Chef bei Spiegel TV

Die Nachfolge des bei Spiegel TV aus Altersgründen scheidenden Geschäftsführers Fried von Bismarck ist geklärt. Wie MEEDIA aus verlagsnahen Kreisen erfuhr, wird Spiegel-Verlagsmanager Matthias Schmolz in das dreiköpfige Führungstrio einrücken. Der 47-Jährige ist seit 1994 beim Spiegel tätig. Seine Berufung ist für Verlagschef Ove Saffe aber auch eine Niederlage: Ihm gelang es nicht, einen hochkarätigen TV-Kenner für die kriselnde Fernsehtochter zu verpflichten.

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Verlagsintern gilt Schmolz, der sich an der Brandstwiete in vielen Funktionen verdient machte, als Organisationstalent und Strukturgeber. Der ehemalige Hochschuldozent für Verwaltungsrecht begann noch unter Rudolf Augstein als Redakteur in der Dokumentation und zeichnete ab Mitte der 90er Jahre für die Print-Extension Spiegel Special sowie das damals gerade aus der Taufe gehobene Online-Segment verantwortlich. 1997 wurde Schmolz Unternehmenssprecher, drei Jahre später auch Verlagskoordinator.

Im Januar 2003 wurde er neben Fried von Bismarck zum Verlagsleiter des Spiegel berufen. In dieser Funktion ist er auch Finanz- und Rechnungswesen, Personalabteilung und Rechtsabteilung. Seine derzeitige unternehmerische Großbaustelle ist der in diesem Jahr anstehende Umzug aller wesentlichen Verlagseinheiten in den Neubau in der Hafencity. Dort wird dann erstmals auch Spiegel TV mit seinen rund 250 Mitarbeitern mit der Printredaktion unter einem Dach residieren.

Trotz seiner umfassenden Erfahrung in der Spiegel-Gruppe wartet auf Schmolz bei der TV-Geschäftsführung keine leichte Aufgabe. Fried von Bismarck, der zum Monatsende mit Erreichen des 65. Lebensjahres geht und im Haus dem Vernehmen nach wenig Fürsprecher findet, war fast dreieinhalb Jahrzehnte beim Spiegel und bekleidete das Amt immerhin vier Jahre, ohne allerdings dauerhafte Erfolge vorweisen zu können. Neben von Bismarck gehören Cassian von Salomon und Dirk Pommer zur TV-Geschäftsführung.

Derzeit rumort es bei Spiegel TV wegen eines Ende 2010 angekündigten Stellenabbaus, um den es andauernde Auseinandersetzungen mit dem Betriebsrat gibt. So ist bislang noch kein Sozialplan vereinbart, Kündigungsschutzklagen freigesetzter Mitarbeiter stehen zur Verhandlung an. Zudem ist die Geschäftslage angespannt; bislang gelang es nicht, zahlreiche verlorene Fremdproduktionskontingente durch die Generierung von adäquatem Neugeschäft zu kompensieren.

Wie zu hören ist, hatte man beim Spiegel gehofft, über eine externe Neubesetzung zur Lösung der Probleme beizutragen. Doch offenbar gelang es nicht, namhafte Bewerber für die Herausforderung zu gewinnen. Der Verlag hatte sich bereits bei der Chefredakteurssuche eine PR-technisch wenig schmeichelhafte öffentliche Absage von ZDF-Anchorman Claus Kleber eingehandelt. Mit Schmolz übernimmt nun – bei allen bewiesenen Qualitäten – ein Manager ohne einschlägige Kenntnisse auf dem TV-Sektor. Von ihm soll, wie es heißt, vor allem eine ordnende Kraft ausgehen.

Nachtrag, 03. Mai, 14.45 Uhr: Der Spiegel-Verlag bestätigt in einer offiziellen Mitteilung die Übernahme des Geschäftsführerpostens von Spiegel TV durch Matthias Schmolz. Wörtlich heißt es:

"Spiegel-Verlagsleiter Matthias Schmolz, 47, übernimmt ab Juni 2011 zusätzlich die Aufgaben von Fried von Bismarck, 64, der Ende Mai 2011 in den Ruhestand wechseln wird. Schmolz wird Geschäftsführer der Spiegel TV GmbH sowie der Spiegelnet und der Spiegel Online GmbH. Außerdem übernimmt er die Verantwortung für die IT-Bereiche der Spiegel-Gruppe. Die Bereiche Personal, Recht und Allgemeine Verwaltung gibt Schmolz ab an einen neuen Verlagsleiter, dessen Name in Kürze bekanntgegeben wird."

Interessant: Damit kommt es nicht wie allgemein erwartet bei der Spiegelnet und Spiegel Online GmbH zu einer Übergabe der Verantwortung von Fried von Bismarck an Katharina Borchert. MEEDIA hat den diesbezüglichen Passus im Text gestrichen.

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