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Schweinsteiger nennt Journalist „Pisser“

Die Reaktion kam reichlich spät, dafür aber umso heftiger. Während einer PK des FC Bayern München beschimpfte Star-Kicker Bastian Schweinsteiger am Donnerstag einen Reporter der Sport Bild. Er bezeichnete den Journalisten als “Pisser” und “Arschloch”. Der Hintergrund der Wut-Attacke ist ein zwei Wochen alter Artikel, in dem die Führungsqualitäten des Nationalspielers angezweifelt wurden und der sich so liest, als ob Springers Sport-Magazin den WM-Star Schweini nicht mehr lieb hat.

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Zudem zeigt der Vorfall jedoch, dass Sport-Journalisten erst einmal zusammenhalten. Denn in der Bewertung des PK-Auftritts sind sich bislang so gut wie alle Sport-Berichterstatter einig: Schweinsteiger "rastete aus" (Bild.de),"Wutausbruch" (tz) oder "PK-Eklat" (Kicker.de) Mit der Rolle des Kollegen, der durch einen möglicherweise tendenziösen Artikel die Wut erst provozierte, beschäftigte sich noch niemand.

Doch der Reihe nach: Was war passiert? Bereits beim Betreten der Bayern-Pressekonferenz schimpfte der Mittelfeldspieler in Richtung des Sport Bild-Kollegen Christian Falk. "Was du schreibst, ist ein Witz", soll der National-Kicker laut Bild.de gesagt haben. "Normalerweise, wenn die Leute nicht hier wären, wenn wir unter vier Augen wären, würde ich dir nicht zuschauen. Dann würde es anders ausschauen. Das schwöre ich dir. Das wirst du schon sehen. Du musst ordentlich schreiben."

Die Sport Bild-Analyse "Chefchen Schweini"

Damit aber nicht genug, legte der Vizekapitän des FC Bayern weiter nach: "So wie du schreibst, hast du keine Ahnung. Du hast ja auch so viele Spiele bestritten. Du siehst nicht den richtigen Fußball. Glaubst du Louis van Gaal hat sich hier immer umsonst aufgeregt, wenn er ständig argumentieren musste?"

Dann bricht Schweinsteiger nach rund elf Minuten die Pressekonferenz ab und verlässt den Raum mit den Worten: "Ganz ehrlich, ich habe keine Lust mehr. Wegen so einem Pisser brauche ich mich nicht so zutexten lassen. Arschloch…" Wenig später kann Mediendirektor Markus Hörwick den Profi überreden, wieder zurück zu kommen.

Auslöser für den Ärger des Fußballers ist ein zwei Wochen alter Artikel der Sport Bild. Unter der Überschrift "Chefchen Schweini" schreibt Reporter Christian Falk "Mal Weltstar, mal Buhmann. Der Bayernprofi bricht unter dem Druck der Erwartungen stets ein. Am Ende stürzte van Gaal auch über ihn." Zumindest letzteres ist eine gewagte Interpretation, die die Sport Bild bislang exklusiv hat.

Bereits die Überschrift muss Schweinsteiger mächtig geärgert haben. "Erstens: Ich bin kein Chefchen! Zweitens: Ich bin lange genug dabei und jeder hört auf das, was ich sage in der Kabine!", sagte er auf der PK. "Es wird ganz anders dargestellt, als wie es ist, verstehst du? Ich tue alles für den Verein. Ich spiele mit Schmerzen und versuche jedes Mal ein gutes Spiel hinzubringen. Und im Endeffekt bin ich der Idiot, nur weil ich am längsten dabei bin!"

In dem Text wird dargestellt, dass Schweinsteiger, im Gegensatz zu Philipp Lahm, die Führungsqualitäten fehlen, dass er unter den Kollegen als "Ich AG" gelten würde und dass er sich stets sofort in sein Schickimicki-Privatleben zurückziehen würde, anstatt noch mit den Mitspielern zu reden.

Schon der Einstieg zeigt, in welche Richtung der Text läuft: "Seine großen Auftritte hat Schweinsteiger meist, wenn auf dem Rasen schon alles gelaufen ist." Die gesamte Analyse spielt geschickt mit Fakten, Anekdoten und Vorurteilen. So werden durchaus treffend die fußballerischen Probleme des Mittelfeldspielers dargestellt. Angereichert wird die Analyse aber mit Erzählungen aus dem Privatleben, die Zweifel am Charakter eines der "bestbezahltesten deutschen" Kicker entstehen lassen sollen.

So wird an einer Stelle beschrieben, dass Schweinsteiger einst aus der Stadt raus zog, weil es ihm auf den Straßen zu "eng" und "hektisch" gewesen war. "Ich bin kein Schickimicki-Typ", soll er damals gesagt haben. "Heute wohnt er mittendrin und beim Thema Schickimicki ist er sogar ganz weit vorn", schreibt Falk. Weiter heißt es: "Schweinsteiger und Model-Freundin Sarah werden als die Beckhams von München wahrgenommen."

Was Schweinsteiger an dem Text wohl am meisten wurmen dürfte, ist jedoch, dass ständig erwähnt wird, dass Lahm der bessere Profi und der bessere Kapitän sei.

Der gesamte Artikel überraschte wahrscheinlich die meisten Stamm-Leser des Springer-Magazins. So bloggt Sidan Aslan in seinem Sport Bild-Watch, dass in der Hamburger Redaktion gerade wohl ein großer Sinneswandel stattfindet. "Sport Bild macht Schluss mit Bastian Schweinsteiger. Sport Bild-Kenner wissen, wer die absoluten Lieblingsspieler der Sport Bild sind bzw. waren: Platz 1. Lahm. Klar. Auf den nächsten 238 Plätzen erstmal niemand, dann aber, immerhin: Schweinsteiger. Doch das ist Vergangenheit."

Der Liebesentzug der Sport Bild scheint Schweinsteiger so sehr zuzusetzen, dass er auf der Pressekonferenz die Fassung verliert. Eine schöne Geschichte für alle Medien. Schade nur, dass Bild.de in seiner großen Top-Story mit keinem Wort erwähnt, dass Schweinsteiger nicht irgendeinem Journalisten "drohte", sondern einem Kollegen aus der eigenen Schwester-Redaktion.

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