Germany’s next Erlösmodell

Die Ankündigung von ZDF-Intendant Markus Schächter, die kommerzielle Online-Videothek "Germany's Gold" mit Inhalten aus dem Fundus von ARD und ZDF zu starten, ist ein Schlag ins Gesicht privater Medienhäuser. Dass die gebührenfinanzierten Sender TV-Klassiker übers Web dem Publikum zugänglich machen wollen, ist im Prinzip eine gute Sache. Dass es ihnen dabei offenbar nur ums Geldverdienen geht, nicht. Ein MEEDIA-Kommentar

Anzeige

"Es geht um die Perspektive, großes Geld im Video-on-Demand-Bereich zu verdienen", sagte der ZDF-Intendant Markus Schächter der Financial Times Deutschland zu den Plänen von ARD und ZDF mit der Online-Videothek “Germanys Gold”. So wie sich die Pläne in dem FTD-Artikel lesen, geht es bei dem Projekt um Kommerz pur. Federführend sind die kommerziellen Sender-Tochterunternehmen wie ZDF Enterprises oder WDR Mediagroup. Eingebunden sind auch die Produktionsunternehmen der Sender und der Filmhändler Jan Mojto.

ARD und ZDF verfügen ohne Zweifel über einen gewaltigen Fundus an Programm-Schätzen aus ihrer 60-jährigen Geschichte. Diese dem Publikum als On-Demand-Inhalte im Web zur Verfügung zu stellen wäre eine tolle Sache. Dass die Nutzer dafür aber zahlen sollen, während ARD und ZDF die von Schächter genannte siebenstellige Summe aus Gebührengeldern in den Aufbau einer solchen Online-Videothek stecken, ist, gelinde gesagt, eine Frechheit – und kaum vorstellbar. Eine Uralt-Folge “Dalli Dalli” würde man sich vielleicht gerne mal ausschnittweise anschauen, aber wer würde im Ernst dafür zahlen?

Wahrscheinlicher wäre da schon eine Werbefinanzierung. Bewegtbild-Werbung mit kurzen Spots, die vor Video-Inhalten geschaltet werden, erleben derzeit eine Boom-Phase im Netz. Und hier würden die Öffentlichen ganz schön dreist im Revier der Privaten fischen.

Gerade erst sind ProSiebenSat.1 Media und die RTL Group vom Kartellamt mit ihren Plänen für eine Sender-übergreifende deutsche Web-Video-Plattform (ein deutsches “Hulu”) zurückgepfiffen worden. Jetzt preschen die Öffentlich-Rechtlichen vor. Laut FTD soll “Germanys Gold” auf für Privatsender offen stehen. Diese haben freilich viel weniger TV-Klassiker in ihren Archiven, als die beiden großen, alten Sender ARD und ZDF. Dass sich die Privatsender mit einem Platz am Katzentisch bei ARD und ZDF begnügen werden, darf bezweifelt werden. Es wird spannend sein, zu beobachten, wie sich die Wettbewerbshüter zu “Germanys Gold” stellen werden.

Selten hat der Senderchef eines öffentlichen Senders so unverblümt kommerzielle Interessen vertreten wie ZDF-Intendant Markus Schächter in diesem Fall. 2012 könnte das Angebot starten, “wenn alles gut läuft”, wird in dem Artikel jemand von der WDR Mediagroup. Der Name “Germanys Gold” bekommt dabei eine gewisse Doppeldeutigkeit. Einerseits für die versprochene goldglänzende Qualität, andererseits für die offenbar heiß ersehnten, goldigen Gewinne.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige