Familienfest: So schön kann Heiraten sein

Das ganze Land jubelt: Wir haben einen Tag frei! Was kann man da Schöneres machen als in einen Pub oder auf eine Fete zu gehen. Oh, und im Fernsehen lief 'ne große Hochzeit. Sah hübsch aus, unsere Kate. Warum ihre Schwester, Pippa Middelton, allerdings auch in weiß kam, wurde diskutiert. Auf die nervösen Blicke von David Cameron während des Gottesdienstes hätten wir alle verzichten können, lieber sehen wir uns die Beckhams an. Nichtsdestotrotz: Prost William und Kate – habt Ihr gut gemacht! Ein Gruß aus London.

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Das ganze Land jubelt: Wir haben einen Tag frei! Was kann man da Schöneres machen als in einen Pub oder auf eine Fete zu gehen. Oh, und im Fernsehen lief ’ne große Hochzeit. Sah hübsch aus. Prost William und Kate – habt Ihr gut gemacht! Ein Gruß aus London.

Eigentlich wollte ich auf den Trafalgar Square, um die Hochzeit zusammen mit zehntausend anderen Menschen auf den großen Bildschirmen anzuschauen. Aber die Polizei hatte nichts für Langschläfer übrig, und so wurde ich wie Hunderte von Touristen und amüsierten Einheimischen nicht auf den Platz vor der National Gallery gelassen. Damit blieb nichts anderes übrig, als durch die ruhigen (weil abgesperrten) Strassen Covent Gardens zu laufen und einen Pub zu finden, der die Hochzeit übertrug. Das Schicksal treibt einen einfach so oft in Bars.

Pub in London während der Trauung

Keiner der Pubs war voll, aber alle gut besucht. Alle Generationen waren vertreten, einige mit albernen Souvenir-Hüten, andere im Sonntagskleid. Kinder verwandelten die allgegenwärtige Kate-und-William-Flagge zum Supermann-Umhang. Gruppen von Leuten im Alter des Brautpaares tranken ein gepflegtes Weinchen auf die offensichtlich verliebten Turteltauben. Und während die beiden aus der Westminster Abbey traten, wurden der Familie neben mir Hamburger serviert. Nach monatelanger Debatte über die Zukunft der Royals, die Kosten der Hochzeit und Terrordrohungen war dies genauso wie Kate und William es sich erhofft hatten: ein Familienfest, an dem das ganze Land teilnimmt.

Die Kirchenzeremonie wurde mit lethargischer Stille verfolgt. Wunderhübsches Kleid, ein bisschen Grace Kelly. Warum die Schwester von Kate, Pippa Middleton, auch weiß (oder fast weiß) trug, wurde für etwa zehn Sekunden diskutiert. Auf die nervösen Blicke von David Cameron während des Gottesdienstes hätten wir alle verzichten können – zeigt uns lieber die Beckhams. Nur bei der Nationalhymne gab es Gelächter und Applaus. Bei den Worten ‚God save the Queen’ zeigte Sky die Queen und Prinz Phillip, und der ganze Pub legte ihm die Worte ‚God save me’ in den Mund. Ihm wäre es zuzutrauen. Ein weiterer Höhepunkt für uns war die Kinder-Kutsche von Prinz Harry mit den Brautjungfern auf der Fahrt zum Buckingham Palace. Hätte auch Harry im Disneyland mit den Gören sein können. Der kleine Prinz wird nun als der begehrteste Junggeselle im Land bezeichnet, und Ginger Prince macht sich tatsächlich immer besser. Ob er allerdings für die nächste Traumhochzeit sorgt? Wir gehen davon aus, dass Harry lieber in Las Vegas heiratet.

Ein Paar versuchte sich als William und Kate-Doppelgänger zu vermarkten

In der Menge außerhalb der Pubs herrschte entspannte Jahrmarktsstimmung. Einige Mädels waren als Braut verkleidet, und ein Paar versuchte sich optimistisch als Doppelgänger von William und Kate zu vermarkten, mitsamt Bilderrahmen. Die friedliche Masse an fahnenschwingenden Passanten musste ein paar Mal auf die Bürgersteige springen, um Mannschaftswagen der Polizei durchzulassen. Aber die gefürchteten großen Proteste oder Anschläge blieben aus. Die miesepetrige Anti-Monarchigruppe Republic hielt ein Straßenfest im angrenzenden Stadtteil Holborn, aber ich hatte dort mehr Journalisten als tatsächliche Besucher gesehen. Die als Queen verkleidete Dame mit Corgie wird vermutlich in den meisten Presseberichten auftreten, aber die Veranstaltung war herzlich klein. Die Fete von Republic fand übrigens direkt vor der Tür der renommierten auf Medienrecht spezialisierten Anwaltsfirma Mishcon de Reya statt, zu dessen berühmtesten Klienten Princess Diana zählte.

Die Medien stürzen sich auf eine Monarchie-Gegnerin

So ist das hier nun mal. Die Briten machen gern großes Theater – aber es endet meistens mit einem zivilisierten Pint im Pub. Im ganzen Land werden heute Straßenfeste gehalten, auch bei mir in der Nachbarschaft. Ich war heute morgen so spät dran, weil wir noch Limonade gemacht hatten, außerdem mussten Eis-Waffeln eingepackt, Tombola-Tickets an Preise geheftet und die Schleifen für die Royal Dog Show sortiert werden (Preise u.a. für das beste Hundekuchen-Fangen und den wackeligsten Schwanz). Oh, und die Lieferanten der Hüpfburg (Bouncy Castle) mussten auch versorgt werden. Diese kleine Fete, vom lokalen Abgeordneten gesponsert, hat die Nachbarschaft zusammengebracht wie selten zuvor. Wie gesagt, egal was die im Fernsehen zeigen oder in den Zeitungen schreiben: Heute ist Familienfest. Vielen Dank William and Kate für den freien Tag.

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