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Warum ich jetzt mein FAZ-Abo kündige

Endlich eine iPad App der FAZ! Das war der erste Gedanke, als die Frankfurter Allgemeine Zeitung ihren Weg auf Apples Tablet fand. Immerhin war die iPhone App der “klugen Köpfe” (Eigenwerbung) schon ganz gut gemacht. Dann die Enttäuschung: Nach einem verlängerten Wochenende mit der FAZ auf dem iPad halten sich Zorn und Frustration ungefähr die Waage. Die FAZ auf dem iPad ist ein abschreckendes Beispiel dafür, wie man es besser nicht machen sollte.

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Endlich eine iPad App der FAZ! Das war der erste Gedanke, als die Frankfurter Allgemeine Zeitung ihren Weg auf Apples Tablet fand. Immerhin war die iPhone App der “klugen Köpfe” (Eigenwerbung) schon ganz gut gemacht. Dann die Enttäuschung: Nach einem verlängerten Wochenende mit der FAZ auf dem iPad halten sich Zorn und Frustration ungefähr die Waage. Die FAZ auf dem iPad ist ein abschreckendes Beispiel dafür, wie man es besser nicht machen sollte.

Eigentlich war ich ein Fan der FAZ. Die Schrulligkeit mancher Artikel und Autoren, die Bedächtigkeit, der immer noch sehr gute (wenn auch nicht mehr ganz so spitzenmäßig hervorragende Technik & Motor Teil), das Freitag-Rätsel – ich hatte die FAZ lieb gewonnen. Trotz ihrer Probleme mit dem Abo-Vertrieb in ländliche Regionen. Aber nun diese App! Wo soll man anfangen mit der Kritik? Es ist so vieles, was an der iPad App der FAZ schlicht und ergreifend haarsträubend fehlkonstruiert ist. Das beginnt mit dem Preis. Als Abonnent der nicht eben billigen Print-Ausgabe mutet es wie Vera….lberung an, dass man für die iPad-Ausgabe 6,90 Euro zusätzlich zahlen soll. Das ist genauso viel, wie die Frankfurter den Print-Abonnenten für die Nutzung des E-Papers im Internet abknöpfen – und das ist auch schon eine Unverschämtheit.

Hey, ihr da bei der FAZ: Wäre es nicht eine ganz gute Idee, den Print-Abonnenten den E-Paper und iPad-Zugang ohne Zusatzkosten zu gewähren, wenn ihr es schon nicht hinbekommt, dass die Zeitung zuverlässig deutschlandweit mit der Schneckenpost zugestellt wird? Ist nur mal so eine Idee…

Im Prinzip ist die FAZ iPad-App nichts anderes als das E-Paper. Die Zeitung wird eins zu eins aufs iPad gezogen und mit einigen Navigation-Gimmicks angereichert. Aus Faulheit, Unvermögen oder einer unguten Mischung aus beidem darf man auf dem iPad sogar die Hinweise lesen, dass ein Artikel auf Seite sowieso fortgesetzt wird. Dann darf man, very old school, “blättern”. Ja, richtig gelesen: “blättern”. Sogar wenn man den so genannten “Textmodus” öffnet und sich gar nicht im Layout-Modus der Zeitung befindet, hören die Artikel genau da auf, wo sie auch auf Papier aufhören und man bekommt den, natürlich nicht verlinkten, Hinweis auf Seite vier zu “blättern”. Was, um Himmelswillen, haben sich die “klugen Köpfe” dabei nur gedacht? Nicht allzu viel, vermutlich.

Anderes Beispiel, gleiches Problem: Das tolle FAZ-Kreuzworträtsel ist in der iPad-Ausgabe unbenutzbar. Man kann, natürlich, das Rätsel nicht mit dem iPad lösen. Konsequenterweise fehlt der FAZ-iPad-Ausgabe auch eine Funktion zum “Ausdrucken” der entsprechenden Seite. Vielleicht soll man sich das Kreuzworträtsel abmalen? Man weiß es nicht. Aber, hey FAZ, es ist ja nicht, dass es technische Möglichkeiten für digitale Kreuzworträtsel wie Sand am Meer gäbe – so eine technische Science Fiction wie ein Kreuzworträtsel, das kommt dann vielleicht in so etwa zehn Jahren?

“Großzügig” erlaubt es die iPad-App der FAZ 20 Ausgaben zu archivieren. Das ist aber nun wirklich toll! (Ironie) Man hat doch dafür bezahlt, Menschenskinder! Warum darf man nicht so viele FAZ-Ausgaben speichern, wie man möchte, bzw. das iPad speichern kann? Zuhause kommt ja auch kein FAZ-Mann nach 20 Tagen vorbeigetuckert und verlangt die Herausgabe meiner alten Papier-FAZ, damit er sie schreddern kann. Ich bezahle also für das digitale FAZ-Produkt und nach 20 Tagen nimmt es mir die böse FAZ wieder weg. Kunden-Dienst im Rambo-Stil.

Ganz generell gibt es derzeit ja zwei Philosophien auf dem iPad. Man kann entweder eine mehr oder weniger eigenständige Digitalausgabe der Zeitung extra produzieren. Das ist der Weg, den beispielsweise die leider sieche Frankfurter Rundschau vorbildlich eingeschlagen hat. Oder man kann schauen, dass man die Inhalte des Print-Produkts möglichst lesefreundlich und ohne Schnörkel aufs iPad bekommt. Das macht zum Beispiel der britische Economist hervorragend. Wer das Print-Abo-des Economist hat, bekommt vollen digitalen Zugang zu allen Inhalten – ohne lästige Zusatz-Abzocke. Die FAZ zeigt uns hier einen dritten Weg: Man nimmt Inhalte, die eh schon da sind, hievt sie inklusive technischer Unzulänglichkeiten (lange Ladezeiten, dauernde Abstürze) auf iPad, versieht das Ganze mit einem Verfallsdatum, verlangt zusätzlich Geld dafür und guckt mal, was passiert. Ich kann Euch sagen, was nun bei mir zu Hause passiert: Diese eigenartige Melange aus Geldgier, Faulheit und Frechheit, liebe FAZ’ler, sorgt dafür, dass ich heute noch mein Print-Abo kündigen werde. Wie bitte? Ist Euch egal? Na dann, ist ja gut.

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Alle Kommentare

  1. Und leider hat sich daran vier Jahre später auch für Android nichts geändert. Für das Smartphone gibt es nicht einmal eine anständig angepasste Version, und anscheinend stößt man auf taube Ohren, oder besser gesagt Augen, wenn man eine Mail mit Verbesserungsvorschlägen an den “Service“ schreibt. Sehr schade…

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