Die multimediale Traumhochzeit

Die Hochzeit von William und Kate beherrscht die Medien. Weltweit werden bis zu 2,5 Mrd. TV-Zuschauer erwartet, sechs deutsche Sender übertragen live, teilweise zwölf Stunden lang, Zeitschriften bereiten Sonderhefte vor, die Landesanstalt für Medien NRW lädt zum Schnittchenessen auf Gebührenkosten und auch das britische Königshaus mischt mit. MEEDIA dokumentiert einige Auswüchse der Medien-Kirmes rund um die Hochzeit des Jahres.

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Am gewaltigsten ist der Aufwand, der von den TV-Sendern betrieben wird. ARD und ZDF berichten beide live. Damit wird die Zurückhaltung bei Adels-Hochzeiten, die man sich in den öffentlich-rechtlichen Anstalten eigentlich auferlegt hatte fallen gelassen. Laut ZDF-Chefredakteur ist die Hochzeit von William und Kate ein Ereignis von “überragendem, ja globalen Interesse”, bei dem man einfach dabei sein müsse.

Man darf es ARD und ZDF ja noch nicht einmal übelnehmen. Gerade ihr Stammpublikum an älteren, weiblichen Zuschauern dürfte sich am Freitag kollektiv vor der Glotze versammeln. Das ZDF bietet dafür Andrea Kiewel, Karen Webb und den früheren “ZDF Reporter” Norbert Lehmann auf. Das bessere Personal-Tableau hat da die ARD im Angebot. Rolf-Seelmann-Eggebert ist als Urgestein der Adelsreporter-Szene schwer zu toppen. Außerdem im Einsatz fürs Erste ist Mareille Höppner in einem gläsernen Studio am Buckingham Palace und Barbara Schöneberger als so genannte “rasende Reporterin”. RTL schickt ebenfalls bewährtes Personal in den Ring: Frauke Ludowig und Katja Burkhard werden unterstützt von Eduard Prinz von Anhalt. Als Barbara-Schöneberger-Pendant spielt bei den Kölner der ehemalige “Dschungelkönig” Ross Anthony den Reporter. Ebenfalls im Geschirr für RTL: Bruce Darnell als Stil-Kommentator – fehlt eigentlich nur noch Dieter Bohlen und/oder Inka Bause.

Bei Sat.1 kann man da mit Ulla Kock am Brink, Sibylle Weischenberg und Dieter Kronzucker schwer mithalten und versucht, mit schierer Masse zu punkten. Sat.1 startet die Berichterstattung zur Hochzeit tatsächlich schon um 5.30 Uhr und zieht sie zwölf Stunden lang durch. Nicht mit von der Partie sind übrigens die Bezahlsender BSkyB und Sky Deutschland. Die Pay-Kanäle wollten in 3D filmen aber dem Königshaus war das nicht Recht.

Ein Grund, warum die TV-Sender so viel Platz freiräumen für die Hochzeit ist, dass es die Übertragung selbst zum Nulltarif gibt. Alle Sender übernehmen das so genannte “Weltsignal” der BBC für das keine Lizenzkosten anfallen. Bei so einem aufmerksamkeitsstarken Gratisprogramm wird eben gesendet auf Teufel komm raus.

Dafür, dass man doch noch einen Grund findet, sich über Gebührenverschwendung aufzuregen, sorgt die Landesanstalt für Medien in Nordrhein-Westfalen. Die lädt zum diplomatic Viewing in den Medienhafen Düsseldorf, um die “Medienkompetenz von Diplomaten” zu fördern. 25.000 Euro kostet die Sause mit Cream Tea in “angemessenem Ambiente”, wovon 11.500 Euro aus dem Gebührensäckel kommen.

Bei den Printmedien warten u.a. Bauers Yellow Neue Post und die Bild mit einem Sonderheft auf. Dazu gibt es unzählige Sonderseiten und Extras vor allem in der People- und Yellow-Presse. Bei Bauer versucht man gar, einen Eintrag ins Guinness Buch der Rekorde zu bekommen, indem Leser eine Million Glückwunschkarten an das britische Thronfolgerpaar schicken.

Virtuell gratulieren kann man dagegen mit Bertelsmann. Die Arvato-Tochter Medienfabrik hat mit Weddingbook 2011 eine Facebook-App online gestellt., bei der man über das weltgrößte Soziale Netzwerk gratulieren soll. Die Glückwünsche werden anschließend gedruckt und dem Brautpaar auch ganz unvirtuell zugeschickt. Gratulieren können online-affine Royalisten aber auch auf der offiziellen Facebook-Seite der britischen Monarchie, die , ganz modern, sogar einen eigenen Flickr- und Twitter-Account für die Hochzeit betreibt. Inoffizielle Hochzeits-Bilder aus dem gemeinem Volk gibt es bei Flickr aber auch, und zwar unter dem Titel “The People’s Royal Wedding Album”.

Nach der Hochzeit ist übrigens auch diesmal wieder vor der Hochzeit. Schon am 2. Juli heiratet Fürst Albert von Monaco die ehemalige Olympia-Schwimmerin Charlene Wittstock. Dann ist von den öffentlich-rechtlichen wieder nur das ZDF live am Ball. Für royale “Weltereignisse” sind eben immer noch ausschließlich die Briten zuständig.

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