P7S1: Der erste Medienkonzern im Dax?

Es wäre die Krönung eines großen Comebacks: Der Aufstieg des Münchner Senderkonglomerats ProSiebenSat.1 in den deutschen Elite-Index Dax: Dieses Szenario hält Reuters für durchaus möglich – nämlich, wenn sich die Private-Equity-Investoren KKR und Permira mehrheitsmäßig von ihren Anteilen trennen. Demgegenüber steht jedoch die Überlegung, die immer noch happigen Schulden durch Verkäufe zu drücken, die dann wohl das Ende der Dax-Fantasie zufolge hätten. Bei genauer Betrachtung scheint die ohnehin wenig wahrscheinlich.

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Es wäre die Krönung eines großen Comebacks: Der Aufstieg des Münchner Senderkonglomerats ProSiebenSat.1 in den deutschen Elite-Index Dax: Dieses Szenario hält Reuters für durchaus möglich – nämlich, wenn sich die Private Equity-Investoren KKR und Permira mehrheitsmäßig von ihren Anteilen trennen. Demgegenüber steht jedoch die Überlegung, die immer noch happigen Schulden durch Verkäufe zu drücken, die dann wohl das Ende der Dax-Fantasie zufolge hätten. Bei genauer Betrachtung scheint die ohnehin wenig wahrscheinlich. 

Ist es wirklich so einfach? "Dax-Einstieg oder Schulden-Ausstieg – ProSieben-Chef Thomas Ebeling hat derzeit die Qual der Wahl", mutmaßte Reuters-Journalist Peter Maushagen am Sonntag. Die Auswahl scheint ziemlich komfortabel: Wer wäre nicht gerne schuldenfrei – oder in Deutschlands Champions League der Börse vertreten, in der nur 30 Unternehmen Platz haben?

Könnte ProSiebenSat.1, jene Münchner Senderfamilie, die vor zwei Jahren noch als Pleitekandidat gehandelt wurde, als erstes deutsches Medienunternehmen tatsächlich vor dem großen Sprung stehen? Die Hoffnung kursiert zumindest angesichts der absehbaren Platzierung der Unternehmensanteile der Mehrheitseigner KKR und Permira, die nach dem rasanten Höhenflug der vergangenen 24 Monate zumindest zum Teil Kasse machen und Aktien am Markt platzieren könnten.

Drahtseilakt: Aktienplatzierung oder Teil-Verkauf?

Entsprechend würde sich der Streubesitz erhöhen – und damit die Attraktivität des Unternehmens, das ein Stück Handlungsfreiheit gewinnen würde. Doch angesichts der immer noch immensen Schuldenlast von drei  Milliarden Euro bleibt die Frage: Reicht das Vertrauen der Investoren aus, auf die Nachhaltigkeit des steilen Kursanstiegs zu spekulieren? Vor zwei Jahren war das Papier wohlgemerkt für unter einen Euro zu haben, im Februar wurden Kurse um die 25 Euro bezahlt. Zuletzt waren es noch knapp 19 Euro – Tendenz: zuletzt stärker fallend als der Markt.

Eine vertrauensvolle Maßnahme wäre also die angestrebte Schuldentilgung, für die das Umfeld immer günstig erscheint. Doch wie viel wird dabei tatsächlich veräußert? Immer wieder genannt wird die Senderkette SBS, die in Skandinavien und in den Benelux-Staaten präsent ist. Mit einem Verkauf dürften mehr als zwei Milliarden Euro in die klammen Kassen gespült werden – und die Fantasie eines europäischen TV-Champions und mit ihm der mögliche Dax-Aufstieg wohl ebenfalls weggespült werden. "Es ist fraglich, ob man alle Sender verkaufen will, da dann die ganze Börsenstory nicht mehr funktioniert", wird ein Insider bei Reuters zitiert.

Greift sich Sanoma das Benelux-Portfolio?

Bliebe ein Teilverkauf, über den auch die Nachrichtenagentur  spekuliert: "Das wahrscheinlichste Szenario ist derzeit der Verkauf eines der Assets, dabei könnten bis zu 1,3 Milliarden Euro rumkommen", erklärt ein mit dem Vorgang vertrauter Insider. Genannt wurden gestern die Benelux-Sender im TV-Portfolio von ProSiebenSat.1. Der finnische Medienkonzern Sanoma und TV-Milliardär John de Mol dürften dafür wohl in Frage kommen, während sich der US-PayTV-Anbieter Discovery Communication "Discovery Channel" für das Skandinavien-Geschäft interessieren könnte.

Wie auch immer ein Teil-Verkauf in den kommenden Monaten aussehen könnte – die Dax-Fantasien dürften eher nicht beflügelt werden, zumal der Medienkonzern dann an Unternehmenswert verliert, was zuletzt ohnehin schon durch den Kurseinbruch an den Aktienmärkten der Fall  war. 

Jede Menge Dax-Konkurrenz

Bei knapp 19 Euro ist ProSiebenSat.1, das an der deutschen Börse gleichermaßen als Stamm- und Namensaktien gehandelt wird, aktuell noch vier Milliarden Euro wert – es waren im Februar aber auch schon mal fünf. Bei aller Fantasie und der Unterstellung einer goldenen Werbekonjunktur im zweiten Halbjahr – mit GEA, Fraport und den ehemaligen Dax-Mitgliedern Lanxess und Hannover Rück hat ProSiebenSat.1 noch höher bewertete Konkurrenten im Vier-Milliarden-Euro-Bereich vor sich. 

Und selbst wenn EADS als Mischkonzern und Conti und Hochtief als Übernahme-Kandidaten für den Dax ausscheiden – der Chemie-Champion Wacker ist gegenwärtig mit acht Milliarden Euro immer noch doppelt so wertvoll wie ProSiebenSat.1. Aber man wird schließlich ja mal träumen dürfen in der Traumfabrik in Unterföhring – es hat vor zwei Jahren unter viel schlechteren Vorzeichen auch geholfen. 

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