Stinkefinger: Griechen laden Markwort vor

Es klingt wie ein verspäteter Aprilscherz: Sechs Griechen haben Focus-Herausgeber Helmut Markwort sowie neun Focus-Autoren wegen Beleidigung angezeigt. Und ein Gericht in Athen hat tatsächlich ein Schreiben in der Sache an den Burda-Verlag geschickt. Grund des Zorns ist eine Focus-Titelgeschichte vom Februar 2010 zur Finanzkrise in Griechenland. Auf dem Cover war die griechische Liebesgöttin Aphrodite abgebildet, die den Stinkefinger zeigt.

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Die Griechen, die gegen die Focus-Geschichte klagen, sehen laut Berichten in Handelsblatt und Tagesspiegel in dem Text “unwahre und beleidigende Behauptungen”. In der Titelstory haben die Focus-Autoren den Ruin des griechischen Staates in sehr deutlichen Worten nachgezeichnet. Ein Focus-Online-Autor wurde zudem verklagt, weil er in einem anderen Text die Griechen als “sympathisches Völkchen” bezeichnet hatte. Die Verkleinerungsform “Völkchen” sei ehrverletzend”, so argumentieren die Kläger. Bei Burda sieht man die Angelegenheit “sehr gelassen”. Markwort selbst habe die schriftliche Vorladung selbst noch gar nicht gesehen, sagte ein Sprecher auf MEEDIA-Anfrage. Dem Tagesspiegel sagte Markwort, er wolle den Fall erst dann juristisch prüfen lassen, wenn er die offizielle Ladung und Anklage auch erhalten habe. Bei Burda heißt die Devise: abwarten.

Ohnehin wirkt die Geschichte ein wenig hochgejazzt. Die ursprünglichen Artikel dazu erschienen zeitgleich im Handelsblatt und im Tagesspiegel. Beide Zeitungen gehören zum Holtzbrinck Verlag. Angeblich stammt der ursprüngliche Hinweis auf die Klage von einem Korrespondenten der Holtzbrinck-Zeitungen in Griechenland. Beide Artikel in Handelsblatt und Tagesspiegel sind, obwohl von unterschiedlichen Autoren gezeichnet, in Aufbau und Wortwahl extrem ähnlich. Das lässt darauf schließen, dass sie auf dem gleichen Ursprungs-Material aufbauen.

In den Artikeln ist die Rede davon, dass die griechische Staatsanwaltschaft gegen Markwort und seine Mannen nun wegen Verleumdung, übler Nachrede und Verunglimpfung der Symbole des griechischen Staates ermitteln würde. Darauf stünden Freiheitsstrafen von bis zu zwei Jahren, heißt es unheilschwanger in den Texten. Dass Helmut Markwort und eine Handvoll Focus-Autoren bald in griechischen Gefängnissen schmoren, erscheint aber doch eher unwahrscheinlich. Der Begriff der Pressefreiheit dürfte auch in Griechenland nicht ganz unbekannt sein.

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