Deutscher Radiopreis soll ’schlanker‘ werden

Heute fällt der Startschuss für die Bewerbungen zum zweiten Deutschen Radiopreis. Aus diesem Anlass sprach MEEDIA mit dem NDR-Programmdirektor Hörfunk, Joachim Knuth. Dieser zeigt sich nach der massiven Kritik an der intransparenten ersten Verleihung kompromissbereit: "Wenn Transparenz bedeutet, dass bei der Gala auch die in den einzelnen Kategorien Nominierten genannt werden sollten - darüber denken wir nach." Zudem, sagt er, soll die Veranstaltung "etwas schlanker" werden.

Anzeige

Herr Knuth, wenn öffentlich-rechtliche und private Sender zusammenarbeiten, wie kann das Radio profitieren?
Das Radio profitiert, weil gemeinsame Initiativen wie der Deutsche Radiopreis Aufmerksamkeit für das Medium Hörfunk, seine große Bedeutung im Alltag der Menschen, für seine Unterhaltungskraft und seine publizistische Leistungsfähigkeit schaffen.
Wie hat sich das Verhältnis nach der ersten Veranstaltung in 2010 zwischen Öffentlich-Rechtlichen und Privaten durch diese Zusammenarbeit verändert?
Nach meinem Eindruck ist das Verständnis dafür gewachsen, dass Öffentlich-rechtliche und Private beim Marketing für die Gattung Radio gemeinsam mehr erreichen können als allein. Es gibt ein größeres Bewusstsein dafür, dass wir bei wichtigen strategischen Zukunftsfragen in einem Boot sitzen. An anderer Stelle hat sich nichts verändert – und das ist auch in Ordnung: Öffentlich-rechtliche Sender bieten zum Beispiel mit Kultur- und Informationsprogrammen, mit einem weltweiten Korrespondentennetz, mit Hörspielen und Features oder auch mit ihren Orchestern Inhalte an, die die Privaten nicht anbieten können und auch nicht müssen. Wir unterscheiden uns. Das wird so bleiben.
Hat Radio so eine Veranstaltung nötig?
Bescheidenheit tut Medienmachern ganz gut – aber man kann es mit der Bescheidenheit auch übertreiben. Das Radio hat sein Licht in den vergangenen Jahren zu oft unter den Scheffel gestellt. Der Radiopreis holt es hervor.
Wird der Radiopreis dieses Jahr live im Fernsehen übertragen oder wieder gegen 24 Uhr im NDR?
Deutlich früher: Das NDR Fernsehen überträgt am 8. September bereits ab 22.00 Uhr – und diesmal wollen auch SWR und MDR die Gala im Fernsehen zeigen. Über beides freuen wir uns sehr.
Im vergangenen Jahr war der Deutsche Radiopreis massiver Kritik aus der Branche ausgesetzt, unter anderem weil mehr TV-Persönlichkeiten als Radio-Macher als Laudatoren auftraten. Was unternehmen Sie, um das dieses Mal zu verhindern?
Ich werde mich auch dieses Mal nicht in den Weg werfen, wenn beispielsweise Hans-Dietrich Genscher, Wladimir Klitschko oder Phil Collins erzählen, wie wichtig ihnen das Radio ist. Da muss ich Sie also enttäuschen. Was das Feedback angeht, war unser Eindruck im Beirat – in dem ja die ganze Branche versammelt ist – übrigens ein anderer: Die Branche war zu Recht stolz darauf, dass sich so viele Prominente für das Radio stark gemacht und dem Publikum dabei eine spannende Show geboten haben. Aber: Kritik ist wichtig – gerade nach einer Premiere. Wir arbeiteten nicht professionell, wenn wir gute Vorschläge nicht aufgriffen.
Beim ersten Deutschen Radiopreis war die Wahl der Preisträger äußerst undurchsichtig. Wie wollen Sie in der Neuauflage für mehr Transparenz sorgen?
Äußerst undurchsichtig? Sie machen mich ratlos. Uns war und ist sehr daran gelegen, die Auswahl der Preisträger einer gänzlich unabhängigen und zugleich fachlich kompetenten Jury zu übertragen. Die Jury-Arbeit liegt daher in den Händen des renommierten Grimme-Instituts. Wer dort Unabhängigkeit bestellt, bekommt sie – das mag dazu führen, dass dem einen oder anderen Entscheidungen der Jury nicht gefallen. Wenn Transparenz bedeutet, dass bei der Gala auch die in den einzelnen Kategorien Nominierten genannt werden sollten – darüber denken wir nach.
Die Dankesreden der Preisträger hatten in der Regel die doppelte Länge dessen, was bei den meisten ausstrahlenden Sendern als Maximum für Wortbeiträge erlaubt ist. Gibt es in diesem Jahr strengere Regeln?
Zum Glück stehen wir ja mit dem Schicksal, dass Dankesworte den Zeitrahmen von Preisverleihungen sprengen, nicht allein da. Aber, um Ihre Frage zu beantworten: Ja. Wir arbeiten daran. Das sollte in diesem Jahr etwas schlanker werden.
Preisverleihungen haben fast immer das Problem, dass sie für den Zuschauer langweilig sind. Dass Spannung aufkommen könnte, wurde schon dadurch verhindert, dass es keine Nominierten gab, sondern jeweils nur der Preisträger bekannt gegeben wurde. Wie verändert sich das Konzept in diesem Jahr?
Wir wollen das Medium Radio, die Faszination des Hörens, noch mehr in den Vordergrund stellen. Das ist bei einer Show, die auch im Fernsehen und online funktionieren muss, eine spannende Herausforderung. Was die Frage angeht, ob in der Gala auch die Nominierten genannt werden: Wie gesagt – ich halte das für gut denkbar.
Wie soll das funktionieren, das Medium Radio mehr in den Vordergrund zu stellen?
Es wird in der Gala Momente geben, die ganz von einem intensiven Hörerlebnis leben. Mehr möchte ich jetzt noch nicht verraten. Aber ich bin zuversichtlich: Das wird auch im Fernsehen und online funktionieren.
Bekommt wieder jemand einen Sonderpreis, der anwesend ist, um seine neue Single zu präsentieren?
Sie meinen, ob ein Ausnahme-Künstler wie Phil Collins, der die Musikprogramme vieler Wellen über Jahrzehnte geprägt hat, einen Sonderpreis bekommt und ihn dann auch persönlich abholt? Das will ich nicht ausschließen.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige