re:publica 11: Was kommt nach dem Hype?

Alle Jahre wieder rollen die Bloggerbusse und -bahnen durch die Republik nach Berlin. Keine Frage: Die deutschsprachige Social-Media-Szene gibt zur re:publica wieder einmal ihr Stelldichein im Friedrichstadtpalast und der Kalkscheune. 3000 Teilnehmer werden in diesem Jahr erwartet, 169 Vorträge wird es in den nächsten Tagen geben – der Informations-Overkill scheint programmiert. Doch darum geht es eigentlich nur am Rande: Die re:publica ist vor allem die eine große Party der Internet-Gemeinde mit dem Charme des Speed-Datings.

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Alle Jahre wieder rollen die Bloggerbusse und -bahnen durch die Republik nach Berlin. Keine Frage: Die deutschsprachige Social-Media-Szene gibt zur re:publica wieder einmal ihr Stelldichein im  FriedrichStadt-Palast und der Kalkscheune. 3000 Teilnehmer werden in diesem Jahr erwartet, 169 Vorträge wird es in den nächsten Tagen geben – der Informations-Overkill scheint programmiert. Doch darum geht es eigentlich nur am Rande: Die re:publica ist vor allem die eine große Party der Internet-Gemeinde mit dem Charme des Speed-Datings.

Aus dem Schwabenland kommen sie, aus München, aus Wien sogar – die sogenannte deutschsprachige Internet-Szene strömt ab heute wieder in die Hauptstadt, in der bereits zum fünften Mal die Internet-Konferenz re:publica stattfindet. Einst als familiäres Bloggertreffen mit ein paar Hundert Teilnehmern gestartet, ist die von Markus Beckedahl (netzpolitik.org) und Johnny Häusler ("Spreeblick")  organisierte Internet-Konferenz längst der Pflichttermin der deutschen Social-Media-Szene, was nicht zuletzt daran liegt, dass nicht führende Dot.com-Unternehmen oder Technologiekonzerne im Zentrum der Veranstaltung stehen, sondern der Blogger und Social-Media-Akteur selbst.

Im fünften Jahr des Bestehens darf sich die re:publica durchaus zu Recht rühmen, so etwas wie ein Spiegel und Forum der digitalen Gesellschaft zu sein –  Markus Beckedahl und Johnny Häusler ist auf sympathisch unangestrengte Weise viel gelungen in den vergangenen Jahren. Wer an das Schlussintervall des vergangenen Jahres denkt, als Häusler nach einem verpassten Skype-Chat mit Twitter-Gründer Biz Stone "Bohemian Rhapsody" intonierte, versteht, warum die Blogger-Scharen nach Berlin pilgern. Die sozialen Medien, in denen sich kommunikationsstark im virtuellen Off via Twitter, Facebook oder dem klassischen WordPress-Blog selbst dargestellt wird, haben auf der re:publica im FriedrichStadt-Palast und der Kalkscheune so etwas wie ihren sozialen Raum in der realen Welt gefunden.

2011 – ein Internet-Jahr ohne große neue Trends?

Mehr als 270 Sprecher werden in den kommenden drei Tagen auf acht Bühnen in 169 einzelnen Vorträgen, Diskussionsrunden und Spaßveranstaltungen unterschiedliche Fragestellungen der digitalen Gesellschaft diskutieren. 
Tatsächlich gibt es ja jede Menge zu besprechen – es ist ja viel passiert in den vergangenen zwölf Monaten: der Aufstieg von Wikileaks, der Einfluss sozialer Medien auf die Revolutionen in Nordafrika und dem arabischen Raum oder Newcomer-Projekte wie diaspora und flattr sind nur ein paar Stichworte des vergangenen Online-Jahres.  

Nur die ganz großen neuen Internet-Trends wird es eher nicht zu besichtigen geben. Die viel zitierte "iPhone-Dichte" 
ist längst Alltagsphänomen, in diesem Jahr ergänzt um das iPad, das vor einem Jahr gerade zwei Wochen in den USA zu haben war. Auf dieser re:publica dürfte das iPad das zweitmeistgesehene Gadget sein. Entsprechend wird auch kräftig über das neue Apple-Gadget diskutiert (etwa: iPad eine Gated Community?)

Soziale Medien: Angekommen im Mainstream – und jetzt?

Und sonst? Facebook, Twitter und selbst Foursquare sind für Teilnehmer einer Internet-Konferenz so selbstverständlich wie für Gourmets die Speisekarten-Aufteilung zwischen Fisch, vegetarischen Reisgerichten und deftigen Spätzle – es ist für jedermann etwas dabei.

Tatsächlich haben die sozialen Medien ihren avantgardistischen Charme inzwischen eingebüßt, sind längst so fester Bestandteil des Mainstreams geworden wie Lady Gaga, Rihanna oder, als bemühter Gegenentwurf, Adele. Jeder macht mit, der eine mehr auf Facebook, der andere auf Twitter – und selbst Checkins auf Foursquare sind für viele "so 2010".
Gerade das aber dürfte das eigentlich Reizvolle an der diesjährigen re:publica sein, die mit ihren Teilnehmern in die Jahre kommt: Was kommt eigentlich nach dem Hype, was nach der Klassenfahrt der Blogger – ist das Internet-Erwachsenenleben genauso spannend und faszinierend? Heute ab 10 Uhr werden die 3000 Teilnehmer auf der fünften re:publica, die passenderweise diesmal ohne Leitmotto daherkommt, darauf eine Antwort finden. 

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