Mogelte sich auch Koch-Mehrin zum Doktor?

Die Nächsten bitte: Gerade erst hatten engagierte Web-Spürnasen so viele Plagiatsfälle in der Doktorarbeit von Karl-Theodor zu Guttenberg gesammelt, dass er seinen Job als Verteidigungsminister aufgeben musste. Jetzt nimmt sich eine weitere Gruppe von Netz-Aktivisten die Dissertationen unter anderem von der Stoiber-Tochter Veronica Saß und von Silvana Koch-Mehrin vor. In beiden Fällen entdeckten die Spürnasen viele Plagiate. So soll die FDP-Politikerin an mindestens 24 Stellen abgeschrieben haben.

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Ähnlich wie in der Affäre um Karl-Theodor zu Guttenberg sammeln die Plagiatsjäger auf einer zentralen Internetplattform alle Stellen, die Koch-Mehrin kopiert haben soll. Im "Vroni Plag Wiki" sind mittlerweile 24 Seiten aufgelistet. Das sind zwölf Prozent des Gesamtumfangs der 227 Seiten umfassenden Arbeit. Daraus geht auch hervor, wie umfangreich die Plagiate sind. Zum Teil handelt es sich nur um einzelne Sätze. Problematisch wird es, wenn ganze Abschnitte oder lange Textpassagen kopiert wurden, ohne eine Quelle anzugeben.
Der Name der Seite leitet sich von der Juristin Veronica Saß her, der Tochter des früheren bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber. Auch sie soll in ihrer Doktorarbeit etliche Passagen abgeschrieben haben. Als Dritten stellt das Wiki den CDU-Abgeordneten Matthias Pröfrock an den Pranger. Seine Dissertationsschrift soll auf 57 von 222 Seiten Plagiate enthalten.
Koch-Mehrin studierte Volkswirtschaftslehre und Geschichte in Hamburg, Straßburg und Heidelberg. 1998 wurde sie in Heidelberg mit der Dissertation "Historische Währungsunion zwischen Wirtschaft und Politik: die Lateinische Münzunion 1865 – 1927" promoviert. Ihr Doktorvater war Volker Sellin. Seit 2001 ist ihre Arbeit öffentlich zugänglich und wurde mit "cum laude", also einer guten Leistung, bewertet, berichtet Spiegel Online. Guttenbergs Dissertation erhielt die Bestnote "summa cum laude".
Für die FDP kommen die Vorwürfe gegen Koch-Mehrin, die 2004 als "das schöne Gesicht der FDP" im Europawahlkampf angepriesen wurde, zu einer ungünstigen Zeit. Die Partei steckt in einer Umfragekrise, fiel in der Landtagswahl in Baden-Württemberg von 10,7 auf 5,3 Prozent und flog in Rheinland-Pfalz sogar aus dem Landtag, weil sie die Fünf-Prozent-Hürde nicht erreichte.

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