Bild lässt Bürgerreporter auf Leipzig los

Nach den Bürgerreportern beim Hamburger Abendblatt greift nun auch die Bild in den hyperlokalen Journalismus ein: In Leipzig hat die Boulevard-Zeitung ihr erstes Portal für "Web-Reporter" gestartet. Die rund 20 Hobby-Schreiber sollen aus ihren Stadtteilen Berichte liefern und Fotos hochladen. Alle Einsendungen werden von der Redaktion geprüft, verspricht Springer. Dabei kann jeder via Computer oder Handy Nachrichten abschicken, der ein Profil auf leipzig.bild.de anlegt.

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Die Leipzig-Seite ist ähnlich gestaltet wie das Bild-Hauptportal. Zusätzlich zu den Bürgerbeiträgen stellt das Boulevard-Blatt News aus Politik, Wirtschaft, Sport und Kultur bereit. Ein Service-Teil informiert zudem über die größten Veranstaltungen des Tages, über Konzerte und Partys. Dazu gibt es Foto-Galerien, Videos und Gewinnspiele. In der Rubrik "Leipzig stimmt ab" können Besucher der Webseite an einer Umfrage teilnehmen.
Auf einer interaktiven Karte finden Leipziger die Nachrichten aus ihrer Stadt, unterteilt in zehn Stadtteile. Die fünf aktuellsten sind farblich hervorgehoben. Neben den Artikeln der Web-Reporter finden sich dort auch Pressemitteilungen von Behörden, beispielsweise der Polizei oder der Stadt Leipzig. Jeder Beitrag kann nicht nur mit einem Stadtteil, sondern sogar mit einer Straße verknüpft werden. So lässt sich genau erkennen, wie nah ein Ereignis am eigenen Wohnort dran ist.
Wie eine Springer-Sprecherin gegenüber MEEDIA mitteilte, ist eine Aufwandsentschädigung für die Web-Reporter geplant. Ob es sich dabei um Geld oder andere Belohnungen handelt, stehe aber noch nicht fest. Zudem sehe der Verlag dies nicht als Hauptmotivationsgrund für das Engagement der Bürgerjournalisten.
Bereits seit diesem Januar setzt Springers Hamburger Abendblatt auf Bürgerjournalisten. Unter der Rubrik "Mein Quartier" bloggen die Aushilfsreporter, ausgerüstet mit Handy und Laptop, über Alltägliches und Außergewöhnliches aus ihren Vierteln. Bezahlt werden die Autoren jedoch nur dann, wenn ihre Storys es in die Print-Ausgabe schaffen. Unterschied zum Bild-Projekt: Schreiben darf nicht jeder – in einem Blogger-Casting wurden die Bürgerreporter ausgewählt.

Auch die Inhalte der Lokal-Berichterstatter des Abendblatts gehen nicht unkontrolliert online. Ein Redaktionsmitglied überprüft jeden Text oder jedes Foto und stellt den Content dann unter Abendblatt.de ins Web. Die Blogs werden von der Springer-Zeitung erst einmal nicht hinter der Bezahlschranke versteckt, sondern sind für jeden frei zugänglich.

In einer Analyse der Abendblatt-Blogs stellte MEEDIA im März fest, dass die Umsetzung noch nicht ganz optimal lief. Die Blogs unterschieden sich stark in ihrer Qualität. Nur selten ließ sich auch ohne Titel erraten, aus welchem Quartier berichtet wurde. Und die Verzahnung von Online und Print lief auch noch nicht rund. Für Bild besteht hier also die Chance, es besser zu machen als die Hamburger Kollegen.

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