Schlagerbarden-Aufstand gegen den stern

Das klingt nach zünftig viel Ärger, denn der Stadl grantelt Richtung stern. Mit Unterstützung von Bauers Yellow das neue macht eine Gruppe um Heino und "die Amigos" Stimmung gegen das Gruner + Jahr-Magazin. Denn die Schlager-Szene fühlt sich von den CD-Kritiken der Hamburger Redaktion "verunglimpft". Ein Anliegen, das das Bauer-Blatt so unterstützenswert findet, dass Chefredakteur Jörg Mandt gleich noch die passende Pro-Kampagne "Ich liebe Schlager" inklusive eigenem Logo startet.

Anzeige

"’Methusalem-Pop‘ sei ihre Musik, die ‚Weltgemeinschaft‘ müsse handeln, eine ‚UN-Resolution‘ solle her… Indirekt wird Sängerin Helene Fischer so mit Libyens Diktator Gaddafi auf eine Stufe gestellt", bringt Bauer in einer Unternehmensmitteilung einige Beispiel-Formulierungen aus den Stern-CD-Kritiken.

In den kurzen Rezensionen bekommen auch die Anhänger der jeweiligen Musikrichtungen ihr Fett weg. "Auch die Fans deutscher Musik werden beleidigt", schreibt Bauer. Der stern soll sie "als Langhaardackel-Besitzer, die ihren Hund aus Faulheit auf den Teppich pinkeln lassen" darstellen oder als "eichenrustikale Schrankwandtüren-Knaller". "Das ist nicht nur geschmacklos und mit peinlichsten Vorurteilen gespickt, sondern auch ein Eigentor des stern", kommentiert das neue-Chefredakteur Jörg Mandt. "Schlager sind Unterhaltung, nicht mehr und nicht weniger. Sie begeistern Millionen Deutsche. Und sie sichern Arbeitsplätze. Wir unterstützen die Stars in ihrem Kampf um die Ehre. Denn der Schlager lebt!"

Tatsächlich haben die Rezensionen gerne einen ironischen und gar gehässigen Unterton. Für Nicht-Schlager-Fans gehören sie allerdings mit zum lustigsten, was der Stern jeden Donnerstag zu bieten hat. Einen Großteil ihres Reizes ziehen die bösen Stücke aus ihrer Platzierung. Sie erscheinen innerhalb der Bestseller-Berichterstattung. So machen die Kulturredakteure sich genüsslich über Alben lustig, die stets unter den Top Ten der deutschen Charts gelistet werden.
"Wie Ihnen beim Lesen der genannten Zitate sicher auffällt, sind die Bestseller-Kommentare im Stern meist von Ironie und Sarkasmus geprägt", sagt Kester Schlenz, stern-Ressortleiter Kultur und Style, gegenüber MEEDIA. "Hier kriegt jeder einmal sein Fett weg: vom Mittelalter-Rocker über Filmstars bis hin zum Bestellerautor. Und manchmal eben auch der Schlagersänger."
Zwischen den Zeilen der vergangen Rezensionen ließ sich bereits herauslesen, dass die Kritik an den Texten der Kultur-Redakteure immer härtere Züge annimmt. Ein Beispiel: Aus "Angst" vor der gesammelten Leserwut der Fans der Mittelalter-Rocker "In Extremo" konzentrierte sich die CD-Besprechung auf die Lobhudelei der Dudelsäcke, anstatt das Album zu verreißen.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige