Abrechnung mit den Unabschaltbaren

Der Wochenrückblick ist heute Chefsache. Sicher: Es ist viel passiert in der KW 13. Ein "Landlust-Politiker" der Grünen hat das Ministerpräsidentenamt im Vorzeigeland der Republik erstritten, Deutschlands größter Medienkonzern sonnt sich in einer glanzvollen Jahresbilanz, Monica Lierhaus gibt wieder Interviews, die Nationalelf blamiert sich testweise, und Boris Becker gibt für einen Baumarkt den tölpelhaften Gartenfreund. Aber darum geht es diesmal hier nicht.

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Den Wochenrückblick wollen wir statt dessen nutzen, um uns mit unseren Kritikern zu beschäftigen. Nicht, dass Kritik an (ebenso wie Lob für) MEEDIA ungewöhnlich wäre. Ein Medienportal, das in kurzer Zeit rasant wächst, oft schneller und manchmal lauter ist als Andere und dazu meinungsfreudig, polarisiert naturgemäß. Das ist im Prinzip auch in Ordnung.
Am vergangenen Sonntag war es nicht in Ordnung. Da hatte sich die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung auf der Medienseite mal wieder MEEDIA vorgeknöpft. Unter der eher irreführenden Headline "Die lieben Kollegen" gab es Saures für das angeblich "unabschaltbare Branchenklatschmagazin". Nun finden wir, dass Autor Harald Staun, dem es offenbar nicht gelingt, unseren Dienst abzuschalten, als Verfasser dieser Kolumne generell eine wenig inspirierte Vorstellung gibt. Für eine exklusive Kolumne in einer so renommierten Zeitung ist es schon beschämend, mit welchen Füllseln Staun die Spalte vollstopft: Das Meiste, was es dort zu lesen gibt, ist ein gefühlter Abklatsch der sattsam bekannten Nachrichtenlage. Es ist eigentlich erstaunlich, dass die Staun-typische bleierne Ideenlosigkeit von der Redaktion überhaupt geduldet wird. Und richtig schlimm wird es, wenn der Autor es mit Meinung probiert.
So waren wir nicht wirklich überrascht, dass Harald Staun MEEDIA am vergangenen Sonntag zwei Exklusiv-Geschichten quasi zum Vorwurf machte: einen Artikel über bezahlte Auftritte des ARD-Wissenschaftsexperten Ranga Yogeshwar bei der Atom-Industrie (Staun nennt sie "Energiewirtschaft") und eins der seltenen und bemerkenswerten Interviews von RTL-Schuldenberater Peter Zwegat, der mit unserem Autoren Christopher Lesko ein wirklich bemerkenswertes Gespräch geführt hatte, das MEEDIA in zwei Teilen veröffentlichte.
Dabei lag Staun mit seiner Wertung gleich beide Male daneben. Zum einen irrte er in der Unterstellung, MEEDIA habe versucht, aus den Yogeshwar-Auftritten "einen Skandal zusammenzuzimmern" (Hat er den Text überhaupt gelesen?), zum anderen muss ihn das Lob von Peter Zwegat für den MEEDIA-Autoren so aus der Fassung gebracht haben, dass er sich erst gar nicht mit dem Inhalt des Interviews befasste, sondern sich den Herrn Lesko vorknöpfte: "Wir haben natürlich sofort nachgegoogelt, von welchen einnehmenden Texten Zwegat da spricht." Das wäre gar nicht nötig gewesen, denn diese (ebenfalls bei MEEDIA erschienenen) Artikel waren direkt unter dem Text verlinkt. Und warum es einen als Interviewer abqualifiziert, wenn er nicht von Haus aus Journalist ist, hätten wir gern erfahren. Staun erklärt es nicht.
Wie gesagt: Staun lag doppelt daneben. Nach der Yogeshwar-Geschichte lieferte die Süddeutsche eine ganze Galerie der Atom-Experten im deutschen Fernsehen, in der deren Geldgeber genannt wurden – ein vielbeachtetes Thema, das auch zum meistgeklickten Link des Tages im Branchen-Medienspiegel Turi2 wurde. Zu Recht, denn solche Recherchen gehören zum Grundauftrag des Journalismus. Und wie häufig das Zwegat-Interview zweitverwertet wurde, kann Staun selbst herausfinden. Mit Google kennt er sich ja aus.
Nicht von einem Einzelnen, sondern gleich reihenweise Kritik hagelte es, als MEEDIA-Autor Stefan Winterbauer in dieser Woche die Hotelkette Motel One zum "Liebling der Web-Szene" kürte. Viele witterten in der Empfehlung ein bezahltes Advertorial. Dabei gibt es eine ganze Reihe von hochkarätigen Web-Leuten, die die Unterbringung in den preisgünstigen Übernachtungshäusern empfohlen hatten. Natürlich gab es den verschwörerisch unterstellten Zusammenhang einer irgendwie gearteten Zuwendung der Hotelkette mit dem MEEDIA-Artikel nicht. Es zeigt sich aber, dass man sich als Redakteur mit einem Lob bei Manchen sofort verdächtig macht. Auch das ist bezeichnend für den Journalismus 2011.

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