44 Jobs weg: Kahlschlag bei der FR

Nach den Meldungen der vergangenen Wochen keine Überraschung: Am Freitag hat DuMont bekannt gegeben, dass die Frankfurter Rundschau 44 Stellen abbauen wird und zudem künftig den Mantelteil aus Berlin zugeliefert bekommt. Die Maßnahme ist gleichbedeutend mit der Aufgabe der redaktionellen Eigenständigkeit als überregionales Qualitätsblatt. Der Verlag erklärte, dies sei angesichts hoher Verluste der einzige Weg, den "Fortbestand" der FR zu sichern.

Anzeige

In der Mitteilung der Gesellschafter heißt es: "Vor dem Hintergrund der zu erwartenden Verluste im hohen zweistelligen Millionenbereich für das Jahr 2010 haben sich die Gesellschafter der Frankfurter Rundschau − M. DuMont Schauberg (50 Prozent und eine Stimme), ddvg (40 Prozent), Karl-Gerold-Stiftung (10 Prozent) − nach intensiven Beratungen dazu entschlossen, die redaktionelle Struktur der Frankfurter Rundschau zu verändern."

Im Klartext: Von den 190 Mitarbeitern in der Redaktion werden etliche gehen müssen. Im Zuge der "Re-Organisation" werden 88 Arbeitsplätze abgebaut. Die Leiharbeit wird eingestellt. Aufgrund der Umstrukturierung sollen aber auch neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Insgesamt fallen daher 44 Stellen weg.

Die Umstrukturierung geht mit einer neuen organisatorischen Aufstellung der FR-Redaktion einher. So sollen die überregionalen Seiten der Frankfurter Rundschau künftig gemeinsam mit der DuMont-Redaktionsgemeinschaft und der Berliner Zeitung produziert werden. Gleiches gilt für die digitalen Inhalte: Das Online- und iPad-Format soll ebenfalls gemeinsam von der Frankfurter Rundschau und der Berliner Zeitung erstellt werden. Dieser Bereich wird am Standort Frankfurt angesiedelt. Um das redaktionelle Angebot auf den Kernmärkten der Frankfurter Rundschau zu stärken, werde die Lokal- und Regionalredaktion neu strukturiert und erweitert, heißt es weiter in der Pressemitteilung.
 
Professor Alfred Neven DuMont, Vorsitzender des Aufsichtsrates der Mediengruppe M. DuMont Schauberg, schreibt in einem Beitrag für die Samstag-Ausgabe der FR: "Für die Mitarbeiter der Frankfurter Rundschau, die Tag für Tag eine hervorragende und geradezu leidenschaftliche Arbeit leisten, ist der Umbau der Organisation mit durchaus schmerzlichen Einschnitten verbunden." Die Existenz der Zeitung sei nicht anders nicht zu sichern. Neven DuMont betont: "Für diese Zukunft wollen wir die Zeitung auf eine solidere wirtschaftliche Basis stellen und dabei nicht nur die Zeitung am Leben erhalten, sondern die Qualität wie gewohnt aufrechterhalten. Das meinen wir ernst. Obwohl bereits heute einige andere Zeitungen den Konkurrenten Frankfurter Rundschau, ohne die neue Fassung gesehen zu haben, ins zweite Glied versetzt wissen möchten. Die Realität wird sie eines besseren belehren. Denn das, was die Frankfurter Rundschau in Ton und Meinung auszeichnet, bleibt auch unter diesen Bedingungen erhalten."

Der Deutsche Journalisten-Verband kommentierte die Stellenstreichung bei der FR mit den Worten, es sei "ein schwarzer Freitag für die Journalistinnen und Journalisten der Frankfurter Rundschau". "Mit den jetzt vorgestellten Plänen haben die Eigentümer DuMont Schauberg und SPD-Medienholding DDVG unsere schlimmsten Befürchtungen bestätigt", sagte DJV-Vorsitzender Michael Konken. "Die Frankfurter Rundschau wird zur Lokalausgabe der Berliner Zeitung degradiert." Konken riet den DJV-Mitgliedern bei der FR, sich Rat und Unterstützung beim DJV Hessen zu holen. "Wir helfen den Kolleginnen und Kollegen, wo wir können."

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige