Focus-Titel: Weimers Poker geht auf

"Wer nicht wagt, der nicht gewinnt": Bereits am Freitag stand für Focus-Chef Wolfram Weimer fest, dass der Wahlverlierer des kommenden Sonntags die CDU sein wird und folgerichtig sein Nachrichtenmagazin auch mit Angela Merkel aufmachen muss. Der Spiegel dagegen zeigte sich weniger risikobereit und titelte ganz entschleuningt mit der "Heilkraft des Fastens". Die Hamburger verzichten damit offenbar ganz bewusst auf das bestimmende politische und gesellschaftliche Thema der kommenden Tage.

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Die Focus-Story setzt sich aus zwei Teilen zusammen. Unter dem Schlagwort "Misserfolg" wird diskutiert, wie lange noch die Koalition hält und wer Nachfolger der Kanzlerin werden würde. In einem zweiten Teil wird die Story gewendet. Unter dem Schlagwort "Miss Erfolg" erklärt das Magazin, wie Merkel die Stimmung noch drehen kann und warum sogar Schwarz-Grün für 2013 noch eine Option ist.

In München ist man hörbar stolz, den richtigen Riecher auf das Wahldesaster der Union gehabt zu haben. "Der heutige Titel trifft punktgenau die Lage an diesem Montag. Das freut uns sehr. Mit der großen Sachkompetenz unserer politischen Korrespondenten haben wir die Lage richtig vorweg genommen und analysiert. Dabei waren wir in der Prognose sicher mutig", sagt Wolfram Weimer gegenüber MEEDIA. "Aber: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt."

Genau mit diesen Storys sieht der Chefredakteur sein Blatt auf den richtigen Weg: "Der Focus setzt immer sichtbarer auf Aktualität und Relevanz. Wir haben im 1. Quartal systematisch auf politische Titel gesetzt und Erfolg damit gehabt." Bereits in der Berichterstattung zur Japan-Katastrophe setzte das Burda-Magazin auf einen wesentlich aktuelleren Ansatz als bei vielen anderen Anlässen. "Für solche Nachrichtenlagen ist man Journalist geworden", kommentiert Weimer. "Die Redaktion hat im bewegten 1.Quartal gezeigt, was in ihr steckt."

Wie stark sich das Weimer-Konzept tatsächlich in der Auflagenstatistik niederschlägt, lässt sich jetzt noch nicht absehen. Bislang liegen nur die Zahlen für die ersten sieben Ausgaben des Jahres vor. Demnach explodierte mit der Nummer zwei ("Verdummen unsere Kinder?"), die für einen Euro verkauft wurde, die Auflage. Die folgenden Hefte verkauften sich jedoch immer schlechter.

Auch der Spiegel hatte mit seinen Heften fünf, sechs und sieben mit einem Auflagenhänger zu kämpfen. Ob das aktuelle Thema Fasten richtig zieht, wird spannend sein zu beobachten. Es passt auf jeden Fall genau in die Fastenzeit und trifft den aktuellen Ernährungs-Boom, der auch Gelegenheitskäufer aktivieren dürfte.

Im direkten Vergleich mit dem Focus servieren die Hamburger diesmal keine Antworten auf das bestimmende politische Top-Thema. In der Fastenzeit scheint sich auch der Spiegel eine kleine tagesaktuelle Verschnaufpause zu gönnen. Ob diese Enthaltsamkeit jedoch jedem Leser schmeckt, werden die Verkaufszahlen zeigen.

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