Mehr Transparenz: die Yogeshwar-Debatte

Während der Japan-Katastrophe erklärten TV-Experten wie Harald Lesch (ZDF) oder Ranga Yogeshwar (ARD) den TV-Zuschauern, was beim Tsunami passierte und wie gefährlich die AKW-Havarie in Fukushima tatsächlich ist. Doch wie unabhängig sind die Medien-Fachleute? Viele Journalisten arbeiten längst sowohl für Medienhäuser als auch für die Unternehmen, über die sie berichten. Nach dem MEEDIA-Bericht über die Nebenjobs von Ranga Yogeshwar werden die Forderungen nach mehr Transparenz im Journalismus immer lauter.

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Entbrannt ist die Debatte nach dem MEEDIA-Artikel "Wie die Atom-Lobby Yogeshwar hofiert". Das Stückt zeigt auf, dass der TV-Journalist seit Jahren enge Beziehungen zur Kraftwerksbranche pflegt. Der Atom-Experte streitet diese Nebentätigkeiten nicht ab. Stattdessen pocht er auf seine Unabhängigkeit: "Meine Position in Sachen Kernenergie ist seit 25 Jahren unverändert kritisch."

Für die Zuschauer von Maybrit Illner oder Anne Will wäre es sicherlich eine interessante Zusatzinformation zu erfahren, für welche Unternehmen die vermeintlich unabhängigen Experten noch arbeiten. In der Welt fragt sich Kai Hinrich-Renner deshalb, "ob jemand, der sich auch von der Atomwirtschaft bezahlen lässt, im öffentlich-rechtlichen Fernsehen als unabhängiger Experte präsentiert werden darf?"

"Yogeshwars Nebenjobs waren kein Geheimnis, die Veranstaltungen öffentlich zugänglich. Trotzdem waren sie nicht allgemein bekannt", schreibt Sebastian Esser, Chefredakteur des Medienmagazins visdp.de. Der Berliner hält es für eine gute Idee, für solche Informationen eine zentrale Stelle zu schaffen, die freiwillige Auskünfte über die Einkünfte von Journalisten sammelt. "Solche Offenheit ist viel verlangt. Journalisten müssten dann mehr über sich preisgeben als die meisten anderen in der Gesellschaft – Politiker vielleicht ausgenommen. Aber es wäre ein Weg, unter neuen Bedingungen das Ansehen des Journalismus zu sichern."

Für Esser geht es im Kern darum: "Wer mit Informationen arbeitet, muss selbst zu besonderer Transparenz bereit sein, um glaubwürdig unabhängig zu bleiben. Sind wir das?"

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