Knut & Krieg – die gefühlte Nachrichtenlage

Nachrichten stürmen im Minutentakt via Liveticker und Sondersendungen auf den Medienkonsumenten ein. Luftschläge in Libyen, permanente Updates von der Erdbeben- und Atomkatastrophe in Japan, dazwischen die anstehende Landtagswahl in Baden-Württemberg und Verwirrung um den Biosprit E10. Mitten im Strudel der Ereignisse ist es aber die eigentlich banale Nachricht vom Tod des Eisbären Knut, der die Menschen tatsächlich im Innersten zu berühren scheint.

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Nachrichten stürmen im Minutentakt via Liveticker und Sondersendungen auf den Medienkonsumenten ein. Luftschläge in Libyen, permanente Updates von der Erdbeben- und Atomkatastrophe in Japan, dazwischen die anstehende Landtagswahl in Baden-Württemberg und Verwirrung um den Biosprit E10. Mitten im Strudel der Ereignisse ist es aber die eigentlich banale Nachricht vom Tod des Eisbären Knut, der die Menschen tatsächlich im Innersten zu berühren scheint.

Die traurige Geschichte vom Tod des Eisbären Knut ist zunächst einmal den Menschen hierzulande räumlich viel näher als die Atomkatastrophe in Japan oder die kriegerischen Auseinandersetzungen in Libyen. Die Geschichte von Knut ist greifbar. Die endlosen Fotos des kleinen, putzigen Eisbären aus dem Berliner Zoo sind den Allermeisten noch sehr präsent. Die alten Bilder des kleinen Knuddel-Knut stehen nun in einem gewaltigen Kontrast zu dem leblos im trüben Wasser treibenden Bären-Koloss. Es ist auch diese Diskrepanz der Bilder, die die Geschichte von Knut so unendlich traurig macht. Dazu passt, dass sein früherer Pfleger, “Herr Dörflein”, wie Knut ein Sonderling, auch früh und unvermittelt starb. Die Geschichte vom einsamen Eisbären Knut und seinem Pfleger hat genau jenen speziellen Mix an Emotionen, der Massen bewegt.

Bei Spiegel Online und Bild.de sind die Knut-Stories, Klick-Galerien und Videos seit Tagen ganz oben in der Hitliste. Menschen legen Blumen am Eisbären-Gehege im Berliner Zoo nieder. Und natürlich greift auch Post-Onkel und Einsamkeits-Spezialist Franz-Josef Wagner in Sachen Knut zur Feder und dichtet Knut in den “Bären-Himmel”. Das alles wirkt auf den ersten Blick furchtbar hysterisch und übertrieben, aber der Effekt lässt sich im Alltag nachprüfen. Man muss nur die Reaktionen seiner Mitmenschen beobachten, wenn sie die entsprechende Nachricht bekommen. Luftschlag in Libyen, Atom-Kollaps in Japan – schlimm. Aber “Knut ist tot” sorgt fast immer für einen kleinen Aufschrei.

Nicht gerade für einen Aufschrei, aber doch für gepflegtes Interesse in gewissen Nerd-Kreisen sorgten auch die Wasserstandsmeldungen in Sachen iPad-2– und Nintendo-3DS-Verfügbarkeit im Hinblick auf die katastrophale Lage in Japan. Auch wir bei MEEDIA sind da nicht unschuldig und haben eine Geschichte mit der Überschrift “Japan-Katastrophe hemmt iPad-2-Produktion” gebracht. Da versinkt ein ganzes Land im Chaos und am anderen Ende der Welt macht man sich Sorgen um eine mögliche Lieferverzögerung von Technik-Gadgets oder beweint den Tod eines zum Steiff-Tier hochgeschriebene Eisbären… So war es schon immer und wird es wohl auch immer sein. Die aktuellen Ereignisse führen einem den Unterschied zwischen tatsächlicher und gefühlter Nachrichtenlage wieder einmal besonders drastisch vor Augen.

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