Japan: Redaktionen ziehen Reporter ab

Nach den Naturkatastrophen steuert Japan auf einen Super-GAU zu. Im Atomkraftwerk Fukushima 1 sind drei Reaktoren explodiert, und die Lage lässt sich immer schlechter kontrollieren. Einige TV-Stationen und Verlage, wie der Focus und der Stern, ziehen ihre Korrespondenten ab. Wohingegen die ARD in Tokio bleibt und der Spiegel seinen Reporter regelmäßig mehrere Abflugmöglichkeiten reserviert. MEEDIA hat bei den deutschen Redaktionen nachgefragt, wie sie mit der Situation umgehen.

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So reagieren Stern, Focus und Spiegel
Auf MEEDIA-Anfrage sagte eine Stern-Sprecherin, dass das Magazin derzeit zwei Teams in Japan hat. Stern-Shanghai-Korrespondent Janis Vougioukas verlässt Tokio heute in Richtung Osaka, Stern-Auslandsreporter Markus Götting stößt in Osaka zu ihm, aus Deutschland. Beide Journalisten sind mit jeweils einem freien Fotografen und einem japanischen Begleiter im Einsatz. Auch in Osaka planen die Journalisten weiterhin so, dass sie gegebenenfalls das Land auf dem schnellstmöglichen Weg verlassen können. Marc Goergen aus dem Auslandsressort des stern war bis gestern vor Ort, ist aber wieder in Hamburg.
Die beiden Focus-Mitarbeiter, die in Japan waren, befinden sich mittlerweile auf deutschem Boden. Susanne Steffen lebt und berichtet schon länger aus Japan. Sie verließ das Land zusammen mit ihrem japanischen Mann, um ihre Kinder zu schützen. Auch Auslandsreporter Carsten Stormer wurde zurück beordert, um seine Gesundheit zu schützen.
Für den Spiegel berichtet aus Japan der ehemalige Japan- und jetzige Peking-Korrespondent Wieland Wagner. "Natürlich beobachten wir Strahlenentwicklung und Windrichtungen und reservieren mehrere  Abflugmöglichkeiten vornehmlich von bislang sicheren Städten im Süden. Wir haben niemanden in unmmitelbarer Nähe von Fukushima und schicken derzeit auch niemanden dahin", sagte Auslands-Ressort-Leiter Hans Hoyng zu MEEDIA.

Reaktionen von ARD und ZDF

Drei Fernseh- und zwei Hörfunk-Korrespondenten berichten derzeit für die ARD aus Japan: Fernseh-Studioleiter Philipp Abresch und sein Team werden von zwei Asien-Korrespondenten und ihren Crews unterstützt. Ariane Reimers, Robert Hetkämper, Peter Kujath und Carsten Vick sind ebenfalls vor Ort. Ergänzt wird die Berichterstattung aus Osaka durch die Kollegen im ARD-Hörfunkstudio Singapur. Alle Korrespondenten sind fest angestellte Mitarbeiter des NDR. Da sich eine weitere Zuspitzung der Gefährdungslage abzeichnet, sind Peter Kujath und Carsten Vick mit dem Team des Hörfunk-Studios ins 500 Kilometer weiter südlich gelegene Osaka umgezogen, auch Philipp Abresch wird dorthin ausweichen. Ariane Reimers ist mit einem Team im Nordosten der Hauptinsel unterwegs. Robert Hetkämper und eine kleine Crew bleiben bis auf Weiteres in Tokio. "Falls es erforderlich würde, wäre auch die Möglichkeit, das Land vorübergehend komplett zu verlassen, eine Handlungsoption", sagte ein ARD-Sprecher.

Das ZDF hat zwei seiner Korrespondenten aus Tokio nach Osaka abgezogen. Von dort aus berichten Johannes Hano und Jörg-Hendrik Brase und ihr Team über die Ereignisse. Ursprünglich waren 18 Beschäftigte für das ZDF in Tokio tätig.
RTL und N24 ziehen Korrespondenten ab

RTL-Sprecher Matthias Bolhöfer sagte gegenüber MEEDIA, dass sich mit der verschlechterten Situation in Japan auch die Lage für die Korrespondenten verändert hat. Die beiden fest angestellten Redakteure Carsten Lueb und Roger Saha sind von Tokio nach Osaka geflogen und werden das Geschehen von dort aus weiter beobachten. Ihre Kollegen Sascha Zebel und Nils Büngen, die für die Produktionsfirma infoNetwork arbeiten, sind aus dem Land ausgereist.
Für N24 ist Christoph Wanner seit Samstag vor Ort in Tokio, teilte die Sprecherin des Nachrichtensenders, Kristina Faßler, gegenüber MEEDIA mit. Wanner berichtet seitdem rund um die Uhr in Live-Schalten und Beiträgen aus dem Krisengebiet. "Er ist ein erfahrener Korrespondent, der bereits über Tschernobyl berichtet hat und und insofern auch mit einer nuklearen Gefährdung verantwortlich umgehen kann, davon mal abgesehen, dass er natürlich einen Geigerzähler dabei hat und auch damit umgehen kann." Wanners Wunsch sei es, aktuell in Tokio zu sein. Es sind für ihn aber permanent Flüge nach Deutschland optioniert. Eine andere Variante ist es, nach Osaka zu fahren. "Wir entscheiden aktuell von Stunde zu Stunde gemeinsam mit dem Ziel, ihn auf keinen Fall zu gefährden", sagte N24-Sprecherin Faßler.

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