Sex-Video: Ex-Bild-Mann vor Freispruch?

Ein richterlicher Eingriff in die Pressefreiheit oder ein Fall von Nötigung? Mit dieser Frage beschäftigt sich das Münchner Landgericht in der Berufung des Falles Ottfried Fischer gegen einen Ex-Bild-Redakteur. Im Oktober hatte das Amtsgericht den Journalisten zu einer Strafe von 14.400 Euro verurteilt, weil er den Schauspieler mithilfe eines Sex-Videos zu einem Bild-Interview genötigt haben soll. Laut AFP ließen die Richter bereits erkennen, dass sie den ehemaligen Springer-Mitarbeiter wohl freisprechen.

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Das Sex-Video zeigt Fischer mit zwei Prostituierten. Die beiden Frauen sollen den Clip im Auftrag von zwei Zuhältern gefilmt haben. Alle vier wurden bereits zu Geldstrafen verurteilt und akzeptierten diese auch. Der angeklagte Reporter, der den Film von einem der beiden Zuhälter gekauft hatte, legte indes Berufung ein, weil er niemals Fischer genötigt hätte.

Seine Anwälte argumentieren, dass ihr Mandant Fischers PR-Agentin gegenüber niemals mit dem Clip gedroht hätte, sondern den Film lediglich erwähnte. Das hielt das Amtsgericht für unerheblich. Alleine die Erwähnung des Videos in einem Telefonat mit der PR-Agentin soll ein strafbarer Gebrauch sowie eine strafbare Nötigung gewesen sein.

Tatsächlich hatte die Öffentlichkeitsarbeiterin der mündlichen Verhandlung verneint, dass der Journalist S. mit irgendetwas gedroht hätte, um ein Interview mit ihrem Mandanten zu bekommen.

Grundsätzlich könnte die Argumentation der Münchner Richter Auswirkungen auf die Pressefreiheit haben. Konsequent weitergedacht würde sich tatsächlich die Frage stellen, wie ein Journalist einen Prominenten oder einen Politiker mit den Ergebnissen seine Recherche konfrontieren und um eine Stellungnahme bitten kann, ohne den Betroffenen zu nötigen.
Im Interview mit Spiegel sagte Bild-Chefredakteur Kai Diekmann vor rund zwei Wochen zu dem Prozess: "Es bleibt ein Fall, der zeigt, wie überfordert die Justiz bisweilen ist und wie schlecht das Gedächtnis von Ottfried Fischer funktioniert. Ansonsten: Das Private ist nicht immer privat. Siehe Seehofer, siehe Brandenburg – wo Ex-Minister Rainer Speer die Steuerzahler für sein uneheliches Kind Unterhalt zahlen ließ. Das Private kann schnell umschlagen ins Politische, ins Relevante. Das gilt auch für Schauspieler. Wer im Fernsehen einen Polizisten spielt, im wirklichen Leben aber mit Koks in der Tasche festgenommen wird, wird zum Thema."

Offenbar hebt das Landgericht jedoch das Urteil des Amtsgerichtes auf. Denn bereits zu Prozessbeginn zeigte sich die Vorsitzende Richterin Susanne Emmerich verwundert, dass der Schauspieler und Kabarettist überhaupt gegen die Zeitung vorgegangen sei. Auch Fischers Anwalt Florian Ufer soll laut AFP bereits am Rande des Prozesses eingeräumt haben, dass nun nicht mehr mit einer Verurteilung wegen Nötigung zu rechnen sei.

Eine Entscheidung konnte das Gericht allerdings noch nicht fällen. Weil der Verkäufer des Videos nicht als Zeuge erschien, wurde der Berufungsprozess auf den 28. März vertagt. Dann soll auch Fischer, der in dem Verfahren als Nebenkläger auftritt, vernommen werden.

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