WAZ-Chef wird für S04-Fans zur Reitzfigur

Die Kehrseite einer Exklusiv-Story: Am Mittwoch berichtete die WAZ als erste über die beschlossene Entlassung von Schalke-Trainer Felix Magath. Publizistisch ein Coup, der für großes Aufsehen sorgte – und für viel Ärger bei den SO4-Anhängern. Denn die Fans werfen ihrer Lokalzeitung nun vor, mit dem Scoop vor dem "Spiel des Jahres" in der Champions League den Erfolg des Vereins und damit der gesamten Region gefährdet zu haben. Die Kritik war so massiv, dass Chefredakteur Reitz nun in einem Brief antwortet.

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Der Zorn der Fans auf die Zeitung entlud sich neben Leserbriefen vor allem in den Kommentarspalten des WAZ-Portals DerWesten.de. So heißt es unter anderem, dass man seit der "Demontage von Guttenberg noch nie etwas derartiges in der Medienwelt erlebt" hätte. Oder: "Es ist eine Sauerei ohne Gleichen. Vor so einem CL-Spiel, statt ganz Deutschland hinter Schalke steht, arbeiten gewisse Leute dagegen."

Peter Lange, Stellvertretender Aufsichtsrats-Vorsitzender von Schalke und Mitglied der Geschäftsführung der WAZ-Mediengruppe, wird sogar als "Judas" und "Maulwurf" beschimpft.

Gleich zu Beginn seines "Briefs an die Schalke-Fans" stellt der Chefredakteur fest: "Wir sind zweierlei nicht: Verlautbarungsorgan des FC Schalke 04 und Fan-Postille. Dass viele Redakteure privat mit Schalke sympathisieren, hindert sie nicht daran, professionell ihre Arbeit zu machen."

Dann wird Reitz erst einmal grundsätzlich: "Für uns Medienleute gibt es einen Paragrafen eins, der lautet: Eine Nachricht ist eine Nachricht ist eine Nachricht. Paragraf zwei heißt: Du darfst die Veröffentlichung einer Nachricht nie abhängig machen von den Folgen dieser Veröffentlichung, zumal du die ja auch gar nicht kennst." Abgesehen davon hatte der Verein ja eh gewonnen. Für den Chefredakteur ist es völlig müßig, darüber zu diskutieren, wie die Mannschaft ohne den Enthüllungsbericht der Westdeutschen Allgemeinen gespielt hätte.

Fakt ist: Schalke hat 3:1 gewonnen. Also kann Reitz auch entspannt argumentieren, dass Königsblau "trotz oder wegen Magath, trotz oder wegen unserer Berichterstattung" im Viertelfinale der Königsklasse steht. Den Fans sagt der Blattmacher ganz klar: "Wir sind ein Nachrichtenorgan, kein Wohlfühl-Blatt."

Wie massiv die Fan-Proteste bei der wichtigsten Revier-Zeitung gewesen sein müssen, lässt der letzte Absatz des offenen Briefes erahnen. "Wenn ein Teil der Schalke-Anhänger diese Vereins-Entscheidung nicht versteht, etwa, weil doch die Erfolge Schalkes international wie im Pokalwettbewerb unbestreitbar sind, dann sollten sie bitte nicht den sehr, sehr alten, antiken Fehler wütender Herrscher wiederholen, den Überbringer der Nachricht zu verprügeln. Sie sollten sich an den Verursacher halten."

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