Die New York Times contra Huffington Post

Der nunmehr ehemalige Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg verabschiedete sich diese Woche mit großem Zapfenstreich und sorgte sogar mit der Auswahl seines Abschied-Songs noch für einen Mini-Hype. Beim Conference Call der RTL Group gab es österreichisches Geplänkel, New-York-Times-Chefredakteur Bill Keller ging verbal auf Arianna Huffington los und Konstantin NevenDumont diskutiert beim taz-Kongress über Nervensägen im Netz.

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Ob der Große Zapfenstreich für Karl-Theodor zu Guttenberg der letzte Gutti-Streich in dieser Hype-Saison war, darf bezweifelt werden. Medien, Web und zu Guttenberg selbst machten auch diese Zeremonie gleich wieder zu einer Art Ereignis. Der nunmehr ehemalige Verteidigungsminister wählte als Wunschlied "Smoke on the Water" von Deep Purple. Eine Nachricht, die sofort von Medien umfangreich analysiert wurde: Welche Bedeutung hat der Song? Um was geht es in dem Lied usw.? Selbst in seinem Abgang wird zu Guttenberg medial gehypt, dass es nur so kracht. Auch bei Twitter machte die Song-Wahl des Ex-Ministers die Runde. Lawblogger Udo Vetter ließ sich zu dem Twitter-Scherz hinreißen, Deep Purple verklage die Bundesregierung wegen der SongAuswahl nun auf eine Million Euro Schadensersatz. Fast verwunderlich, das kein Medium die "Breaking News" aus Twitter sofort übernommen hat.

Beim ansonsten eher überraschungsarmen Conference Call zur RTL Bilanz am vergangenen Donnerstag gab es einen ganz lustigen kleinen Dialog-Disput zwischen RTL Group Chef Gerhard Zeiler und Harald Fiedler, dem Medienredakteur des österreichischen Standard. Fiedler meldete sich mit einer Frage und entschuldigte sich schon im voraus, dass er dieselbe Frage schon öfter gestellt habe. Alsdann wollte er wissen, was denn nun dran sei, an den nicht verstummenden Gerüchten, Gerhard Zeiler werde vielleicht doch auf den Posten des ORF-Intendanten wechseln. Zeiler war hörbar genervt und belehrte den Kollegen erst einmal, dass man sich hier im Conference Call zu den RTL-Group-Ergebnissen für 2010 befinde. Ansonsten gelte als Antwort auf die Frage, was er bereits im August vergangenes Jahr gesagt habe, Fiedler möge dies doch bitte in der eigenen Zeitung nachlesen. Das war dann die Aussage, dass Zeiler seinen Vertrag bei RTL bis 2015 verlängern werde. Danach kann man ihn dann weiter nerven.

New-York-Times-Chefredakteur Bill Keller hat mal wieder seinem Zorn freien Lauf gelassen. Nachdem er neulich bereits schonungslos mit dem ehemaligen Medienpartner der Zeitung, Wikileaks-Chef Julian Assange, abgerechnet hat, hat er nun Huffington-Post-Gründerin Arianna Huffington auf’s Korn genommen. In einem Stück wettert Keller gegen das Modell der Inhalte-Aggregation, das die Huffpo betreibt. Dieses Modell bestehe darin, die Worte von anderen Leuten zu nehmen, neu zu verpacken und dann Erlöse abzuschöpfen, die eigentlich den Original-Medien zustehen würden. "In Somalia würde man das Piraterie nennen, in der Mediensphäre ist das ein respektiertes Geschäftsmodell", wetterte Keller. Dabei übersieht der New-York-Times-Chef in seinem heiligen Zorn freilich, dass auch sein Blatt zahlreiche Artikel bringt, die auf andere Medien als Quelle basieren. Und auch die Huffpo bringt viele Artikel als komplette Eigenleistung Der GigaOM-Blogger Matthew Ingram twitterte zu Kellers schriftlichem Wutanfall treffend: "Keller scheint zu sagen: "Wenn wir das machen, ist es Journalismus; wenn es die Huffington Post macht, ist es Piraterie."

Kein Wochenrückblick ohne Konstantin Neven DuMont. Kaum ist der Karneval vorbei, stürzt er sich bald schon wieder in die Irrungen, Wirrungen des Medien-Sumpfes. Beim taz-Kongress in Berlin stellt er sich der Diskussion, ob wir eine neue Ethik im Internet brauchen. Netter Titel der Diskussionsrunde: "Shitstorm-Surfer, Trolle und andere Nervensägen". Diskutiert wird am Samstag, 9. April, ab 13.30 Uhr.

Schönes Wochenende!

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