Twitter: die Balla-Balla-Tweets des DFB

Ein Tweet hat immer 140 Zeichen und der nächste Tweet ist immer der schwerste: Der Deutsche Fußball Bund ist nun auch beim Twittern in der europäischen Spitze angekommen. Stolz verkündet er, dass er mit seinen Accounts mehr als 60.000 Follower erreicht. Der englische Verband kommt dagegen nur auf 45.000. Aushängeschild der Frankfurter ist das Zwitscher-Angebot der Nationalmannschaft. Den oftmals ungewollt komischen und ungelenken Beiträgen folgen mittlerweile über 48.000 Fans.

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Auf fünf Kanälen informiert der DFB über die Nationalmannschaft, die Frauen-Nationalmannschaft, die Juniorenteams, die 3. Liga und das gesamte Verbandsgeschehen. Keine Überraschung: Der Twitter-Kanal der A-Nationalmannschaft dominiert mit fast 50.000 Followern. "Kein Verband in Europa zwitschert mit so vielen Fans! Exklusiv, hochaktuell und ganz, ganz schnell", frohlocken die Verantwortlichen.
"Dieser Anblick bietet sich, wenn die Spieler durch den Tunnel zum Spielfeld laufen"
Tatsächlich postete der DFB während des Länderspiels zwischen Deutschland und Italien jede Menge Fotos vom Spielfeldrand. Beispiel gefällig? "Die Teamperspektive: Dieser Anblick bietet sich, wenn die Spieler durch den Tunnel zum Spielfeld laufen. http://twitpic.com/3y28sa" 50 Sekunden später: "Und noch näher. Wenige Schritte noch, dann werden Philipp Lahm und Co. den Rasen betreten. http://twitpic.com/3y28zn". Erneut zweieinhalb Minuten später kam dieser Tweet: "… jetzt bietet sich ihnen diese Aussicht. http://twitpic.com/3y29ox". Mangelndes Engagement kann man bei dieser Absonderungsfrequenz sicher nicht vorwerfen. Aber "besondere Einblicke", wie sie der DFB seinen Followern gewähren will, sehen anders aus als leere Gänge.
Auch Interaktivität spielt beim DFB-Twitter-Account keine große Rolle. Die Accounts folgen sich nur untereinander, Reaktionen auf User-Fragen bleiben aus. Und das obwohl der Verband bereits seit dem 29. September 2009 bei dem Kurznachrichtendienst aktiv ist und viel Zeit zum Lernen gehabt hätte. Aber er schafft es nicht einmal, die Beiträge von der DFB-Webseite ordentlich einlaufen zu lassen. Am 6. Februar kam beispielsweise um 17.23 Uhr der Tweet rein "Mario Gomez fällt für das Länderspiel gegen Italien aus". Einige Stunden später hieß es dann "Mario Gomez fällt für das Italien-Länderspiel aus" und wieder einige Minuten darauf twitterte der Account "Gomez fällt für das Italien-Länderspiel aus". Jede Änderung in der Überschrift hält das Programm offenbar für einen komplett neuen Artikel.
  "Aufwärmen ist grad vorbei – schnell noch ein Foto"
Trotz der streitbaren Betreuung der DFB-Twitter-Accounts erfreuen sie sich großer Beliebtheit. Fußball interessiert die Nutzer ganz offensichtlich so sehr, dass sie auch einem mittelmäßigen Angebot folgen wollen. Zum Vergleich: Dem Account von Greenpeace Deutschland folgen rund 21.000 Twitterer, der Deutsche Journalisten-Verband hat 1.700 Follower. Und auch der Englische Fußballverband FA erreicht mit knapp 45.000 Leuten in dem Kurznachrichtendienst weniger als der DFB. Anders sieht es international aus: Der brasilianische Fußballverband zählt sage und schreibe 315.000 Twitter-Follower.

Es gilt jedoch die Regel: Lieber chaotisch und manchmal ungewollt komisch getwittert, als unorganisiert gespielt.

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