Lobo: Kein Fake mit Guttenberg-Fans

Nach dem großen Erfolg des Guttenplags rief nun auch Sascha Lobo die Webgemeinde zur gemeinsamen Klärung eines weiteren interessanten Teilaspektes auf: Mit Hilfe der User wollte der Berliner Autor und Werber herausfinden, ob die mittlerweile rund 600.000 Facebook-Unterstützer des CSU-Politikers echt oder ein Fälschung sind. Das Ergebnis der Recherchen: Die Facebook-Page “Wir wollen Guttenberg zurück” hat nach seiner Einschätzung weitgehend echte Fans.

Anzeige

Während der Recherche-Aktion der Facebook Fake Finding Force erreichten Lobo über 900 Kommentare und fast 100 Mails mit "allen möglichen Hinweisen, von quasiprofessionellen Datenauswertungen bis zu Mutmaßungen." Der Blogger destillierte daraus vier Indizien, die dafür sprechen, dass es beim Aufbau des Guttenberg-Hypes innerhalb des Social Networks zu keinen übermäßigen Schummeleien kam.

Als erstes Indiz nennt der Berliner den Fakt, dass der Fan-Zustrom auf der Pro-Guttenberg-Seite einer bei Facebook absolut üblichen Wachstumskurve folgt. Ihre Entwicklung gleicht der von anderen Erfolgsangeboten innerhalb des Netzwerks, wie beispielsweise von “Germany’s Next Top Model”.

Als zweites Indiz führt Lobo eine Anfrage an Facebook ins Feld. Das Netzwerk bestätigte, dass "da und dort" Fakes dabei sein könnten, "aber nicht en masse". Eine Antwort, die der Blogger für realistisch hält. "Eine Erstellung von gefälschten Profilen ist zwar möglich, aber alles andere als trivial. Noch schwieriger dürfte es sein, sechsstellige Anzahlen von Profilen so zu fälschen, dass auch die Techniker von Facebook – die jeden Tag mit Fakes zu tun haben – mit den Möglichkeiten der Administratoren das nach mehrfacher Prüfung nicht erkennen", schreibt der Berliner.

Den dritten Hinweis lieferte Marcus Schwarze von der Rheinzeitung. Der Journalist hatte von den Machern der Fan-Seite für kurze Zeit einen Admin-Zugang bekommen und konnte sich so selbst davon überzeugen, dass es beim Nutzerwachstum – solange er das überprüfen konnte – zu keinen Unregelmäßigkeiten kam.

Für das Vierte und "wichtigstes" Indiz hält Lobo die Entwicklung der digitalen Gesellschaft in Deutschland selbst. Er glaubt, dass niemand Verdacht geschöpft hätte, wenn ein Popstar wie Dieter Bohlen in nur wenigen Tagen eine halbe Million Fans versammelt hätte. "Jeder hätte gedacht – ja nun, so sind die Menschen, in ihrer irrationalen Begeisterung fühlen und handeln sie oft unerklärlich." Doch als aufgeklärter Netzteilnehmer konnte und wollte Lobo sich bisher einfach nicht vorstellen, dass eine halbe Million Menschen unter den gegebenen Betrugs-Umständen ernsthaft für eine politische Betätigung Guttenbergs ist – und gleichzeitig im Netz unterwegs sein könnten. Doch die Zeiten haben sich gewandelt. Mittlerweile sind rund 20 Prozent der Deutschen Bevölkerung bei Facebook registriert. So gesehen ist es durchaus realistisch, dass rund 600.000 von ihnen sich nicht für Justin Bieber, sondern für den Karl-Theodor zu Guttenberg begeistern.

Die Untersuchung von Lobo lässt allerdings keine Rückschlüsse auf die Frage zu, warum sich am Wochenende nur so wenige zu einem Demo-Besuch aufraffen konnten.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige